Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Achter Band): Personentunnel - Schynige Platte-Bahn — Berlin, Wien, 1917

Page: 220
Citation link: 
http://tudigit.ulb.tu-darmstadt.de/show/48-A-1089-08/0230
License: Creative Commons - No rights reserved (CC0)
0.5
1 cm
facsimile
220

Rigibahn.

aufzunehmen, zum Rangieren benutzt werden.
Wieder einspurig führt die Bahn weiter bis
zur schwyzerischen Grenze und endet daselbst
mit der Station „Staffel-Höhe" (1551 m ü. M.).
Die Linie hat bis dahin eine bauliche Länge
von 5143 m und der Endpunkt liegt 1558*11 m
ü. M. Die durchschnittliche Neigung beträgt
191%.-
Von Staffel-Höhe bis Rigi-Kulm wurde die
Bahn der Arth-Rigi-Bahn (s. d.) konzessioniert
und auch von derselben gebaut. Dagegen wird
der Betrieb von der Vitznau-Rigi-Bahn bis zur
Endstation „Rigi-Kulm" geführt. Auf dieser
Strecke liegt die Station „Staffel" (1604 m
ü.M.). Die gesamte betriebene Vitznau-Rigi-Bahn
hat somit eine Länge von 6854 m. Die Station
Kulm liegt 1749*33 m ü. M., so daß die über-
wundene Steigung einer Höhe von 1310*1 m
entspricht.
Ein Rigibesuch auf dieser Bahn gestaltet
sich zu einem Genuß der seltensten Art. In dem
Maß, als das Fahrzeug in die Höhe steigt, breitet
sich der Blick auf den Seespiegel mit seinen
beiden durch die Bergrücken der „Nasen"
getrennten Becken, seinen zahlreichen grünen
Buchten und hübschen Uferorten aus.
Immer mehr senkt sich das Tal vor dem
Zuschauer, die Häusergruppen und die Kirch-
türme von Vitznau und Weggis entziehen sich
dem Auge, immer gewaltiger treten die Berge
hervor, welche den Ausblick nach Süden und
Westen begrenzen. Die Umgebung nimmt einen
alpinen Charakter an und fährt man schließ-
lich durch Weiden und Bergmatten an der

Gipfel mit seiner großartigen, in ihrer Art
einzigen Rundschau. Wie von einer Kanzel
blickt man auf das Gelände des Mittellandes mit
seinen Seen, vor allem den tiefblauen ZugerSee

Kulm.


Sämtliche Bogen haben Halbmesser von 280 in.
Abb. 115.

unmittelbar zu Füßen. Vor dem Beschauer liegt
der Bahnhof von Goldau mit der Weltverkehrs-
straße der Gotthardbahn. Er sieht deren Züge
verkehren. Er hört deren Geräusch bis auf
die stille Berghöhe dringen. Alles das ist um-

1 : 37-5


Abb. 116.

Abb. 117.

Hotelkolonie Kaltbad vorbei nach Staffel-Höhe.
Hier wendet sich die Bahn und schmiegt sich
an die nördliche, jäh abstürzende Wand des
Rigitors. Dem Auge öffnet sich damit auf einmal
der Blick weit nach Norden und zu Füßen
aus der Vogelperspektive auf Luzern, den Küß-
nachter Arm des Vierwaldstätter Sees, Küßnacht
und das reizende Gelände von Meggen. Auf
Staffel angelangt, wird auch der Osten frei
und nach wenigen Minuten erreicht man den

rahmt im Norden durch die sanften Linien
der Juraberge und des Schwarzwaldes, im Süden
durch die himmelstürmenden Riesen der Alpen.
Ein geeigneteres Objekt zur Einführung des
neuen Bergbahnsystems hätten die Unternehmer,
wie der Erfolg beweist, nicht wählen können.
Im Jahre 1913 bestanden in der Schweiz 41 Bahnen,
bei denen die Zahnstange ganz oder teilweise in An-
wendung kam. 33 Drahtseilbahnen ohne Zahnstange
folgten, nachdem die Möglichkeit oder Erstellung
von Steilbahnen nachgewiesen war.
loading ...

DWork by UB Heidelberg
Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt   |    Imprint   |    Datenschutzerklärung   |    OAI   |    RSS   |    Twitter   |    seo-list