Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Achter Band): Personentunnel - Schynige Platte-Bahn — Berlin, Wien, 1917

Page: 228
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Rohr rin

nen.

rungsraum (Feuerbüchse), hervorgerufen durch
Nachgeben der Dichtung zwischen Feuerrohr
und Rohrwand der Feuerbüchse (s. Feuerrohre).
Die in die Feuerbüchse eintretende Wasser-
menge ist, wenn eine größere Anzahl von
Röhren rinnt, eine so bedeutende, daß das
Feuer auf dem der Rohrwand zunächst liegenden
Teil des Rostes gelöscht wird. Der hierdurch
entstehende Wasserverlust, verbunden mit der
Verminderung der Temperatur in der Feuer-
büchse, macht in einem solchen Fall die
Weiterfahrt unmöglich, umsomehr, als, um den
Wasserverlust zu ersetzen oder das Wasser
nicht bis unter die Feuerbüchsdecke sinken
zu lassen, beide Dampfstrahlpumpen bzw. alle
Speisevorrichtungen in Tätigkeit gesetzt werden
müssen.
Die Ursachen dieser den Betrieb so häufig
störenden Erscheinung sind:
1. Schlechtes Speisewasser. Der auf der
Rohrwand und auf den Feuerrohren in der
Nähe der Rohrwand in großer Menge abge-
lagerte Kesselstein bedingt als schlechter
Wärmeleiter eine sehr hohe Temperatur der
Rohrwand und der in der Rohrwand steckenden
Enden der Feuerrohren. Nach Absperrung des
Reglers nimmt die dünnwandige Feuerrohre,
gekühlt durch das Kesselwasser, sehr bald eine
Temperatur an, die kleiner ist als die Tempe-
ratur der Rohrwand; der Durchmesser der
Feuerrohren verkleinert sich daher überall
und auch an der dichtenden Stelle. Es entsteht
ein ringförmiger Spalt zwischen Feuerrohre
und Rohrwand, durch den das Kesselwasser
mit großer Gewalt in den Feuerungsraum
dringt.
2. Forcierter Betrieb. Wird der Kessel
über das Maß der gewöhnlichen Leistungs-
fähigkeit angestrengt, d. h. werden durch allzu
weitgehende Anwendung der Mittel zur Ver-
stärkung des Zuges (Verengung der Blasrohr-
mündung und durch Aufwerfen großer Brenn-
stoffmengen) in der Feuerbüchse hohe Tempe-
raturen und Stichflammen erzeugt, so bewirkt
die (wie bei Vorhandensein von Kesselstein)
eintretende außergewöhnlich hohe Temperatur
eine Ausdehnung der Feuerrohren an der
Dichtstelle; nach Absperrung des Reglers
erfolgt dann wieder die Zusammenziehung der
Röhren rascher als jene der Rohrwand, und
tritt sofort heftiges R. auf.
3. Unsachgemäßes Vorgehen:
a) bei der Feuerung. Allzulanges Offen-
halten der Heiztür während des Feuerns und
durch längere Zeit ausgeübtes Aufschüren des
Feuers mit dem Rostspieß läßt, wenn oben an
der Heiztür nicht ein Schutzschirm angebracht
ist (s. Rauchverzehrung), einen Strom kalter

Luft auf die Feuerrohren kommen; die durch
diese Kühlung bedingte Verkleinerung des
Röhrendurchmessers kann selbst während der
Fahrt R. hervorrufen;
b) beim Speisen. Lang andauerndes
Speisen mit zu großen Dampfstrahlpumpen
gibt durch rasche Erniedrigung des Dampf-
drucks, mithin auch Erniedrigung der Wasser-
temperatur, zu einer Kühlung der Feuerrohren
Veranlassung, womit, wie in den anderen Fällen,
eine Verkleinerung des Röhrendurchmessers
verbunden ist;
c) nach Absperren des Reglers. Wird
nach Fahrt auf anhaltender Steigung oder
nach erhöhter Leistung überhaupt, während
der vom Blasrohr Gebrauch gemacht wurde,
der Regler geschlossen, ohne das Hilfsgebläse
sofort zu öffnen (oft nicht möglich, weil kurz
vorher zu viel Kohle aufgeworfen wurde), so
ist, wegen plötzlicher Unterbrechung der Ver-
brennung, eine Temperaturerniedrigung in der
Feuerbüchse unausbleiblich, mithin auch die
Ursache zum R. gegeben.
Die allgemeinen Mittel zur Verhinderung
des R. bestehen in der Anwendung von reinem
oder künstlich gereinigtem Speisewasser und
in Vermeidung der unter Punkt 3 angegebenen
Vorkommnisse.
Undicht gewordene Feuerrohren können
beim Weiterfahren unter Dampf durch rasche
Anwendung der Ursachen des R. in umgekehrter
Folge: Verengung des Blasrohrs, Öffnen des
Hilfsgebläses und Haltung eines hohen Feuers,
wieder dicht gemacht werden.
Bei der Talfahrt (Regler geschlossen) können
die Rohre während der Fahrt bei offenem
Hilfsgebläse vermittels des Rohrdorns aufge-
trieben und dicht gemacht werden.
Bei Vorhandensein von gutem Speisewasser
ist die Anwendung von an den eisernen Feuer-
rohren angelöteten Kupferstutzen ein Mittel,
durch das bei sonst sachgemäßer Behandlung
das R. vermieden werden kann. Sehr reine
weiche Speisewässer gestatten auch die Ver-
wendung von Feuerrohren ohne Stutzen.
Von großem Einfluß auf das Dichthalten
der Feuerrohren ist auch der richtige Vorgang
beim Einziehen der Röhren. Die Feuerrohren
selbst sowie die Bohrungen in der Rohrwand
müssen metallisch blank sein, damit eine rein
metallische Dichtung beim Aufwalzen erzielt
werde. Hat ferner die Lokomotive vor Inbe-
triebsetzung eine längere Strecke im „Kalt-
transport", d. i. ohne Wasser im Kessel, zurück-
zulegen (insbesondere zu beachten bei neu
eingelieferten Lokomotiven), so sind vor dem
Anheizen sämtliche Rohre mit der Rohrwalze
sorgfältig nachzuziehen, weil das Rütteln der
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