Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Achter Band): Personentunnel - Schynige Platte-Bahn — Berlin, Wien, 1917

Page: 186
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Regierungsassessor. -
Juristen, die beide Prüflingen bestanden haben,
können sieh um die Stellen der höheren administrativen
Beamten bei der preußischen Staats- oder der Reichs-
eisenbahnverwaltung bewerben. Jedoch haben nur
solche Juristen Aussichten auf Übernahme in die
Staalseisenbahnverwaltung, die den Nachweis führen
können, daß sie sich mit dem Studium der Volks-
wirtschaftslehre, der Finanzwissenschaft, der sozial-
politischen Gesetzgebung sowie der Technologie
eingehend beschäftigt haben. Die Bewerber werden
durch den Minister der öffentlichen Arbeiten je nach
Bedarf zunächst auf die Dauer eines Jahres zur Probe
mit der Aussicht auf dauernde Übernahme, wenn sie
sich bewährt haben, einberufen. Für die Dauer dieser
Zeit werden die Assessoren aus den Ressorts der
Justiz- und der allgemeinen Verwaltung von den
Vorgesetzten Ministern beurlaubt. Während derProbe-
und Ausbildungszeit sollen sich die Assessoren mit
dem gesamten Geschäftsbereich der Eisenbahnver-
waltung vertraut machen. Zu diesem Zweck werden
sie nach einer einleitenden Beschäftigung auf der Eisen-
bahndirektion einem Betriebsamt, einem Werkstätten-
amt, einem Maschmenamt und einem Verkehrsamt
überwiesen, um unter Aufsicht der Amtsvorstände an
der Ausübung der Dienstgeschäfte, auch der äußeren
Dienststellen, lätigen Anteil zu nehmen, und schließlich
bei der Direktion in den nicht technischen Dezernaten
beschäftigt. Gleichzeitig sollen sie an eisenbahn-
fachwissenschaftlichen Vorlesungen teilnehmen. Nach
erfolgreicher Ablegung des Probejahres wird der
Assessor durch den Minister der öffentlichen Arbeiten
dauernd in den Staatseisenbahndienst übernommen.
Die Gerichtsassessoren werden ohne Anspruch auf An-
stellung in der allgemeinen Verwaltung zum R. ernannt.
Bis zur Verleihung einer etatsmäßigen Stelle eines
Mitgliedes des königlichen Eisenbahnzentralamts,
einer königlichen Eisenbahndirektion oder der kaiser-
lichen Generaldirektion, die sich jeweilig nach den
vorhandenen freien Stellen unabhängig von der
Ernennung zum Regierungsrat (s. d.) richtet, wird
der R. im allgemeinen bei einer Eisenbahndirektion
als Hilfsarbeiier beschäftigt oder auch mit der Ver-
waltung eines geschäftsplanmäßigen Dezernats eines
Direktionsmitgliedes betraut. In letzterem Fall wird
ihm die Befugnis zur selbständigen Erledigung der
Dienstgeschäfte übertragen. Einige Zeit wird er jedoch
in der Regel mit der Wahrnehmung der Geschäfte des
Vorstandes eines Eisenbahnverkehrsamts beauftragt.
Für seine Tätigkeit erhält der Assessor, der der
V. Rangklasse angehört, auch während des Probejahrs
eine Besoldung im Jahresbetrag von 2700 — 3900 M.
Der Titel R. findet sich auch in Sachsen,
doch führen ihn dort nur die Assessoren, die
bei der Regierung, d. h. im Ressort des Ministe-
riums des Innern beschäftigt sind. In Bayern
führen die Amtsbezeichnung R. die juristischen
Beamten der Gehaltsklasse IX, wenn sie in
der inneren oder Finanzverwaltung verwendet
werden (s. Beamte). Hausmann.
Regierungsbauführer. „Königlicher R.“
dürfen sich in Preußen die Diplomingenieure
nennen, die auf ihren spätestens 6 Monate nach
bestandener Diplomprüfung bei dem Minister
der öffentlichen Arbeiten zu stellenden Antrag
zur Ausbildung im höheren Staatsbaudienst
zugelassen sind.
Der Ausbildungsdienst der R. ist nach den
Fachrichtungen des Flochbaues, Wasser- und

Regierungsbaumeister.
Straßenbaues, Eisenbahn- und Straßenbaues
sowie des Maschinenbaues getrennt. Lediglich
für die beiden letzteren Fachrichtungen werden
die R. von der Staatseisenbahnverwaltung, u.zw.
von einer Eisenbahndirektion ausgebildet. Der
Ausbildungsdienst dauert für das Eisenbahn-
und Straßenbaufach mindestens 3 Jahre, für
das Maschinenbaufach, da vor der Prüfung ein
Maschinenbau-Elevenjahr durchzumachen ist,
mindestens 2 Jahre und 3 Monate. Im ersteren
Fall werden die R. im Eisenbahnbetriebsdienst,
bei der Leitung von Bauausführungen, bei einem
Eisenbahnbetriebsamt und bei einer Eisenbahn-
direktion ausgebildet. In letzterem Fall geschieht
die Ausbildung im Lokomotivdienst, bei einer
Betriebswerkmeisterei und auf einem Bahnhof,
im Werkstättenaufsichtsdienst und im Werk-
stättenrechnungswesen, bei dem Entwerfen und
der Ausführung von Maschinen und Maschinen-
anlagen sowie bei der Abnahme von Materialien,
bei der Ausführung oder Unterhaltung elek-
trischer Anlagen und im Telegraphendienst und
schließlich bei einem Maschinen- oder Werk-
stättenamt und bei einer Eisenbahndirektion.
Der R. hat den Rang der Referendare. Eine
Besoldung erhält er im allgemeinen nicht.
Näheren Aufschluß geben die Vorschriften
über die Ausbildung und Prüfung für den
Staatsdienst im höheren Baufach vom 13. No-
vember 1912 und die hierzu erlassenen Aus-
bildungsanweisungen. Hausmann.
Regierungsbaumeister. Zu „Königlichen
R." werden in Preußen vom Minister der öffent-
lichen Arbeiten die Regierungsbauführer (s. d.)
ernannt, die nach Beendigung des vorge-
schriebenen staatlichen Ausbildungsdienstes die
Staatsprüfung für das höhere Baufach bestanden
haben. Bei der preußisch-hessischen Staatseisen-
bahnverwaltung werden im allgemeinen nur
R. des Eisenbahn- und Straßenbaufaches und
des Maschinenbaufaches beschäftigt, doch findet
auch in gewissem Umfang eine Beschäftigung
von R. des fdochbaufaches statt. Die Annahme
und Überweisung der R. an das Königliche
Eisenbahnzentralamt in Berlin oder an eine
Königliche Eisenbahndirektion geschieht durch
den Minister der öffentlichen Arbeiten zunächst
auf Widerruf. Die Art ihrer Beschäftigung wird
durch die Präsidenten des Zentralamts und
der Eisenbahndirektionen geregelt.
Die R. des Eisenbahn- und Straßenbaufaches werden
bei der Staatseisenbahnverwaltung zunächst in Stellen
unselbständiger Hilfsarbeiter bei den bau- und be-
triebstechnischen Dezernenten des Zentralamts und
der Direktionen und bei den Vorständen der Eisen-
bahnbetriebsämter sowie als Streckenbaumeister bei
größeren Bauausführungen beschäftigt.
Die R. des Maschinenbaufaches werden zunächst
als unselbständige Hilfsarbeiter auf Werkstätten- und
Maschinenämtern, bei dem Zentralamt und bei den
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