Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Achter Band): Personentunnel - Schynige Platte-Bahn — Berlin, Wien, 1917

Page: 144
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Privatwagendecken. — Probefahrten.

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Decken ohne Ladung werden gegen eine er-
mäßigte Fracht von Ch30M. für die Frachtbrief-
sendung befördert.
Werden die Decken nach der Versandstation
des Gutes aufgegeben, zu dessen Bedeckung
sie dienen sollen, so werden sie von dieser
Station bis zu ihrer Verwendung ohne Erhe-
bung von Lagergeld verwahrt, wenn der Fracht-
brief an die Güterabfertigungsstelle dieser Station
gerichtet ist und den vorschriftsmäßigen Ver-
merk enthält.
Nach dem österreichischen Tarif werden
die zum Schutz der Ladung von den Ab-
sendern beigestellten Wagendecken bei Ver-
sendung der Güter an den Empfänger fracht-
frei befördert. Erfolgt die Rücksendung inner-
halb 3 Monate durch den Empfänger an den
Eigentümer nach der Versandstation als Fracht-
gut unter Vorlage des Frachtbriefs über die
Flinbeförderung, so wird für je eine Decke eine
Gebühr von 40 h eingehoben.
Privatübergänge, unbewachte Wegkreu-
zungen mit der Bahn, deren mit Schlössern
sperrbare Schranken in der Regel verschlossen
bleiben und nur zur Bewirtschaftung der an-
grenzenden Grundstücke geöffnet und von den
hierzu Berechtigten benutzt werden dürfen.
Die Bau- und Betriebsordnung für die
deutschen Eisenbahnen enthält im § 6 (9)
folgende Bestimmung:
Schranken an unbedienten Übergängen von
Privatwegen (§ 18 [7]) sind verschlossen zu
halten.
§ 18 (7) bestimmt: Schranken an unbedienten
Übergängen von Privatwegen müssen verschließ-
bar sein.
In der Schweiz kann der Abschluß der P.
auch mittels Drehkreuzen erfolgen. Weikart.
Probedienstzeit s. Ausbildungs- und Prü-
fungswesen.
Probefahrten (trial-trips; voyages d’essai;
corse di prova) mit Zügen oder einzelnen Fahr-
zeugen dienen zur Ermittlung der Leistungs-
fähigkeit von Lokomotiven, Feststellung des
Ganges von Lokomotiven und Wagen, Be-
stimmung der Bewegungswiderstände von ein-
zelnen Fahrzeugen und ganzen Zügen in
geraden und gekrümmten Strecken, Unter-
suchung der Wirkung einzelner Einrichtungen
an Fahrzeugen (z. B. der Bremsen, der Lüftung,
Heizung u. s. w. der Wagen, der Feuerung,
des Blasrohrs u. s. w. bei Lokomotiven), zur
Prüfung der Fahrordnung neuer Züge, der
Gleisanlagen, der Brücken, des Lokomotiv-
personals u. s. w.
P. sind vielfach behördlich vorgeschrieben,
so bei der technisch-polizeilichen Erprobung
von Brücken (s. Brückenprobe), von neuen

Bahnstrecken vor ihrer Übergabe an den
Verkehr, desgleichen von neuen Lokomotiven
(Polizeiprobe), entweder ausdrücklich oder
als natürliche Folge der Bestimmung, daß der
Nachweis einer sicheren Benutzbarkeit vor
Übergabe (der Strecke, Brücke, Lokomotive)
an den öffentlichen Verkehr zu erbringen ist.
Bei den P., die der Eröffnung einer neuen
Strecke vorausgehen, muß in Österreich
nach der Eisenbahnbetriebsordnung (kais.
Verordnung vom 16. November 1851) zum
Zweck der Erwirkung der ministeriellen Er-
öffnungsbewilligung kommissionell festgestellt
werden, daß ein regelmäßiger, ungestörter
und sicherer Betrieb mit vollem Grund erwartet
werden kann. Zu diesem Zweck wird die
Bahn von den zuständigen Organen und dem
Eisenbahnunternehmer befahren. In Preußen
wird nach Fertigstellung der Bahn die ganze
Anlage einer landespolizeilichen und eisen-
bahntechnischen Prüfung unterzogen. Erst nach
günstigem Ausfall darf die Bahn dem Ver-
kehr eröffnet werden (Ges. vom 3. November
1838, § 22). Eine ähnliche Bestimmung gilt
auch für die Schweiz (Bundesgesetz vom
23. Dezember 1872), und nehmen hier an
den P. auch die Vertreter der Kantonalbehörden
teil. In den Niederlanden findet bei den vom
Staat gebauten Bahnen eine P. durch den Eisen-
bahnaufsichtsrat, bei Privatbahnen eine solche
durch eine besondere Regierungskommission
statt. In ähnlicher Weise wird auch in anderen
Staaten der betriebssichere Zustand der Bahn
und der Betriebsmittel durch P. festgestellt
(s. auch Art. Abnahme der Bahn).
Eine Reihe von P. wird seitens der Bahn-
verwaltungen regelmäßig bei bestimmten An-
lässen vorgenommen, ohne daß hierfür behörd-
liche Vorschriften bestehen. Es gehören hierher
insbesondere die Leistungsproben bei Lieferung
neuer Lokomotiven und die Erprobung von
Lokomotiven nach größeren Ausbesserungen.
Die P. bei neugelieferten Lokomotiven hat
darzutun, ob die betreffende Lokomotive
rücksichtlich ihres Ganges bei der für sie
festgesetzten Höchstgeschwindigkeit sich ent-
sprechend verhält; bei Leistungsproben wird
durch P. festgestellt, ob die Leistungsfähig-
keit der Lokomotive den Vorschriften der Liefe-
rungsbedingnisse genügt.
Mit einer aus der Hauptreparatur kommenden
Lokomotive werden mitunter auch P. in der oben
angedeuteten Weise durchgeführt, häufig be-
gnügt man sich jedoch mit der Beobachtung
der betreffenden Lokomotiven bei einem ge-
wöhnlichen Zug. Zuweilen werden nach klei-
neren Ausbesserungen wie Räderauswechs-
lungen, Lagerregulierungen u. s. w. ebenfalls
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