Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Achter Band): Personentunnel - Schynige Platte-Bahn — Berlin, Wien, 1917

Page: 130
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Preußische Eisenbahnen.

durch Ges. vom 11. März 1870 und 22. Novem-
ber 1909 auf Waldeck ausgedehnt ist. Für Hohen-
zollern und für Lauenburg gelten besondere Be-
stimmungen. Auch die Gesetze über das Pfand-
recht u. s. w. vom 19. August 1895 (GS. S. 499)
mit den Änderungen durch Ges. vom 11. Juni
1902 (GS. S. 215) sind ausschließlich preußische.
Über die hessische Gesetzgebung u. s. w.
s. Bd. VI, S. 187 ff. (Hessische Eisenbahnen).
2. Organisation. Diese beruht auf den
Allerhöchsten Erlässen vom 15. Dezember 1894
(GS. S. 1895, S. 11), vom 23. Dezember 1901
(GS. S. 130) und vom 25. März 1907 (GS.
S. 81). Die frühere Organisation vom 24. No-
vember 1879 war alsbald nach dem Erwerb
der ersten größeren Netze von Privatbahnen
eingeführt und hatte sich für die Zeit der all-
mählichen Durchführung des Staatsbahnsystems
durchweg bewährt. Insbesondere erleichterte
das Bestehen der Eisenbahnbetriebsämter neben
und unter den Direktionen die Einfügung
der neu erworbenen Privatbahnen in das Staats-
eisenbahnnetz. Als gegen Mitte der Neunziger-
jahre des vorigen Jahrhunderts das Staatsbahn-
netz in sich abgeschlossen war, wurde durch
die Neuordnung eine straffere Zentralisation
herbeigeführt, die gleichzeitig eine wesentliche
Vereinfachung des Geschäftsgangs und eine
Verbesserung der finanziellen und wirtschaft-
lichen Leistungen zur Folge hatte. Die Verwaltung
erfolgt unter der obersten Leitung des Ministers
für öffentliche Arbeiten. Unter ihm stehen die
kgl. Eisenbahndirektionen, deren Zahl, unter Auf-
hebung der (75) Eisenbahnbetriebsämter von 11
auf 20 erhöht wurde und denen nach Bildung
der preußisch - hessischen Eisenbahngemein-
schaft als 21. die Direktion Mainz hinzutrat. Die
stetig wachsenden Aufgaben der Eisenbahnver-
waltung machten es nach Verlauf eines Jahrzehn-
tes nötig, sie von allen Geschäften zu entlasten,
die nicht unmittelbar mit der Bezirksverwaltung
zusammenhingen. Zur Erledigung dieser Ge-
schäfte wurde mit dem 1. April 1907 das kgl. Ei-
senbahnzentralamt in Berlin errichtet, das den
Eisenbahndirektionen gleichgeordnet ist und die
Geschäfte zu erledigen hat, deren einheitliche
Regelung für alle oder mehrere Eisenbahndirek-
tionsbezirke geboten ist (vgl. Bd. IV, S. 152/153).
Dem Minister für öffentliche Arbeiten, der auch
die allgemeine Bauverwaltung leitet, ist die einheit-
liche Regelung des Eisenbahnwesens innerhalb des
gesamten Bereiches der Staatseisenbahnen Vorbe-
halten. Für das Eisenbahnwesen sind ihm ein Unter-
staatssekretär und 5 Abteilungen unterstellt: 1. Bau-
abteilung, 2. Verkehrsabteilung, 3. Verwaltungsab-
teilung, 4. Finanzabteilung, 5. maschinentechnische
Abteilung. An der Spitze einer jeden Abteilung steht
ein Ministerialdirektor, dem eine Anzahl von Vor-
tragenden Räten und Hilfsarbeitern beigegeben ist.
Für die Wahrnehmung der Bureaugeschäfte bestehen

