Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Achter Band): Personentunnel - Schynige Platte-Bahn — Berlin, Wien, 1917

Page: 108
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Postwagen.
allgemein übliche. Er besitzt Dampf- und Ofen-
heizung, elektrische Beleuchtung (Batteriebeleuchtung)
und Druckluftbremse.
2. Vierachsiger Brief- und Paketpostwagen der
schweizerischen Bundesbahnen (Taf. V, Abb. 1).
Der Wagen besitzt einen Seitengang, der durch
Feststellen der von den Postabteilen mündenden
Türen — im Fall der Durchgang nicht erforderlich ist
für den Postdienst nutzbar gemacht werden kann.
Er ist mit Dampf- und Warmluftheizung, elektrischer
Beleuchtung, elektrischen Luftsaugern und Luftdruck-
bremse ausgestattet.
3. Dreiachsiger Brief-und Paketpostwagen der
österreichischen Staatsbahnen (Taf. V, Abb. 2).
Die Ausstattung und Einteilung des Wagens ist die
allgemein übliche. Erbesitzt Dampf-und Ofenheizung,
Gasglühlichtbeleuchtung und Luftsaugebremse.
4. Vierachsiger Briefpostwagen der preu-
ßischen Staatsbahnen (Taf. V, Abb. 3).
Der Wagen hat einen Mittelgang, der im Bedarfs-
fall vom Zugpersonal benutzt werden kann; die,
die Türen verlegenden Fächer sind zu diesem Behuf
umklappbar eingerichtet. Der Abort und die Wasch-
gelegenheit sind in den Bufferraum verlegt. Der
Wagen ist mit Dampf- und Ofenheizung, mit elek-
trischer Zugbeleuchtung und Druckluftbremse aus-
gerüstet.
5. Vierachsiger Post- und Gepäckwagen der
österreichischen Staatsbahnen (Taf. V, Abb. 4).
Von dem Briefraum und dem Paketraum vollstän-
dig abgetrennt ist ein Gepäckraum und ein Dienst-
raum für Bahnzwecke vorgesehen. Der Wagen ist
mit Dampf- und Ofenheizung, Gasglühlichtbeleuch-
tung und Luftsaugebremse ausgerüstet.
Schützenhofer jun.
Postzug (mail train; train-poste, train utilise
par la poste; treno postale, treno con carro
postale), früher übliche Bezeichnung für einen
an allen Stationen haltenden, dem Personen-
und Eilgutverkehr dienenden Personenzug mit
Postbeförderung. Bei dervielseitigen Ausbildung,
die der Fahrplan (s. d.) in Bezug auf Gattung
und Zahl der Züge im Lauf der Zeit erfahren
hat, wird das Wort P. zur Bezeichnung einer
bestimmten Zuggattung im amtlichen Sprach-
gebrauch heute nicht mehr angewendet. Es
bedarf im Einzelfall der näheren Angabe,
welcher Gattung ein von der Post benutzter
Zug in fahrdienstlichem Sinne zuzuteilen ist
und in welchem Umfang er zur Postbe-
förderung (s. d.) herangezogen wird. Die
Benutzung der Eisenbahnzüge zu Postzwecken
schwankt zwischen der einfachen Briefbeutel-
beförderung durch das Zugbegleitpersonal und
der Ablassung besonderer Züge ausschließlich
für die Zwecke der Post. Allerdings werden
Fälle, in denen so viel Postgut auf einmal zu
befördern ist, daß dadurch die Zugkraft einer
Lokomotive voll ausgenutzt wird, nur selten
Vorkommen. Bleibt aber ein Teil der Loko-
motivkraft unbenutzt, so ist der Betrieb unwirt-
schaftlich. Die Eisenbahnverwaltungen werden
daher in der Regel bemüht sein, eine Ver-

— Prämien.
einigung der Postbeförderung mit der Per-
sonen- oder Güterbeförderung eintreten zu
lassen, soweit ihnen nicht durch Verträge oder
gesetzliche Auflagen hierin Beschränkungen
auferlegt sein sollten (s. Postbeförderung).
Breusing.
Prämien (premiums; primes; prerni).
I. Begriff. P. sind Belohnungen, die für
bestimmte Leistungen oder Erfolge dem Per-
sonal im vorhinein versprochen und ihm neben
seinen regelmäßigen Bezügen gewährt werden.
Eine besondere Art der P. ist die Gewinn-
beteiligung des Personals. Sie gewährt die-
sem bestimmte Anteile an der Roh- oder
Reineinnahme. Mit den P. verwandt sind die
Gratifikationen, die gleichfalls meist im
vorhinein in Aussicht gestellt werden, aber
nicht als Rechtsanspruch für bestimmte Lei-
stungen, sondern als freiwillige Zuwendungen
für gutes Verhalten, dann die Remunera-
tionen, die zwar für bestimmte Leistungen,
aber freiwillig und nicht auf Grund bestimmter
Rechtsregeln gegeben werden.
II. Arten und Anwendung. Man unter-
scheidet folgende Arten von P.:
a) Aufmerksamkeitsprämien. Sie kommen
im Eisenbahndienst bei vielen Verwaltungen vor
allem vor als Schadenverhütungsprämien für die
Auffindung von betriebsgefährlichen Schäden an
der Bahn und an den Fahrzeugen (u. zw. meist
in Sätzen von 1-6M. für die Entdeckung von Brü-
chen oder Anbrüchen an Schienen, Weichenzun-
gen, eisernen Schwellen, Herzstücken, Laschen u.s.w.,
von 1 —15 M. für die Entdeckung von Anbrüchen
an Achsen, Radreifen, Radnaben, Kupplungen,
Rahmen von Drehgestellen, an Kolben, Kolben-
und Pleuelstangen, Kurbelzapfen, sowie auch an
Kesseln u. s. w.), dann für die Entdeckung von
Mißbräuchen in der Personen- und Güter-
abfertigung (bei denen der Entdecker einen Anteil
an der verwirkten Vertragsstrafe bei Fahrgeidhinter-
ziehungen, an den nachgeholten Fahrgeldern oder an
den Frachtzuschlägen erhält, die bei unrichtiger Ge-
wichtsangabe oder bei Wagenüberlastung eingehoben
werden). Diese Art von P. ist, abgesehen von der
bei den bayerischen Staatseisenbahnen noch be-
stehenden Entdeckerprämie bei unrichtiger Gewichts-
angabe, jetzt in Deutschland beseitigt. Dagegen be-
steht sie noch bei anderen Verwaltungen (ungari-
sche Staatsbahnen und österreichische Siidbahn).
Hierher gehören auch die P. für Entdeckung von
Diebstählen und Beraubungen. Eine Aufmerksam-
keitsprämie von 50 Pf. wird im Deutschen Staats-
bahnwagenverband für das Auffinden jedes in die
Sucheliste aufgenommenen Wagens dem
Finder bezahlt. Auch bei den österreichischen
und ungarischen Staatsbahnen besteht eine
„ Wagenausforschungsprämie".
Eine besondere Art von Aufmerksamkeitsprämien
ist es, wenn bei den preußischen Staatsbahnen
und den Reichseisenbahnen in Elsaß-Lothringen
den in den Sammelgleisen von Ablaufrangierbahn-
höfen beschäftigten Hemmschuhlegern eine tägliche
Lohnzulage (Rangier-Aufmerksamkeitsprämie)
bis zu 30 Pf. gewährt wird, sofern in den von ihnen
bedienten Gleisen Beschädigungen an Wagen oder
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