Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Achter Band): Personentunnel - Schynige Platte-Bahn — Berlin, Wien, 1917

Page: 7
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Personenverkehr.

7

Die geringere Achsenzahl der der Personen-
beförderung dienenden Züge erklärt sich aus
ihrer größeren Fahrgeschwindigkeit.

An Nutzlast kamen 1913 auf
1 Zugkm
Im
Personen-
verkehr
Im
Güter-
verkehr
Personen
t
Preußen-Hessen (StB.) ....
89
234
Elsaß-Lothringen (Reichsbahn.)
71
248
Bayern (StB.).
71
223
Sachsen (StB.) .
96
194
Württemberg (StB.).
76
180
Baden (StB.).
74
213
Deutschland (Gesamtnetz) . .
84
229
Österreich (StB.) .
73
207
Ungarn (StB.) .
65
171
Niederlande (StB.) .
1 65
129
Belgien (StB. 1912).
100

Frankreich (Hauptbahnen 1911)
69
128
Schweiz.
66
116
Dänemark (StB.).
52

Schweden (StB.).
62
222

Nachteilig auf die Ausnutzung der Personen-
wagen wirkt insbesondere auch die Scheidung
in 3 oder mehr Wagenklassen, weshalb die
Mitführung wenig benutzter Klassen, z. F3. der
ersten in den Personenzügen der deutschen
und österreichischen Bahnen sowie anderwärts,
möglichst eingeschränkt wird. Aus ähnlichen
Gründen haben die englischen Bahnen die
II. Klasse aufgelassen. Auf Lokal- und Klein-
bahnen werden in der Regel nur 2 Klassen
oder nur eine einzige geführt.
Der Ertrag des P. wird durch Fahrpreis-
ermäßigungen, die namentlich die Staatsbahnen
aus Rücksicht der Volkswohlfahrt auf Zeit-,
Schüler- und Arbeiterkarten, bei Gesellschafts-
fahrten, bei Fahrten zu wissenschaftlichen und
belehrenden Zwecken, für Schulfahrten, zu-
gunsten der öffentlichen Krankenpflege und
bei anderen Gelegenheiten gewähren, sehr
beeinträchtigt. Hauptsächlich kommen diese
Fahrpreisermäßigungen dem Nahverkehr zu
gute, der, soweit es sich um den Vorortverkehr
von Großstädten handelt, außerdem noch durch
billigere allgemeine Tarife begünstigt wird. Ver-
einzelt, z. B. in Österreich und Ungarn, bestehen
auch für den Fernverkehr Zonentarife, die mit
zunehmender Entfernung eine Ermäßigung des
Fahrpreises eintreten lassen.
Gegen den Güterverkehr bleiben die Ein-
nahmen aus dem P. auf 1 km Betriebslänge
und auf 1 Zug km wesentlich zurück. Geringer
ist der Unterschied bei der Zurückführung der
Einnahmen auf 1000 Achs km} wenn auch bei
den Güterwagen alle Fahrten (beladen und
leer) berücksichtigt werden. 1913 entfallen z. B.:

Einnahmen aus dem
Personenverkehr
Einnahmen aus dem
Güterverkehr
auf 1 km
auf 1 Zug km
auf 1000
Achs km
auf 1 km
auf 1 Zug km
auf 1000
Achs km
1000
M.
M.
M.
1000
M.
M.
M.
Preußen-Hessen
(StB.).
18-8
276
105
42-9
7-57
105
Elsaß-Lothrin-
gen (Reichsb.) .
16-2
L65
104
55-0
8-29
120
Bayern (StB.)...
127
1*84
121
23-8
7-83
111
Sachsen (StB.)..
2L3
2-52
136
363
8-96
142
Württemberg
(StB.)..
16-0
1-84
124
25-6
7-84
139
Baden (StB.) . ..
20-4
L87
115
41-8
8-07
113
Deutschland
.(Gesamtnetz) ..
16-9
2-08
111
37-0
774
109
Österreich (StB.)
9-8
208
136
280
8-04
115
Ungarn (StB.)..
6-2
179
104
160
5-83
92
Niederlande
(StB.).
15-9
178
117
187
437
78
Belgien(StB.1912)
207
1-86

4L5
5-30

Frankreich
(Hauptb. 1911).
16-6
2-63
129
202
570
83
Schweiz.
197
237
185
207
809
151
Italien (StB.1912)
137
2-58
160
195
5-87
123
Großbritannien
u. Irland (1912)
28-8
2-59
340
5-24
Dänemark (StB.)
14-4

147
17-4

120
Schweden (StB.)
68
1-94
152
147
7*22
95

3. Entwicklung des P. Der P. hat sich
von den ersten Anfängen des Eisenbahnwesens
an stetig und mit einer gewissen Gleichmäßigkeit
entwickelt. Rückschläge in der Entwicklung des
P. kommen nur vereinzelt aus besonderen Ur-
sachen vor, so insbesondere in Kriegszeiten, bei
andauernden Volkskrankheiten, wie nicht minder
nach sprunghaftem Anwachsen des P. in Aus-
stellungsjahren u. dgl. Ein auffallendes Anwachsen
des P. in einzelnen Jahren ergab sich insbesondere
infolge bedeutender Tarifherabsetzungen. Ander-
seits hatten Tariferhöhungen und der weitere
Ausbau des Straßenbahnnetzes auch vorüber-
gehenden Verkehrsrückgang sowie Abwande-
rungen der Reisenden aus den höheren in die
niederen Wagenklassen zur Folge.
Die nachstehende Tabelle gibt auf Grund
amtlicher statistischer Veröffentlichungen einen
Überblick über die Entwicklung des P. der
einzelnen Länder im letzten Jahrzehnt* 1.

1 Bei der wegen der besseren Vergleichsfähigkeit
vorgenommenen Umrechnung in km und deutsche
Währung sind gerechnet worden: 1 englische Meile
= 1*609/^, 1 russische Werst = L067£//z; 1 K österr.
Währung = 0 85 M., 1 fl. niederl. Währung = 170 M.,
1 Fr., Lira, Peseta, Leu = 0 80 M., 1 Pfund Sterling
= 20 M., 1 Rubel = 276 M., 1 Dollar = 4-20 M.,
1 skandinavische Krone = 1725 M., 1 indische Rupie
- T36 M.
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