Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Achter Band): Personentunnel - Schynige Platte-Bahn — Berlin, Wien, 1917

Page: 111
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Prämien.

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So verwendet die spanische Nordbahn 2%
ihrer Reineinnahme derart, daß 95% dieses Betrags
an das berechtigte Personal nach Verhältnis seiner
Gehaltsbezüge verteilt, die übrigen 5% zu Grati-
fikationen für die Entdeckung von Schäden an der
Bahn, von Diebstählen und Betrügereien zur Ver-
fügung gestellt werden. Auch die Paris-Lyon-
Mi ttelmee r-Bah n bewilligt ihrem Personal all-
jährlich einen bestimmten Anteil am Reinerträgnis.
Bei den badischen Staatseisenbahnen hat in
den Jahren 1882—1889 eine Gewinnbeteiligung be-
standen, indem vom Reinüberschuß bestimmte, mit
der Höhe der Verzinsung des Anlagekapitals stei-
gende Prozente an das Personal mit nicht mehr als
2900 M. Höchstbesoldung verteilt wurden (Ztg. d.
VDEV. 1907, S. 202). Eine unmittelbarere Wechsel-
beziehung zwischen Gewinnbeteiligung und Leistung
besteht bei den von vielen Aktiengesellschaften an
die Oberbeamten bezahlten Tantiemen aus dem
Reingewinn.
ß) Eine von der Dienstleistung des
einzelnen abhängige Gewinnbeteili-
gung besteht bei den ungarischen Staats-
bahnen im Stationsdienst.
Die Leistungen werden auf Grund von Einheits-
sätzen bewertet Das Ergebnis dieser Bewertung ist
das Guthaben, die Summe der wirklichen Ausgaben
der Station die Belastung. Von dem Unterschied
werden an das Personal 50% als P. nach einem
bestimmten Schlüssel verteilt.
Eine Gewinnbeteiligung des gesamten Personals
war bei den dänischen Staatsbahnen mit Ges.
vom 15. Mai 1903 eingeführt worden. Wenn der
Überschuß mehr als 2% des Anlagekapitals beträgt,
hatte das fest angestellte Personal außer dem Gehalt
eine Tantieme zu erhalten, die aus dem 2% des An-
lagekapitals übersteigenden Betriebsüberschuß nach
bestimmten Sätzen berechnet wurde und 0'6% des
Anlagekapitals nicht übersteigen konnte. Die Tan-
tiemen wurden in 12.000 gleiche Teile zerlegt, von
denen jede der 19 Personalgruppen eine bestimmte
Anzahl erhielt. Damit wurde, da die Teile um so
kleiner ausfallen müssen, je größer die Anzahl des
Personals der Gruppe ist, jeder einzelne Angestellte
an sparsamer Personalzuteilung interessiert. Mit Ges.
vom 27. Mai 1908 wurde eine allgemeine Gehalts-
aufbesserung eingeführt und hierbei die Gewinnbe-
teiligung auf die höheren Beamten beschränkt. Mit
Ges. vom 10 Mai 1915 wurde deren Gewinnbe-
teiligung gleichfalls beseitigt. Die Aufhebung der
Gewinnbeteiligung geschah aus allgemeinen Er-
wägungen, nicht etwa wegen eines Mißerfolges des
Systems.
Eine das gesamte Personal umfassende Ge-
winnbeteiligung ist bei den italienischen
Staatsbahnen durch Art. 3 und 4 des Ge-
setzes vom 13. April 1911 (Text in deutscher
Übersetzung Arch. f. Ebw. 1911, S. 1317;
Denkschrift zum Gesetzentwurf, ebenda, S. 629,
634) eingeführt worden.
Das Personal wird nach Dienstzweigen und ört-
lichen Bezirken in Gruppen geteilt; für jede Gruppe
wird alljährlich nach dem Rechnungsabschluß der
ihr zuzurechnende Anteil an den Ersparnissen auf
Grund des Personalausgabenkoeffizienten des Doppel-
jahres 1907- 1909 besonders ermittelt. Den einzelnen
Gruppen werden 30-90, durchschnittlich 60% der
von ihnen gemachten Ersparnisse zugewiesen. Bei
der Verteilung innerhalb der Gruppe scheiden die-

