Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Achter Band): Personentunnel - Schynige Platte-Bahn — Berlin, Wien, 1917

Page: 154
Citation link: 
http://tudigit.ulb.tu-darmstadt.de/show/48-A-1089-08/0164
License: Creative Commons - No rights reserved (CC0)
0.5
1 cm
facsimile
154

Radstand.

und wohl nur bei beträchtlicher Überschreitung
der vorbezeichneten Radstandsgrenze eine Er-
höhung der Entgleisungsgefahr bewirkt.
Diese wird auch gleichzeitig durch die Größe
der zu R., Fahrgeschwindigkeit u. s. w. in Be-
ziehung stehenden schwingenden Bewegungen
der Fahrzeuge, durch die Reibungsverhältnisse
der Schienen, die Bauart und den Erhaltungs-
zustand der Weichen u. s. w. beeinflußt. Eine
genaue Ermittlung des wirklichen Gefahranteils,
der jeder möglicherweise einflußnehmenden
Entgleisungsursache zuzuschreiben wäre, stößt
auf unüberwindliche Schwierigkeiten.
Wie vorhin angedeutet, gibt es für jede
Bahnkrümmung einen bestimmten R., für den
der Anlaufwinkel des an der äußeren Schiene
geführten Vorderrades in derselben Bahnkrüm-
mung einen Kleinstwert erhält. Dieser R. ist
aber nicht nur von dem Bogenhalbmesser p,
sondern auch von dem vorhandenen Spielraums
der Räder zwischen den Schienen abhängig
und ist dadurch gekennzeichnet, daß bei der
äußersten Spießgangstellung in einem Bogen-
gleis mit dem Halbmesser p die rückwärtige
Endachse genau radial steht. Wird die Größe
des fraglichen R. mit r bezeichnet, ferner mit
X die wagrechte Strecke, um die der Be-
rührungspunkt zwischen dem Spurkranz des
führenden Rades und der äußeren Bogenschiene
außerhalb des R. fällt, so kann r aus der
Gleichung 2 so — (rX)2, für jeden Halb-
messer p leicht ermittelt werden. Diese Glei-
chung liefert z. B., wenn s = 006/7/, X = 0'\ m,
p = 100 m, 150 m und 180 m gesetzt
wird, für r den Wert 3*36 m, 4' 14 m und
4*55 m.
Sofern nur die leichte und sichere Beweg-
lichkeit des Fahrzeugs auf dem führenden
Gleis in Betracht gezogen wird, ist die be-
schränkende Abhängigkeit zwischen R. und
Krümmung für Fahrzeuge mit Lenkachsen (s. d.)
nicht in dem Maß vorhanden, wie bei steif-
achsigen Fahrzeugen; noch günstiger gestalten
sich die Verhältnisse für Fahrzeuge mit Dreh-
gestellen (s. d.), so daß namentlich bei dieser
Anordnung sehr große R. angewendet werden
können. Die wegen Erzielung eines möglichst
ruhigen Ganges der Fahrzeuge anzustrebende
Größenvermehrung des R. findet jedoch wieder
eine Beschränkung durch die Fahrzeuglänge
selbst und durch die einzuhaltende Umgrenzungs-
linie für Fahrzeuge.
Die den R. betreffenden Bestimmungen
der Technischen Einheit im Eisenbahn-
wesen, Fassung 1913, die für den inter-
nationalen Verkehr maßgebend sind, lauten:
1. R. neu zu erbauender Wagen mindestens
2500 mm.

2. Diese Bestimmung findet keine Anwendung
auf Drehgestelle.
3. Wagen mit R. bis einschließlich 4500mm werden
auf allen Eisenbahnlinien, die dem internationalen
Verkehr dienen, zugelassen.
4. Bei Drehgestellen ist der R. unbeschränkt, bei
anderen Wagen dann, wenn ihre Achsen eine solche
Verschiebbarkeit besitzen, daß die Wagen Krüm-
mungen von 150 m Halbmesser durchfahren können.
Wagen der letzteren Art mit einem R. von mehr
als 4500 mm erhalten das Zeichen +Q+.
5. Die Vorschriften der Bahnverwaltungen über
den zulässigen größten R. der Wagen, die den Ab-
sätzen 3 und 4 nicht entsprechen, sind den beteiligten
Staaten bekanntzugeben.
6. Wenn mehr als 2 Wagenachsen in einem ge-
meinsamen Rahmen gelagert sind, so müssen, sofern
der R. mehr als 4000 mm beträgt, die Achsen derart
verschiebbar sein, daß Krümmungen von 150 m
Halbmesser anstandslos durchfahren werden können.
Wagen, die diesen Bestimmungen nicht ent-
sprechen, dürfen von der übernehmenden Bahn zurück-
gewiesen werden; die Kosten der Umladung sind
von der anbietenden Bahn oder der Bahn, die
den Wagen beladen hat, zu tragen, je nachdem
die Bestimmungen des Technischen Reglements des
Internationalen Verbandes oder jene des Deutsch-
italienischen Wagenregulativs zur Anwendung ge-
langen.
Im Gegensatz hierzu dürfen im gegenseitigen Ver-
kehrter Verwaltungen desVDEV., nach den Bestim-
mungen des VWÜ., Wagen des R. wegen nicht
zurückgewiesen werden; die übernehmende Ver-
waltung muß den Wagen, wenn dessen Weiter-
beförderung auf ihren Strecken wegen zu großen
R. nicht zulässig ist, auf ihre Kosten umladen. Nur
wenn die Ladung nach einer außerhalb des Vereins-
gebiets liegenden Station bestimmt ist und der
Wagen wegen zu großen festen R. auf den zu
durchfahrenden vereinsfremden Bahnstrecken nicht
verkehren kann, darf der Wagen zurückgewiesen
werden.
Die für die einzelnen Strecken festgesetzten
zulässigen größten festen R. der Wagen finden
sich in dem vom schweizerischen Eisen-
bahndepartement herausgegebenen Verzeichnis
„Maximalradstand, Maximalraddruck
und Lademaß der im internationalen
Verkehr zugelassenen Wagen'' und in
dem vom VDEV. herausgegebenen Rad stand s-
verzeichnis.
Die Technische Einheit schreibt ferner vor, daß
jeder Wagen auf beiden Seiten den R., Drehgestelle-
wagen den Abstand der Drehzapfen und den R. der
Drehgestelle angeschrieben erhalten.
Die gleiche Vorschrift findet sich im VWÜ.
Die Technischen Vereinbarungen über
den Bau und die Betriebseinrichtungen
der Haupt- und Nebenbahnen desVDEV.
enthalten über den R. der Fahrzeuge folgende
Vorschriften:
Den Lokomotiven ist ein so großer R. zu geben,
wie es die Krümmungsverhältnisse der Bahn ge-
statten.
Für Bahnen, auf deren freien Strecken vielfach
die nachbezeichneten Krümmungen Vorkommen, vird
empfohlen, den festen R. der Lokomotiven nicht
größer zu wählen als:
loading ...

DWork by UB Heidelberg
Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt   |    Imprint   |    Datenschutzerklärung   |    OAI   |    RSS   |    Twitter   |    seo-list