Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Achter Band): Personentunnel - Schynige Platte-Bahn — Berlin, Wien, 1917

Page: 79
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Philadelphias Schnellbahnen.

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gleicher Weise ausgeführt wie bei der Markt-
straßenbahn. Die Herstellung der Tunnel soll
möglichst im Tagebau in abzudeckender Bau-
grube, nur ausnahmsweise bergmännisch er-
folgen. Zur Abführung der durch die Bahn-
motoren erwärmten Tunnelluft werden mit
Rosten abgedeckte Luftschächte hergestellt, die
in der Straßenfläche, besser jedoch in Haus-
grundstücken, ausmünden und im letzteren
Fall mit Lufträdern versehen werden. Eine
Zerlegung mehrgleisiger Tunnel in Einzel-
tunnel durch Längsscheidewände, wie in Neu-
york, um für den Zweck der Tunnellüftung
eine Kolbenwirkung der Züge zu erreichen,
ist nicht beabsichtigt, da der Erfolg von Taylor
angezweifelt wird.
Die Stationsanlagen werden für Zugstärken
von 10 Wagen mit 154 in Bahnsteiglänge, die
Sicherheitsanlagen für eine Zugfolge von D/2
Min. eingerichtet, die im praktischen Betrieb
auch unter Berücksichtigung einmündender
Seitenlinien, vorkommender Kreuzungen, stär-
kerer Steigungen und von Zugaufenthalten
bis zu 40 Min. für sicher erreichbar angesehen
wird L
Eilzugstationen in 4gleisigen Strecken werden
so angelegt, daß die Eilzuggleise zwischen 2
Inselsteigen durchgehen, an deren Außenseite
die Ortsgleise liegen; stellenweise werden
zwischen die Eilgleise noch schmale Abgangs-
bahnsteige eingelegt1 2.
Die Betriebsmittel werden ähnlich wie die
der Marktstraßenbahn durchweg als Trieb-
wagen mit 2 Triebmaschinen von je 125 PS.
gebaut und mit Vielfachsteuerung ausgerüstet.
Das Leergewicht der Wagen beträgt 40 t.
1 Der erste Netzausbau würde danach ermöglichen,
dem Geschäftsbezirk stündlich 800 Wagen von der
Nord-Breitestraße und je 400 Wagen von der Süd-
Breitestraße, von der Ost- und der West-Marktstraße
zuzuführen. Dies ergibt, auf den Wagen 86 Fahrgäste
gerechnet, eine stündliche Beförderungsmöglichkeit
in der Richtung zur Innenstadt von 172000 Personen,
die durch die Entlastungslinie der Marktstraßenbahn
späterhin auf 206000 gebracht wird.
2 Durch die in den Abb. 66 u. 67 veranschaulichten
Studien will Taylor zeigen, wie es durch Verschlingung
der Gleise möglich wäre, die Leistungsfähigkeit der
Durchgangsstationen von der Aufenthaltsdauer der
Züge unabhängig zu machen. Bei 2gleisiger Bahn
würden die Züge ohne Gefahr des Zusammenstoßens
abwechselnd die eine und die andere Seite der
Station benutzen. Wo noch Schnellzuggleise vor-
handen sind, müßten diese unter der Ortsstation
durchgeführt werden (Abb. 67). Bahnhofsformen der
vorliegenden Art, mit denen die Leistung um 50 bis
75% gesteigert werden kann, sind zwar vereinzelt
zur Ausführung gekommen (Brooklynbrücke, Station
Nordphiladelphia der Pennsylvanischen Bahn); sie
erfordern indessen eine so erhebliche Breitenaus-
dehnung, daß Taylor von ihrer Anwendung auf
den Schnellbahnen in Philadelphia absieht.

Nach Abb. 68 erhalten sie 54 Sitzplätze auf
Längsbänken und 69 Stehplätze. Öffnen und
Schluß der Türen erfolgt wieder mittels einer
Drucklufteinrichtung durch Wagenbegleiter.
Als Betriebsstrom kommt gleichfalls Gleich-
strom von 650 Volt zur Verwendung; auch
die Stromschienenform bleibt ungeändert.
2. Elektrische Vorort- und Überland-
bahnen.
Aus dem Straßenbahnnetz hat sich eine erheb-
liche Zahl von Vorortlinien entwickelt, die
mit leistungsfähigeren Betriebsmitteln in die
Umgebung Vordringen. Die bekannteste ist die
Bahn nach dem im Norden von Philadelphia
gelegenen Vergnügungspark Willow Grove.
Die außergewöhnlich starken Verkehrswellen
machten hier eine weitgehende Vorordnung der
nach Philadelphia zurückströmenden Aus-
flügler nötig, die in einer Stationsanlage der
in Abb. 69 veranschaulichten Art erfolgt. Die
von der Stadt kommenden Wagen werden an
2 tief im Hintergrund ersichtlichen Bahn-
steiggruppen abgefertigt, von denen Rampen
nach einem Zu- und Abgangstunnel führen.
Von besonderem Interesse ist die Einrichtung
der von dem Tunnel zugänglichen Abfahrtssteige,
die der Länge nach mittels einer Holzschranke
in einen Vorraum und einen Verteilungsraum
zerlegt sind. Letzterer ist in Buchten abgeteilt,
an denen die Wagen der verschiedenen Linien
Vorfahren, deren Richtungen über den Toren
durch auswechselbare Inschriften bezeichnet
sind; ihr Fassungsraum entspricht der Be-
setzung eines Wagens. Mit dem Bahnhof sind
ausgedehnte Aufsteligleise verbunden, in denen
die angekommenen entleerten Wagen bis zur
Abfahrt abgestellt werden.
Im Überlandverkehr haben sich beson-
dere Formen elektrischer Bahnen entwickelt, die
in größerer Zahl zur Ausführung gekommen
sind. An die Markstraßenhochbahn ist an der
69. Straße die Philadelphia- und Westchester-
Bahn angeschlossen, die nach dem rd. 22 km
entfernten Norristown führt. Außer den Über-
landbahnen sind eine Anzahl elektrisierter
Dampfbahnstrecken zu nennen, die teils dem
Vorortverkehr, teils dem Überlandverkehr
dienen. Unter den letzteren ist die älteste die
zum Netz der Pennsylvanischen Bahn gehörende
West Jersey- und Südküstenbahn, die 1906
vom Dampfbetrieb zum elektrischen Betrieb
überging. Sie führt in 2gleisigem Ausbau von
Camden über Newfield nach Atlantic City
(105 km)] in Newfield zweigt eine eingleisige
Seitenlinie nach Melville ab (16 km). Als
Betriebsstrom ist Gleichstrom von 650 Volt
verwendet, der fast durchweg von dritter
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