jenigen Beamten aus, die am wenigsten zu den Er-
sparnissen beigetragen haben. Unter den Bedachten
werden diejenigen bevorzugt, die sich um die Er-
zielung von Ersparnissen am meisten verdient ge-
macht haben. Der Maßstab wird in der Weise ge-
wonnen, daß nach einer besonderen Anweisung von
jedem Vorgesetzten für seine Untergebenen Ver-
dienstpunkte nach ihrem Interesse an der Ein-
schränkung des Personalaufwandes in besonderen
Führungslisten festgestellt werden. Auf Grund dieser
Verdienstpunkte erfolgt die Verteilung, wobei an
den Zuwendungen wenigstens 50 und höchstens
75% der Angestellten der Gruppe teilnehmen sollen.
Für 1912/13 wurde zum erstenmal ein Gewinnanteil
an das Personal verteilt. Berechnungen der von jeder
Gruppe erzielten Ersparnisse waren im ersten Jahr
noch nicht möglich. 76% aller Angestellten erhielten
einen Gewinnanteil auf Grund ihrer Verdienstpunkte.
An der Gewinnbeteiligung nach Art. 3 des Gesetzes
nehmen die höheren Beamten nicht teil. Für sie
wird nach Art. 4 eine Summe von jährlich 5°/oo des
Betriebsüberschusses bereitgestellt, aus der ihnen nach
Maßgabe ihrer Verdienste um die Regelmäßigkeit
und Wirtschaftlichkeit des Betriebs Zuwendungen
gemacht werden.
III. Gratifikationen, Ehrengaben (rewards;
gratificcitions; gratificazioni). Sie kommen als
Belohnungen für langjährige Dienstzeit
bei den meisten Verwaltungen vor,
so bei den preußischen und sächsischen Staats-
eisenbahnen nach der Lohnordnung für Arbeiter
mit 20-, 25-, 30-, 35-, 40-, 45-, 50jähriger Dienstzeit
in Höhe von 20, 50, 60, 80, 100, 200, 300 M., bei
den bayerischen Staatseisenbahnen für Arbeiter mit
25-, 40- und 50jähriger Dienstzeit 50, 100 und 150 M.,
bei den dänischen Staatsbahnen bei gleichen Dienst-
zeiten 50, 100 und 200 K, bei den österreichi-
schen Staatsbahnen bei 25jähriger Dienstzeit 200 K.
Als allgemeine Belohnungen für gute Dienst-
leistung werden sie bei den französischen Staats-
bahnen gewährt, indem Beamte, „die besonders zum
guten Verlauf des Dienstes beigetragen haben", als
gratification ä titre de prime de gestion ou d'eco-
nomie am Jahresschluß den halben bis 2fachen
Monatsbezug erhalten, der jedoch bei einer mehr
als 40tägigen Dienstunterbrechung gekürzt wird und
bei 90tägiger Dienstunterbrechung vollständig entfällt.
Hierher gehört auch die bei vielen Verwaltungen
(holländische Eisenbahn, spanische Nordbahn für
die in die Gewinnbeteiligung nicht einbezogenen
Gruppen) bestehende Übung, dem Personal bei
Wohlverhalten am Jahresschluß einen Monatsbezug
oder einen Teil eines solchen oder sonstige sog.
„Bilanzremunerationen" (z. B. Aussig-Teplitzer Eisen-
bahn) zu gewähren.
IV. Remunerationen, auch außerordent-
liche P. genannt, im Gegensatz zu den unter II
behandelten „ordentlichen P.« (preußische Fi-
nanzordnung, Teil XII, S. 105, Belohnungen,
recompenses; retnanerazioni), sind fast bei
allen Verwaltungen üblich
für verhütete Unfälle und hervorragende Lei-
stungen im Betrieb, Entdeckung und Unterdrückung
von Wald- und anderen Bränden, Rettung von
Personen, Anzeige der Urheber von Bahnfreveln,
Dieben u. s. w., für außergewöhnliche Anstrengung,
insbesondere bei starkem Verkehr, bei Betriebsun-
fällen und Verkehrsstörungen, für die Erzielung von
Ersparnissen zu gunsten der Verwaltung, für beson-
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