Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Achter Band): Personentunnel - Schynige Platte-Bahn — Berlin, Wien, 1917

Page: 56
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Personenwagen.

V. Äußere Ausstattung.
Anstrich.
Eiserne Untergestelle werden zunächst sorg-
fältig gereinigt, dann mit einer rostschützenden
Farbe und hierauf mit einer Ölfarbe in dem
von der Verwaltung vorgeschriebenen Farben-
ton gestrichen. Radsterne und Achsen erhalten
meist den gleichen Anstrich, Achsbüchsen,
Federn, Bremsteile, Gasbehälter, Zug- und
Stoßvorrichtungen, Fußtritte, eiserne Anhalt-
stangen und Handgriffe aber immer schwarzen
Anstrich. Die Holzteile der Untergestelle werden
vielfach nur mit heißem Leinöl, manchmal
auch noch mit grauer Ölfarbe gestrichen.
Die Verschalungsbleche sind vor der An-
bringung mit Bimsstein und Wasser sauber
abzuschleifen und auf der Innenseite mit fetter
Ölfarbe anzustreichen. Nach der Befestigung
am Kastengerippe müssen sie außen nochmals
gut gereinigt und abgeschliffen werden. Sodann
sind folgende Arbeiten vorzunehmen:
1. Grundanstrich mit einer sehr dünnen (mageren)
Ölfarbe;
2. Auskitten der Schraubenlöcher und sonstiger
Vertiefungen ;
3. drei- bis fünfmaliges Aufträgen von Spachtel-
grund je nach der Dicke der einzelnen Schichten;
4. Abschleifen mit Bimsstein;
5. Anstrich mit einer mageren Ölfarbe von dem
Farbenton, der für den Wagen verlangt ist, und nach
dem Trocknen des Anstrichs Auskitten der sich
zeigenden Unebenheiten und Risse mit Spachtel-
grund sowie Nachschleifen der ausgekitteten Stellen;
6. zwei oder 3 Anstriche mit einer fetteren Ölfarbe
von dem gleichen Farbenton wie unter 5 angegeben;
7. zwei Überzüge mit Schleiflack, nach jedem Über-
zug Schleifen der Blechtafeln mit feingemahlenem
Bimsstein;
8. Anbringung der Aufschriften und Einfassungs-
linien;
9. Überzug mit feinem Kutschenlack.
Bei einfacheren Wagen wird zuweilen ein
kürzeres Arbeitsverfahren angewendet. Die Be-
handlung mit Schleif- und Kutschenlack ent-
fällt und die Wagen erhalten nach dem Auf-
trägen der zweiten Farbe (6) einen Anstrich
mit einer Lackfarbe: Japanlack, Ripolin od. dgl.
und auf diesem die Aufschriften und Einfassungs-
linien, die dann nach dem Trocknen noch über-
lackiert werden.
Um haltbare Anstriche zu erzielen, muß
man bei jedem Arbeitsverfahren streng darauf
achten, daß ein neuer Anstrich erst gegeben
wird, wenn der vorausgehende gut durchge-
trocknet ist. Die für den vollständigen Anstrich
eines Wagens benötigte Zeit ist von der Wärme
in der Lackierwerkstätte abhängig. Sie beträgt
18-25 Tage. Manche Verwaltungen haben ihren
Lackierwerkstätten besondere Trockenräume an-
gegliedert, in denen die zu lackierenden Wagen
nach jedem Arbeitsabschnitt 5 — 8 Stunden lang

einer Temperatur von 80-90° C ausgesetzt
werden. Die Gesamtzeit für den Anstrich wird
auf diese Weise um etwa 8 Tage gekürzt.
Holzverschalungen werden entweder ebenso
wie die Blechverkleidungen behandelt oder,
wenn sie aus feineren Hölzern hergestellt sind,
nur mit farblosem Lack mehrmals überzogen.
Anschriften und Schilder.
P. müssen gleich den Güterwagen an den
Seitenwänden und den Langträgern eine Reihe
von Anschriften erhalten, die über die Eigen-
tumsverwaltung, die Wagennummer, die Gattung
des Wagens, das Eigengewicht, die Zeit der
letzten Untersuchung, den Radstand, das Vor-
handensein von Lenkachsen, die Art der durch-
gehenden Bremse oder Leitung für eine solche
und über sonstige Verhältnisse der Wagen
Aufschluß gibt (vgl. Anschriften).
In neuerer Zeit findet man in Deutschland
allgemein und ebenso auf vielen Bahnen
anderer Länder an den Seitenwänden der P.
Laufschilder mit der Bezeichnung des Reise-
wegs der Wagen. Die gleichen Schilder sind
in den deutschen D-Zugwagen auch in den
Seitengängen angebracht, damit sich die Rei-
senden während der Fahrt darüber versichern
können, ob sie den richtigen Wagen benutzen.
Fußtritte, Anhaltgriffe, Signalstützen.
Zum Besteigen der Wagen, der Bremshäuser
und der Dächer sind Fußtritte und Anhalt-
griffe nötig. Die von den Reisenden benutzten
Einsteigtritte an den Langseiten der Wagen
werden aus Holz oder Riffelblech hergestellt.
Die Tritthalter sind an den Langträgern, bei
Drehgestellwagen manchmal an den Drehgestell-
rahmen befestigt. Hölzerne Tritte werden an
den Enden durch ein übergezogenes Eisenband
oder durch lange Bolzen gegen Reißen ge-
sichert und zur Verhütung des Abrutschens
bisweilen mit geriffelten Gummiplatten belegt,
meist aber nur an den vorderen Rändern der
oberen Fläche mit geriffelten Metalleisten besetzt.
Bei Abteilwagen besteht die untere Trittstufe
an den Langseiten aus einem Laufbrett, das
auf die ganze Wagenlänge und über die Stirn-
balken hinaus durchgeführt ist, damit die Zug-
beamten während der Fahrt von einem Wagen
zum andern übertreten können.
Die Enden der Laufbretter und Tritte müssen
hinter der Stoßfläche der nicht eingedrückten
Buffer mindestens um 300 mm zurückstehen
(§ 135 der TV. von 1909). Die unteren Tritt-
stufen der P. werden so weit ausladend und
so tief angeordnet, als es die von den Ver-
waltungen vorgeschriebenen Umgrenzungslinien
der Fahrzeuge gestatten. Die Ausladung der
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