Röll, Victor von [Hrsg.]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Achter Band): Personentunnel - Schynige Platte-Bahn — Berlin, Wien, 1917

Seite: 195
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Reklamationsdienst. — Reklamewesen der Eisenbahnen.

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Beträge bis zu 1 fl. 80 kr. werden von der
regelnden Verwaltung allein übernommen.
Entschädigungen von 1 fl. 80 kr. bis zu 360 fl.
werden von der regelnden Verwaltung selb-
ständig erledigt. Bei höheren Beträgen müssen
die anderen an der Beförderung beteiligten
Verwaltungen zustimmen.
Für Frachtrückvergütungen, soweit es sich
nicht um Rechnungsfehler oder unrichtige An-
wendung der Tarife handelt, ist immer die Zu-
stimmung der beteiligten Verwaltungen nötig.
Der R. der französischen Bahnen ist
durch besondere Vereinbarung der großen
Gesellschaften, einschließlich der Ceinture, ge-
regelt (Regles ä suivre pour la transmission
des marchandises et le regiement des recla-
mations).
In Großbritannien (s. Reitzenstein, Über
einige Verwaltungseinrichtungen auf den Eisen-
bahnen Englands, Berlin 1876) ist das eigent-
liche Reklamationswesen, d.h. die Untersuchung
und Entscheidung der Entschädigungsansprüche
aus dem Erachtverkehr, nicht zentralisiert. Die
Schiedsrichterkomitees des Clearing House be-
handeln nur das Verhältnis unter den Eisen-
bahnen selbst, während die Untersuchung der
Sache und Erledigung dem Reklamanten gegen-
über auch im Durchgangsverkehr seitens der
einzelnen Verwaltungen erfolgt, u. zw. nur
seitens der Endbahnen. Was die Beitragspflicht
der einzelnen Bahnverwaltungen anbelangt, so
ist zunächst jene Bahn haftbar, in deren Ge-
wahrsam sich das Gut befand, als der Verlust
oder die Beschädigung vorkam; in allen Fällen,
in welchen die Frage der Verbindlichkeit zweifel-
haft ist, wird der Ersatz von der Strecke zwischen
der Lade- oder Umladestation bis zur Ent-
deckungsstation getragen; mangels anderer Ver-
einbarung oder Entscheidung des Schiedsrichter-
komitees im einzelnen Fall nach Verhältnis der
Streckenfracht.
Die Empfangsbahn kann über Reklamationen
bis zu 40 M. allein entscheiden. Bei Beträgen
über 40 M. ist stets das Einverständnis beider
hndbahnen notwendig. Meinungsverschieden-
heiten werden durch Schiedsrichterkomitees
entschieden.
Streitigkeiten über die Beitragspflicht unter
den einzelnen Eisenbahnen kommen selten vor
und die Zahl der in die Schiedsrichterkomitees
gelangenden Fälle ist sehr gering.
Für den internationalen Verkehr der
den einheitlichen Zusatzbestimmungen
beigetretenen Verwaltungen ist die Ver-
teilung der Entschädigungen durch ein beson-
deres Übereinkommen geregelt.
Demnach erfolgt die Entscheidung über Ent-
schädigungsansprüche selbständig durch die

Versand- oder Empfangsverwaltung, je nach-
dem der Anspruch bei dieser oder jener er-
hoben ist. Die regelnde Verwaltung verteilt
Entschädigungsbeträge von mehr als 10 M.
(12 K, 6 fl. niederländischer Währung, Fr. 12’50)
nach Befriedigung des Fordernden auf die
beteiligte Verwaltung nach Verhältnis der
Kilometerzahl. Überschüsse von nicht mehr als
1 M. (K F20 u. s. w.) werden nicht erstattet,
sondern von der regelnden Verwaltung auf
eigene Rechnung übernommen.
Ganz gleichartige Bestimmungen gelten auch
im VDEV. mit der Maßgabe, daß bei Ent-
schädigungsansprüchen im Betrag von mehr als
1000 M. das Einvernehmen mit den anderen
beteiligten Verwaltungen zu pflegen ist.
Röll.
Reklamationskonferenzen, Zusammen-
tretungen der Vorstände der Reklamations-
bureaus oder der sonstigen Leiter des Rekla-
mationsdienstes von im direkten Verkehr
stehenden Eisenbahnen zu dem Zweck, um mit
Vermeidung jedes zeitraubenden Schriftwechsels
die Reklamationsfälle zum Austrag zu bringen,
über die zwischen den beteiligten Verwaltungen
in bezug auf die Höhe des Entschädigungs-
betrags oder in bezug auf die Übernahme des
Ersatzes auseinandergehende Ansichten be-
stehen.
Derartige R. treten u. a. für den innerstaat-
lichen Verkehr regelmäßig mehrmal im Jahr in
Österreich, in der Schweiz, in Italien, in Eng-
land u. s. w. zusammen. Außerdem sind wieder-
kehrende R. in einer Anzahl von internatio-
nalen Verbänden, so u. a. im deutsch-italieni-
schen, österreichisch - ungarisch - italienischen,
österreichisch-ungarisch-schweizerischen Güter-
verband, im Verkehr zwischen Deutschland und
Österreich einerseits, den Balkanstaaten ander-
seits u. s. w. vorgesehen.
Eine ähnliche Aufgabe wie die R. erfüllt
im VDEV. der Ausschuß für Angelegenheiten
des Güterverkehrs.
Erfolgt in der R. keine Einigung über die
Art der Verteilung einer Entschädigung, so ist
zuweilen ein Schiedsgericht vorgesehen. Tritt
dieser Fall bei den von Verbänden eingesetzten
R. ein, so erfolgt die Vorlage der Angelegen-
heit an die Verbandkonferenz.
Reklamewesen der Eisenbahnen. Mit
Rücksicht auf den unleugbaren Wert, den die
Reklame für geschäftliche Unternehmungen
besitzt, wird die Reklame auch von Eisen-
bahnen zur Förderung des Reiseverkehrs in
Anspruch genommen. Sie sorgen insbesondere
für geeignete Bekanntmachung der von ihnen
durchzogenen Gebiete sowie der eingerichteten
Zugverbindungen und sonstiger Maßnahmen
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