Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Achter Band): Personentunnel - Schynige Platte-Bahn — Berlin, Wien, 1917

Page: 173
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Rangordnung der Züge. - Rauchfang.

gehalten werden sollte. Die R. wird im allge-
meinen schon durch die für die Beförderung
der einzelnen Züge üblichen Fahrgeschwindig-
keiten bestimmt. Schneller fahrende Züge holen
die langsamer fahrenden ein. Um die ersteren
nicht ebenfalls zum Langsamfahren zu zwingen,
müssen sie die Möglichkeit erhalten, an den
langsamer fahrenden Zügen vorbeizufahren.
Der Vorrangzug muß den Nachrangzug
überholen. Dies kann nur auf einer Über-
holungsstation geschehen, einer Station,
deren Gleisanlage die gleichzeitige Aufnahme
beider Züge gestattet. Da aber die Züge der-
selben Fahrrichtung einander nur in bestimmtem
Abstand — Raumabstand (s. Fahrdienst-
leitung I, 1) - folgen dürfen, so entsteht in
der Beförderung des zu überholenden Zuges
notgedrungen ein Zeitverlust, der als eine
Folge der R. anzusehen ist und durch diese
begründet wird. Breiising.
Raucherabteile, Rauchkupees (compart-
mcnts for smoking, smoking-compartments ;
compartiments ä fumer; compartimento per
fumatori), Abteile von Personenwagen, in denen
den Reisenden das Rauchen gestattet ist.
Die Form dieser Gestattung ist bei den
einzelnen Bahnverwaltungen oder wohl auch
bei derselben Bahnverwaltung für die ein-
zelnen Wagenklassen verschieden. Das Rauchen
wird entweder nur in den ausdrücklich als
R. bezeichneten Abteilen gestattet oder es darf
in allen Abteilen mit Ausnahme derjenigen
geraucht werden, die ausdrücklich für Nicht-
raucher oder für Frauen bestimmt sind.
Nach den Bestimmungen der Deutschen
EVO.und dem österreichisch-ungarischen
BR. darf in der I. Wagenklasse, so weit nicht
besondere Abteile für Raucher und Nicht-
raucher eingerichtet sind, nur mit Zustimmung
aller in demselben Abteil mitreisendqn Personen
geraucht werden.
In Zügen, die Abteile II. und III. Klasse
führen, müssen Abteilungen II., und voraus-
gesetzt, daß die Beschaffenheit der Wagen es
gestattet, auch III. Klasse für Nichtraucher
vorhanden sein. In den übrigen Abteilen dieser
Klassen und in der IV. Klasse ist das Rauchen
gestattet, sofern nicht auch für die IV. Klasse
Nichtraucherabteile eingerichtet sind.
ln den Nichtraucher- und Frauenabteilungen
ist das Rauchen selbst mit Zustimmung der
Mitreisenden nicht gestattet.
Inden Niederlanden (Reglement vom Jahre 1901)
soll in jedem Zug eine hinreichende Anzahl von
Wagen oder Wagenabteilungen I. und II., wenn
möglich auch III. Klasse vorhanden sein, in denen
das Rauchen verboten ist.
Nach dem schweizerischen Transportreglement
(§ 24) müssen sich in jedem Personenzug Wagen-

abteilungen II. und, wo die Aufsichtsbehörde es als
tunlich betrachtet, auch III. Klasse befinden, in denen
nicht geraucht werden darf; diese werden als solche
durch besonderen Anschlag bezeichnet. Befindet
sich in dem Zug kein besonderer R. I. Klasse, so
ist das Rauchen in dieser Wagenklasse nur unter
Zustimmung sämtlicher in der betreffenden Wagen-
abteilung Mitreisenden gestattet. Bei Zügen mit nur
1 Wagen ohne vollständig getrennte Abteilungen
ist das Rauchen im Innern des Wagens verboten.
Auch in den anderen europäischen Ländern ist das
Rauchen zumeist nur in jenen Wagenabteilen ge-
stattet, die als R. kenntlich gemacht sind, und sollen
R. für alle Wagenklassen vorhanden sein.
In den Vereinigten Staaten von Amerika ist das
Rauchen bei den gewöhnlichen Personenwagen nur
in dem unmittelbar hinter dem Dienstwagen einge-
stellten Wagen (Raucherwagen, smoking car) gestattet.
Vielfach werden auch Wagen verwendet, die die
R. und den Dienstraum enthalten. In den Schnell-
zügen sind in den Schlafwagen und Tagesluxuswagen
(Parlor car) besondere R. vorgesehen, die mit be-
quemen Rohr- oder Polstermöbeln ausgestattet sind.
Roll.
Raucherwagen s. Raucherabteile.
Rauch fang (chimney, smoke-stack; che-
minee; camino). Hier sollen lediglich die bei
Lokomotiven in Anwendung stehenden R. be-
sprochen werden.
Die bei den Lokomotiven verwendeten R.
(Abb. 101a — d) sind wegen der geringen zur
Verfügung stehenden Bauhöhe (nach den techni-
schen Vereinbarungen über den Bau und die
Betriebseinrichtungen der Haupteisenbahnen
dürfen die Lokomotivschornsteine nur bis 4*65/«
über Schienenoberkante reichen) an sich zur
Hervorbringung des zur Verbrennung der
Kohle notwendigen Zugs nicht geeignet.
Es wird daher der Abdampf der Lokomotiv-
maschine zur Erzeugung einer künstlichen Zug-
wirkung in den R. geleitet. Der dem Blasrohr
(s. d.) entströmende Abdampf erzeugt im düsen-
artig gebauten R. eine kräftige Saugwirkung,
so daß die Rauchgase durch die Feuerrohre
angesaugt und durch den R. ausgestoßen werden.
In Verbindung mit dem Blasrohr muß der
R. einen mit möglichst großem Wirkungsgrad
arbeitenden Saugapparat bilden, u. zw. bei
Anwendung einer möglichst geringen Blasrohr-
pressung. Die Durchführung dieser an sich
nicht einfachen Aufgabe wird noch dadurch
erschwert, daß bei Verwendung von minder-
wertigem, leichtem Brennstoff in oder auf dem
R. noch besondere Vorrichtungen zur Verhin-
derung des Funkenwurfes angebracht werden
müssen (s. Funkenfänger), wodurch der Wir-
kungsgrad des R. vermindert und die Blas-
rohrpressung, mithin auch der Gegendruck
auf die Kolben vergrößert wird.
Bauart der R. Der R. besteht in der Regel
aus einem Unterrohr U und dem eigentlichen
R. R. Diese Ausführungsweise erfolgt beinahe
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