Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Achter Band): Personentunnel - Schynige Platte-Bahn — Berlin, Wien, 1917

Page: 194
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Reklamationsdienst.

b) auf Entschädigung aus dem Frachtvertrag über
die Beförderung von Reisegepäck, Expreßgut, Leichen,
Tieren und Gütern, insbesondere wegen Verlustes,
Minderung, Beschädigung, oder Überschreitung der
Lieferfrist;
c) auf Erstattung von Nebengebühren aus dem
Frachtgeschäft,
in allen Fällen jedoch nur so weit, als der zu
zahlende Betrag — auch wenn er aus verschiedenen
Beförderungsverträgen herrührt — die Gesamtsumme
von 200 M. nicht überschreitet, in den Fällen a und
c ferner nur, wenn der Betrag lediglich auf die
badischen Staatsbahnen entfällt;
3. den Stationsämtern I und Güterämtern sowie
dem Dampfschiffahrtsamt in Konstanz (Ortsstellen) die
gleichen Geschäfte wie unter 2 bis zu einer Gesamt-
summe von 50 M., sofern der Betrag lediglich auf
die badischen Staatsbahnen entfällt.
Bei den österreichischen Staatsbahnen
sind die Eisenbahnbetriebsdirektionen zur Er-
ledigung sämtlicher aus dem Personen-, Gepäck-
und Güterverkehr hervorgehenden Reklama-
tionen und Entschädigungsansprüche ermäch-
tigt, soweit die Austragung derselben nicht den
Stationen übertragen ist. Letztere sind berech-
tigt, außergerichtliche Entschädigungsansprüche
wegen Verlustes, Minderung oder Beschädigung
von Reisegepäck und Gütern hinsichtlich des
Lokalverkehrs der österreichischen Staatsbahnen
bis zum Betrag von 50 K (Bahnbetriebsämter)
bzw. von 10 K (Bahnstationsämter) zu er-
ledigen.
Bei den österreichischen und ungari-
schen Privatbahnen erfolgt die Erledigung
der Reklamationen in der Regel durch die
Direktion.
Bei den ungarischen Staatsbahnen sind
die Betriebsleitungen berechtigt, Reklamationen
bis zum Betrag von 200 K zu entscheiden.
Entschädigungen für Verlust und Beschädigung
von 200 — 400 K unterliegen der Entscheidung
des Direktoriums, über 400 K jener des Mini-
steriums.
Bei der Betriebsgesellschaft der nieder-
ländischen Staatsbahnen fä'lt der R. in den
Wirkungskreis einer Abteilung des kommer-
ziellen Dienstes; Frachtrückvergütungen, soweit
es sich um Rechnungsfehler oder unrichtige An-
wendung der Tarife handelt, erfolgen durch die
Zentralkontrolle der niederländischen Eisen-
bahnen. Entschädigungen, die innerhalb der
Grenzen der reglementarischen Bestimmungen
bleiben, werden seitens des Vorstands der betref-
fenden Bureaus namens des Vorstands der
Abteilung bewilligt; zur Gewährung höherer
Entschädigungen ist nur der Verkehrs- (Be-
triebs-) Chef oder der Generaldirektor zu-
ständig.
Bei den schweizerischen Bundesbahnen
ist zur Entscheidung von Fahrgeld- und Fracht-
reklamationen sowie von Entschädigungsan-

sprüchen wegen Verlust, Minderung oder Be-
schädigung von Frachtgütern im ausländischen
Verkehr die Generaldirektion, zur Entscheidung
über solche Ansprüche aus dem schweizerischen
Verkehr die Kreisdirektion, soweit diese Erledi-
gung nicht Bahnhofvorständen oder anderen
Dienststellen zugewiesen ist, zuständig.
Bei den französischen Staatsbahnen ent-
scheiden größere Stationen Reklamationen bis
zu 100 Fr., die anderen bis zu 20 Fr. Rekla-
mationsfälle bis zu 200 Fr. werden von den
Inspecteurs principaux, bis 500 Fr. vom Be-
triebschef, höhere vom Direktor entschieden.
Ähnlich ist die Einteilung bei anderen franzö-
sischen Bahnen.
Bei den russischen Eisenbahnen obliegt
die Austragung der Reklamationen wegen Mehr-
frachten, Verschleppungen und Lieferfristüber-
schreitungen der Abteilung für den Einnahmen-
dienst, die Erledigung aller übrigen Reklama-
tionen jener für den kommerziellen Dienst
oder einem besonderen Reklamationsbureau.
In Deutschland, Österreich und Ungarn, den
Niederlanden, Frankreich u. s. w. bestehen zwi-
schen den Eisenbahnen besondere Überein-
kommen über die Erledigung von Reklama-
tionen und Verteilung der Entschädigung im
direkten Verkehr.
In Deutschland gelten auch für den
inneren Verkehr der Eisenbahnen die Bestim-
mungen, die im VDEV. durch das Überein-
kommen zur VO. (BR.) für den zwischen-
staatlichen Verkehr der Vereinsbahnen fest-
gestellt sind.
Im österreichisch-ungarischen Verkehr
werden Entschädigungsansprüche von der Ver-
sand- oder Empfangsbahn bis zur Höhe von
1000 K selbständig, darüber hinaus im Ein-
vernehmen mit den übrigen Verwaltungen
geregelt.
Entschädigungen aller Art bis einschließlich
10 K werden im allgemeinen von der regelnden
Verwaltung getragen.
Entschädigungen für Überschreitung der
Lieferfrist über 10 bis 100 K, dann andere
Entschädigungen über 10 bis 500 K werden
nach Verhältnis der Kilometerzahl, Entschädi-
gungen für Überschreitung der Lieferfrist über
100 K nach Verhältnis der Versäumnis ge-
tragen.
Bei den niederländischen Bahnen werden
nach dem Übereinkommen vom 15. August
1877 Entschädigungen aus dem inländischen
Güterverkehr infolge von Verlusten, Beschädi-
gungen oder anderen Unregelmäßigkeiten von
den beteiligten Bahnen gemeinschaftlich nach
Verhältnis der durchfahrenen Kilometer getragen.
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