Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Achter Band): Personentunnel - Schynige Platte-Bahn — Berlin, Wien, 1917

Page: 71
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Pferdewagen. — Philadelphias Schnellbahnen.

Zur Beleuchtung werden zumeist Deckenöl-
lampen verwendet.
Ein P. der preußisch-hessischen Staatsbahnen ist
in Abb. 54 dargestellt. Der Wagen ist ßachsig. Er
enthält 2 Stallräume und einen Begleiterraum.
Durch die Scheidewände in den Stallräumen können
je nach Wunsch 2 oder 3 Stände geschaffen werden.
Quer- und Stirnwände sind gepolstert. Die 1 üren
in den Seitenwänden der Stallräume sind geteilt,
u. zw. ist der obere Teil als Doppelflügeltür, der
untere als zweiteilige, als Ladebrücke verwendbare
Klappe ausgebildet.
Ein P. der Arms Palace Car Co. in Chicago ist in
Abb. 55 a - c dargestellt. Der Wagen ist 4achsig und
zur Aufnahme von 16 Pferden bestimmt, von denen
8 in der Mitte des Wagens und je 4 in den Stirn-
räumen untergebracht werden.
Die Scheidewände in den Stallräumen sind verstell-
bar, damit nach Wunsch auch eine geringere Anzahl
von Ständen geschaffen werden kann.
Eine Wandpolsterung ist nicht vorgesehen. Die
Futtertröge sind in der Höhenrichtung verschiebbar
angeordnet. Zur Mitnahme des Tränkwassers ist unter-
halb des Fußbodens ein Wasserbehälter vorgesehen.
Die Seitenwandtüren sind doppelflügelige Dreh-
türen. Schützenhofer jun.
Pflanzenwucherungen treten auf wenig
befahrenen Bahnstrecken ein, wenn die zur
Unterhaltung und Erneuerung des Oberbaues
hier nur selten ausgeführten Arbeiten nicht
ausreichen, um die Bildung von Unkraut u. dgl.
von vornherein zu verhindern. Auf stark be-
fahrenen Strecken und Bahnhöfen wird auch
schon durch die Absonderung von öligen Be-
standteilen durch die Lokomotiven der P. in
gewisser Weise vorgebeugt. Die P. auf Bahn-
höfen kommen daher hauptsächlich auf selten
benutzten und von den Maschinen wenig be-
fahrenen Aufstellgleisen vor.
Sehr begünstigt werden die P. durch das
Klima. Sie finden sich daher besonders in
warmen, feuchten und tropischen Gegenden,
in denen die Vegetation üppig ist und der
Frost nicht regelmäßig ein Absterben des Un-
krauts herbeiführt. Hier können die P. leicht einen
derartigen Umfang annehmen, daß die Erhaltung
des Oberbaues dadurch ernstlich erschwert, ja
sogar der Betrieb gefährdet wird, ln Gegenden
der gemäßigten Zone dagegen hat die hier nur
in geringem Umfang auftretende P. im all-
gemeinen den Nachteil, daß sie den Oberbau,
insbesondere die Schwellen und Befestigungs-
mittel der Schienen den Blicken des über-
wachenden Bediensteten entzieht und die Ent-
deckung von Holzschwellen, die der Zerstörung
entgegengehen, verhindert. Abgesehen hiervon
verursacht die P. wohl auch eine frühzeitige
Zerstörung der Schwellen und des Bettungs-
materials, da die Entwässerung des Schotter-
bettes gehemmt wird.
Die Beseitigung des Unkrauts durch Aus-
roden ist sehr kostspielig. Zur Ausrodung des

auf den Bahnböschungen und in den Bahn-
gräben wachsenden Unkrauts werden in den
Vereinigten Staaten von Amerika maschinelle
Einrichtungen verwendet, die in Form von
Pflügen ausgebildet und an einem entsprechend
ausgerüsteten Wagen angebracht sind. Wirk-
samer und billiger ist die Beseitigung des Un-
krauts — besonders in der Bettung — durch
Besprengung der P. mit einer Flüssigkeit, die
das Pflanzenleben tötet. Die Sprengflüssigkeit,
deren Zusammensetzung in der Regel von den
herstellenden Firmen geheimgehalten wird, muß
für Schienen, Schwellen und Brücken sowie alle
übrigen Teile der Eisenbahn unschädlich sein.
Mit der Besprengung sind besonders auf den
Eisenbahnen in den wärmeren südlichen Ge-
genden Nordamerikas umfangreiche Versuche
vorgenommen worden. Auch hat sich eine be-
sondere Gesellschaft (Railway Chemical Sprayer
Cy. in Owenburg, Kentucky) für die Vertilgung
von Unkraut auf den Bahnstrecken begründet,
die gegen eine feste Gebühr für die Meile die
Beseitigung des Unkrauts vornimmt. Die Ge-
sellschaft hat besondere Wagen gebaut, durch
die das Mischen der Flüssigkeit und das Be-
sprengen erfolgt. Die Wagen sind im stände,
36 m3 Sprengflüssigkeit aufzunehmen, die zum
Besprengen einer Strecke von etwa 25 km
Länge ausreicht. Kurze Zeit nach dem Besprengen
beginnt das Unkraut zu verdorren. Die Flüssig-
keit dringt bis in die Wurzeln ein und verhütet
so auch ein Wiederausschlagen der P. Eine
Anwendung dieses Verfahrens einmal im Jahre
— etwa im Juni — soll genügen, um die Strecke
für den Rest des Jahres frei von P. zu halten.
Giese.
Philadelphias Schnellbahnen. Phila-
delphia ist die drittgrößte Stadt der Vereinigten
Staaten und zählt einschließlich der Ortschaften
Chester, Norristown, Camden eine Bevölkerung
von 2 Milk (1912). Als bevorzugter Knoten-
punkt der Eisenbahn- und Wasserwege, zu
dem auf dem Delawarestrom die Ozeandampfer
155 km weit Vordringen, hat Philadelphia sich
zu einem der bedeutendsten Handels- und
Fabrikzentren des Landes entwickelt. In dem
flachen Gelände hat das Siedlungsgebiet
westlich des Delaware bis weit über den
Schuylkillfluß hinaus eine Ausdehnung gewon-
nen, welche die der anderen amerikanischen
Großstädte im Verhältnis zur Bevölkerung
übertrifft (Abb. 56); ist doch im Durchschnitt
jede Wohnstelle — bebautes Grundstück mit
einem besonderen Straßeneingang — mit nur
5,2 Personen belegt (1910); daher das Vor-
herrschen des Einfamilienhauses. In bezug auf
die wirtschaftliche Gliederung ist bemerkens-
wert die gruppierte Verteilung der Fabrik-
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