Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Achter Band): Personentunnel - Schynige Platte-Bahn — Berlin, Wien, 1917

Page: 162
Citation link: 
http://tudigit.ulb.tu-darmstadt.de/show/48-A-1089-08/0172
License: Creative Commons - No rights reserved (CC0)
0.5
1 cm
facsimile
162

Räder. — Räderpressen.

Jahreszahl, Halbjahr und Nummer der Charge.
Mit ähnlichen Zeichen werden auch die Rad-
sterne versehen.
Von größtem Einfluß auf die Wirtschaftlich-
keit ist die unvermeidliche Abnutzung
der Radreifen, bedingt durch die Reibung
auf den Schienen und die Wirkung der Bremsen.
Da die größte Abnutzung sich an den
Spurkranzflanken und in der Übergangshohl-
kehle in die Lauffläche herausbildet, erfährt
das Profil des Reifens eine die Laufsicherheit
gefährdende Änderung, die durch Abdrehen
behoben werden muß. Die zulässige größte
Abnutzung sowie die geringste Dicke des
Reifens, bis zu der er abgenutzt und nach-
gedreht werden darf, ist nicht allein durch
interne Vorschriften der einzelnen Verwaltungen
für den eigenen Lahrpark festgelegt, sondern
auch geregelt für den internationalen Verkehr
durch die Bestimmungen der „Technischen
Einheit im Eisenbahnwesen, III. internationale
Konferenz zu Bern 1907" und für das Gebiet
des VDEV. durch die TV. 1909, §§ 68, 69
und 70.
Gleiche Radbelastung, gleiche Geschwindig-
keit und gleiches Reifenmaterial vorausgesetzt,
wird die Abnutzung der Radreifen um so größer
sein und um so rascher fortschreiten, je kleiner
der Raddurchmesser ist und je zahlreicher
und schärfer die Krümmungen sind. Die Ab-
nutzung wird noch größer sein und rascher
zunehmen bei gebremsten R. und bei mehr-
achsigen Lahrzeugen an den führenden Räder-
paaren.
Die Abnutzung der Radreifen kann vermindert
werden durch Verwendung harten, zähen Stahls.
Basischer Martinstahl mit Lestigkeit bis 85 kg
wird heute schon vielfach, insbesondere für
Laufräder von Lokomotiven genommen. Von
günstigem Einfluß auf die Verminderung der
Reifenabnutzung ist die Lagerung der führen-
den Achsen in nach der Bahnkrümmung ein-
stellbaren Laufgestellen (Drehgestelle, Deichsel-
gestelle, radiale Lührung und Lenkachs-
anordnung). Bei Lokomotiven mit 4 und mehr
in einem Rahmen gelagerten, untereinander
gekuppelten .Achsen kann die Abnutzung der
Reifen des führenden Räderpaares durch
seitliche Verschiebbarkeit einzelner der folgen-
den Achsen wesentlich vermindert werden
(vgl. TV. 1909, § 88).
Über die Bestrebungen, die Abnutzung der
Radreifen an führenden R. durch besondere
Spurkranz-Schmiervorrichtungen zu vermin-
dern, vgl. diese.
Die Zahl der auf den großen Staatsbahn-
netzen rollenden Lahrzeuge ist so groß, der

internationale Lauf derselben so schwer zu ver-
folgen, daß eine verläßliche Statistik über die
Abnutzung der Radreifen unter Berücksichti-
gung der die Abnutzung beeinflussenden Um-
stände nicht mehr geführt werden kann. In
allen diesen Großbetrieben ist das Abdrehen
der Lokomotiv- und Tenderradreifen nach einer
Laufdauer von etwa einem Jahr, das der
Wagenradreifen nach einer Laufdauer von etwa
2 Jahren vorzunehmen.
Zur Bestimmung, ob die Abnutzung schon
so weit vorgeschritten ist, daß ein Nachdrehen
vorgenommen werden muß, bedient man sich
eigener Lehren oder Schablonen oder auch
einfacher Apparate, die die Umrißlinie des ab-
genutzten Radreifens aufzeichnen.
Literatur: Heusinger, Hb. f. spez. E.-T. II. Teil:
Der Eisenbahnwagenbau; III. Teil: DerLokomotivbau.
Leipzig 1874 u. 1882. — Geitel, Die Radreifenbe-
festigungen der Eisenbahnfahrzeuge. Glasers Ann.
1886. — Martens, Vergleichende Untersuchungen
über die Festigkeitseigenschaften, chemische Zusam-
mensetzung und Betriebsergebnisse von Schienen
und Radreifen. Berlin 1890. - Bäte u. Borries,
Die nordamerikanischen Eisenbahnen in technischer
Beziehung. Wiesbaden 1892; Les bandages. Congres
internationale des chemins de fer, Question XV,
Petersburg 1892. — Die Lokomotiven der Gegen-
wart. Wiesbaden 1912. — Car builder dictionary.
New-York. G Ölsdorf.
Räderdrehbank s. Drehbänke.
Räderpressen (wheel press; presse ä caler
les roucs; torchio per ruote), Arbeitsmaschinen
zum Aufpressen der Räder von Eisenbahnfahr-
zeugen auf die Achsen und Abpressen von
den Achsen.
Die Räder der Eisenbahnfahrzeuge müssen
in einer bestimmten Entfernung voneinander
in unverrückbarer Lage auf ihrer Achse be-
festigt sein.
Die §§ 70 und 74 der technischen Verein-
barungen über den Bau und die Betriebsein-
richtungen der Haupteisenbahnen des VDEV.
(Berlin 1889) bestimmen: Der lichte Abstand
zwischen den Rädern einer Achse (innere lichte
Entfernung zwischen den beiden Radreifen)
muß im regelrechten Zustand L36 m betragen.
Eine Abweichung bis zu 3 mm über oder unter
diesem Maß ist zulässig (§ 70). Die Räder an
einer Achse müssen in unverrückbarer Lage
gegeneinander festgestellt sein. Räder, die auf
den Achsen beweglich sind, und durchschnittene
Achsen werden vom durchgehenden Verkehr
ausgeschlossen (§ 74).
Ursprünglich erfolgte die Befestigung der
Räder auf den Achsen mittels Keilen in ent-
sprechenden Nuten.
Diese Befestigung erwies sich jedoch als nicht
zweckmäßig, da einerseits der Druck der Keile
schwer bemessen werden konnte und die schmale
loading ...

DWork by UB Heidelberg
Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt   |    Imprint   |    Datenschutzerklärung   |    OAI   |    RSS   |    Twitter   |    seo-list