das '.Zentralbureau und eine Anzahl weiterer mit
mittleren Beamten besetzter Bureaus.
Der Minister erläßt einheitliche Geschäfts- und
Dienstanweisungen, einheitliche Vorschriften für die
Ordnung der Rechts- und Dienstverhältnisse der
Arbeiter, für das Kassen- und Rechnungswesen und
die einzelnen Dienstzweige im Betrieb und im Bau
der Staatseisenbahnen. Er entscheidet über Beschwerden
gegen das Zentralamt und die Eisenbahndirektionen,
ihm sind für die Betriebsverwaltung, die Neubau-
verwaltung und die Behandlung der Personalien
wesentliche Rechte Vorbehalten, durch die eine ein-
heitliche Handhabung des gesamten Eisenbahnwesens
sichergestellt werden soll. (Das einzelne ergibt sich
aus den §§2 — 5 der Verwaltungsordnung, die in
der jetzt geltenden Fassung abgedruckt ist in der
GS. 1907, S. 82 ff.)
Die kgl. Eisenbahndirektionen bestehen aus einem
Präsidenten, den mit der ständischen Vertretung des
Präsidenten beauftragten Mitgliedern (Oberregierungs-
und Oberbauräten) und der erforderlichen Anzahl
weiterer Mitglieder (Dezernenten) und Hilfsarbeiter.
Ihnen obliegt mit den den Provinzialbehörden zu-
gewiesenen Rechten und Pflichten die Verwaltung
aller zu ihrem Bezirk gehörigen, im Betrieb oder im
Bau befindlichen Eisenbahnstrecken. Sie entscheiden
über Beschwerden gegen Verfügungen der Eisenbahn-
ämter. Für die Erledigung von Beschwerden der
Beamten gegen Verfügungen, die die unfreiwillige
Entlassung widerruflich oder kündbar angestellter
Beamter oder eine höhere Geldstrafe zum Gegen-
stand haben, bilden die Mitglieder des Zentralamts
und der Eisenbahndirektionen ein Kollegium, dessen
Beschlüsse mit absoluter Stimmenmehrheit gefaßt
werden (Verwaltungsordnung §§7 — 9). Für die Be-
arbeitung der Geschäfte besteht eine Anzahl von
Bureaus, für die äußere Kontrolle sind Betriebs-
kontrollöre angestellt.
Den (früher Inspektionen, seit dem Allerhöchsten
Erlaß vom 23. November 1910 Ämter genannten Be-
hörden) Betriebs-, Maschinen-, Verkehrs- und Werk-
stättenämtern sowie den für Neubauausführung nach
Bedarf eingesetzten Bauabteilungen obliegt die Aus-
führung und Überwachung des örtlichen Dienstes
nach den Anordnungen der Eisenbahndirektionen
(Verwaltungsordnung §§ 10—15).
Zur beirätlichen Mitwirkung in Verkehrs-, insbe-
sondere Tarifangelegenheiten sind auf Grund des
Ges. vom 1. Juni 1882 (GS. S. 313) und des Art. 18
des Staatsvertrags zwischen Preußen und Hessen vom
21. Juni 1896 (s. o.) ein Landeseisenbahnrat und
Bezirkseisenbahnräte eingesetzt worden. Bezirkseisen-
bahnräte bestehen in Altona, Berlin, Breslau, Brom-
berg, Cöln, Erfurt, Frankfurt (Main), Hannover und
Magdeburg. (Über ihre Zusammensetzung und ihre
Befugnisse vgl. Bd. II, S. 109 ff.)
In den nachfolgenden Übersichten sind die
zahlenmäßigen Angaben über die Staatseisen-
bahnverwaltungsbehörden, ihren Umfang ein-
schließlich der im Bau befindlichen Strecken, die
Anschlußbahnen, die Ämter, die Anzahl der Sta-
tionen und ihrer selbständigen Abfertigungs-
stellen, und der Personalbedarf für das Etats-
jahr 1914, ferner die Verteilung der im Betrieb
befindlichen Eisenbahnen Preußens auf die Pro-
vinzen und außerpreußischen Staatsgebiete zu-
sammengestellt und die hauptsächlichsten An-
gaben über die unter Staatsaufsicht stehenden
Privatbahnen beigefügt.
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