Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Achter Band): Personentunnel - Schynige Platte-Bahn — Berlin, Wien, 1917

Page: 178
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Rauchverzehrer. - Receiver.

richtiger gesagt die Feuerbüchse vonTenbrink
bei der Orleans-, Ost- und Nordbahn recht
häufige Anwendung gefunden (Abb. 109).
Ähnlich dem R. von Tenbrink ist die Bau-
art von Buch an an, die in Amerika (Hudson
River-Bahn u. s. w.) in Anwendung steht.
Dem Zweck des Rauchverzehrens dienen auch
die in Amerika von Milholland, Maschinen-
meister der Philadelphia & Reading-Bahn, im
)ahre 1852 zuerst ausgeführten Verbren n u n gs-
kammern (Combustion chambers), die nichts
anderes sind als in den zylindrischen Kessel
ragende Verlängerungen der inneren Feuer-


büchse. Der um die Länge dieser Kammern
vergrößerte Weg, den die Verbrennungsprodukte
bis zum Eintritt in die Siederohre nehmen
müssen, gibt der Oberluft Gelegenheit einer
Mischung. Diese Verbrennungskammern, deren
Wert recht fraglich ist, finden in neuester Zeit
in Amerika wieder Eingang bei Lokomotiven,
bei denen infolge der sonstigen großen Dimen-
sionen die Siederohre eine übermäßige Länge
erhalten müßten.
Als R. im weiteren Sinne sind auch die
Kesselbauarten anzusehen, die (bei Stabilanlagen)
für die Anwendung von Gas (Regeneratorgas,
Gichtgase u. s. w.) bestimmt sind, sowie die
vielen Sonderbauarten für die Verteuerung
von flüssigem Brennstoff (Petroleumrückstände,
Rohöl, Heizöl u. s. w.), s. Heizölfeuerungen.
Literatur: Pechar, Die Lokomoiivfeuerbiichse.
Sonderabdruck aus Glasers Ann., Beriin 1884. --
DasEisenbahnmaschinenwesen der Gegenwart,
Wiesbaden 1903. - Recent Locomotives, New
York 1907. — A. Sinclair, Development of the
Locomotive Engine. New York 1907. Gölsdorf.
Raumabstand s. Blockeinrichtungen.
Raumtarif (Wagenraumtarif, Taraklassifika-
tion), das Tarifsystem, bei dem die Festsetzung
der Tarife ohne Rücksicht auf den Wert der
Güter lediglich nach dem Maße der Inan-
spruchnahme des Laderaums erfolgt (s. Güter-
tarife, Bd. V, S. 459).
Raumverschluß; als solcher wird - im
Gegensatz zum Verschluß an den Päcken und

Behältnissen selbst — der an den Transport-
mittel (Wagen) angebrachte zollamtliche Ver-
schluß bezeichnet. Der R. wird durch Einziehung
von Zollplomben in die Ösen und sonstigen
Verschlußstücke der Türen der gedeckten Wagen
oder der abgesonderten Wagenabteilungen her-
gestellt. Bei offenen Wagen wird der R. mittels
Drahtschnüren und Plomben oder Siegelbleie an
den dazu vorbereiteten Decken, Verschlußleinen,
Ketten oder eisernen Stangen angelegt.
Die Beschlüsse über die technische Einheit
im Eisenbahnwesen enthalten eingehende Be-
stimmungen über die zollsichere Einrichtung
der gedeckten Güterwagen sowie über die Art
des Zollverschlusses der offenen Wagen (s. Güter-
wagen und Zollverfahren).
Receiver (receiver; reservoir intermediair;
serbatoio), Verbinder oder Zwischenbehälter,
meist in Rohrform, in den der aus dem
Hochdruckzylinder einer 2- oder mehrstufigen
Expansions-Dampfmaschine strömende Dampf
aufgenommen wird, bevor er in den Nieder-
druckzylinder eintritt (s. Dampfmaschine und
Lokomotive). Gölsdorf.
Receiver, Zwangsverwalter, Massenver-
walter, ist in den Vereinigten Staaten von
Amerika die Bezeichnung für eine Persönlich-
keit, die auf Anrufen der Beteiligten vom
Gericht eingesetzt wird zum Schutz gefähr-
deter Interessen der Aktionäre, Prioritätenbe-
sitzer oder anderer Gläubiger einer Eisenbahn
oder einer andern Handelsgesellschaft wegen
Mißbrauchs der Konzessionsrechte, behufs Voll-
endung einer Bahn, die von den Aktionären
im Stich gelassen ist, hauptsächlich aber, wenn
die Eisenbahnen ihren finanziellen Verpflich-
tungen nicht nachkommen, die Zinsen ihrer
Obligationen nicht zahlen. Die Befugnisse und
Verpflichtungen des R. werden in jedem Fall
besonders vom Gericht festgestellt; in der
Regel ist seine Stellung bei Verwaltung und
Betrieb der Eisenbahn eine unbeschränkte; er
trifft seine Maßregeln nach eigenem freien Be-
heben und hat seinen Auftraggebern nur Rech-
nung abzulegen. Es wird viel darüber geklagt,
daß der R. die ihm verliehenen Rechte inso-
fern mißbraucht, als er die Interessen seiner
Auftraggeber nicht genügend wahrnimmt, in-
dem er vor allem eine Tarifpolitik treibt, durch
die nicht nur die eigene Bahn, sondern auch
benachbarte Bahnen geschädigt, nicht selten
geradezu zu gründe gerichtet werden. Die
unter Verwaltung eines R. stehenden Bahnen
haben oft dazu beigetragen, daß larifkriege
mutwillig hervorgerufen und ohne besondere
Veranlassung hartnäckig so lange fortgesetzt
worden sind, bis es den geschädigten Bahnen
gelang, den R. zu beseitigen und wiederum
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