Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Achter Band): Personentunnel - Schynige Platte-Bahn — Berlin, Wien, 1917

Page: 196
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Reklamewesen der Eisenbahnen. - Reservefonds.

für den Reiseverkehr (Schlaf- und Speisewagen,
ermäßigte Fahrkarten) u. dgl. Zu einer solchen
Bekanntmachung dienen u. a. illustrierte, künst-
lerisch ausgestattete Plakate, Ankündigungen in
Zeitungen, Fahrplanbüchern, Eisenbahnwagen,
die Auflage von illustrierten Broschüren, Reise-
büchern, Albums u. dgl. (vgl. Ankündigungen),
das Aushängen von Landschaftsbildern in den
Schauläden der Reisebureaux, auf Bahnhöfen, in
Eisenbahnwagen, Hotels, Abhaltung von Vor-
trägen mit Vorführung von Skioptikonbildern,
Veranstaltung von Ausstellungen oder Beteiligung
an solchen u. s. w. Während das R. der europäi-
schen Länder sich in durchaus würdiger Weise
vollzieht, nimmt es in Amerika, namentlich soweit
die Abwehr des Wettbewerbs in Frage kommt,
vielfach einen marktschreierischen Charakter an.
Riesige Plakate in schreienden Farben sieht
man dort vor den Schaufenstern und vor den
Bureaus der Eisenbahnen, auf denen zu lesen ist:
„Hier fährt man am billigsten nach . . .!“,
„Die Route über . . . gewährt die größten Vor-
teile, die besten Anschlüsse" u.dgl. ln den Tagen
vor Eröffnung einer Wettbevcerbslinie ziehen
Dienstmänner zu Fuß und zu Wagen durch
die Hauptstraßen der großen Städte mit Stan-
darten und Riesenplakaten, auf denen die Bahnen
dem Publikum ihre eigenen Linien in grellster
Weise anpreisen und vor Benutzung fremder
Wettbewerbslinien warnen. Roll.
Relais (Übertrager), elektromagnetische
Stromschlußvorrichtung, die dazu dient, die in
einem Stromkreis, in den ein Elektromagnet
eingeschaltet ist, auftretenden Unterbrechungen
und Schließungen auch in einem oder mehreren
anderen, davon isolierten Stromkreisen hervor-
zurufen bzw. sie auf diese zu übertragen. In
ausgedehntem Maße findet das R. Verwendung
im Telegraphenbetrieb, insbesondere beim
Eisenbahntelegraphen, wo das Morseschreib-
werk in einen besonderen Stromkreis (Orts-
stromkreis) geschaltet werden muß, weil der
in der durchgehenden Leitung fließende Strom
zur Hervorbringung eines als Anruf genügend
lauten Anschlags des Schreibhebels nicht aus-
reicht. Mittels R. werden die in der durch-
gehenden Leitung auftretenden Unterbrechungen
und Schließungen des Stroms in den beson-
deren Stromkreis übertragen (s. Telegraph, I).
Fink.
Reliefschreiber (Stiftschreiber), veraltete,
heute nicht mehr gebräuchliche Form des
Morseschreibwerks, bei der die Schriftzeichen
nicht farbig, wie bei dem heute gebräuchlichen
Farbschreiber, auf dem Papierstreifen er-
scheinen, sondern als erhabene Eindrücke, die
der Schreibstift — ein gehärteter Stahlstift —
in dem Papierstreifen hervorruft, indem dieser

über eine als Unterlage dienende, mit ent-
sprechender Rille versehene Führungsrolle läuft.
Die Schrift erscheint auf der dem Schreibstift
abgewendeten Seite des Papierstreifens in
erhabenen Zeichen.
Das Lesen der Reliefschrift, namentlich bei
künstlicher Beleuchtung, ist ermüdend für die
Augen. Auch ist die Schrift nicht dauerhaft;
nach längerem Aufbewahren des beschriebenen
Streifens verschwinden die Eindrücke allmählich.
Fink.
Reparaturgleise (repair tracks; voies de
refection; binari di riparazione), Gleise, auf
denen Betriebsmittel ausgebessert werden.
Außer den diesen Zwecken dienenden bedeckten
und unbedeckten Gleisen in den Werkstätten (s. d.)
sind R. in der Regel auf den Verschiebbahnhöfen (s. d.)
vorhanden, um die dort mit kleinen Beschädigungen an-
kommenden oder beim Verschieben schadhaft werden-
den Wagen ausbessern zu können, ohne sie aus dem
Betrieb herausnehmen zu müssen. Für ihren Zweck
werden solche R. im allgemeinen nicht mit besonderen
Einrichtungen versehen. Doch finden sich stellenweise
Schutzdächer, auch Arbeitsgruben. Die in der Regel
nur in geringem Umfang erforderlichen Arbeitsma-
schinen, Feilbänke u. s. w. pflegt man in einem be-
sonderen kleinen Gebäude (Betriebswerkstätte) unter-
zubringen, sofern die Betriebswerkstätte für Loko-
motiven nicht den Zwecken der Wagenausbesserung
mit dient. Von den R. zu unterscheiden sind Gleise
für Reparaturwagen, in denen die auszubessernden
Wagen beim Verschieben zunächst ausgesondert wer-
den, um sie dann in die R. überzuführen. Caaer.
Repetitionssignale s.Nachahmungssignale.
Reservedienst s. Bereitschaftsdienst.
Reservefonds (funds of reserve; fonds de
reserve; fondi di riserva), an gesammelte Ver-
mögensstände, die den Zweck haben, zur Deckung
der in außerordentlichen Fällen eintretenden
größeren Betriebsausgaben im allgemeinen oder
für derartige Ausgaben bestimmter Art, so zur An-
schaffung von Betriebsmitteln, zur Erneuerung
desOberbaues u.s.w. zu dienen. DieAnsammlung
von R. ist den Privateisenbahnen vielfach durch
Gesetz (Konzession) oder Statut auferlegt. Sie bil-
den im allgemeinen ein freies Eigentum der Gesell-
schaften und unterliegen nichtdem Heimfallsrecht.
Staatsbahnen besitzen keine R., da man davon
ausgeht, daß bei diesen für Zwecke, denen bei Pri-
vaibahnen die R.dienen, die erforderlichen Mittel
jeweilig im Etat angesprochen werden können,
ohne daß eine Ansammlung von R., nötig wäre.
Von den deutschen Staatsbahnen besitzen
die württembergischen Staatsbahnen einen als
R. bezeichneten Fonds, der jedoch seiner Be-
stimmung nach ein Ausgleichsfonds ist (s. d.).
In Preußen hatte schon das Eisenbahngesetz
vom Jahre 1838 die Bildung von R. durch
Rücklage eines zum Statut mit Genehmigung
des Ministers festzusetzenden jährlichen Bei-
trags vorgesehen. Die Rücklagen sind von
der Eisenbahnabgabe befreit. Die meisten
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