Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Achter Band): Personentunnel - Schynige Platte-Bahn — Berlin, Wien, 1917

Page: 238
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Abb. 139. Rollbrücke über die Kattendyk-Sehleuse in Antwerpen.

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Rollbrücken.

Rollbrücken, Schiebebrücken (rol-
ling-bridges; ponts roulant; ponti a


rolli), bewegliche Brücken (s. d.), bei denen durch’ eine
Bewegung in wagrechter Richtung parallel zu ihrer
normalen Lage das erforderliche Verkehrsprofil frei-
gemacht wird.
Man hat zweierlei Arten von R., u. zw.:
a) solche, bei denen nur eine Bewegung in Längs-
richtung,
b) solche, bei denen auch oder ausschließlich eine
Bewegung in seitlicher Richtung stattfindet.
Zu a. Der bewegliche Brückenteil kann nach vor-
heriger Hebung über die angrenzende Fahrbahn zurück-
gerollt (Überrollbrücken) oder nach erfolgter Sen-
kung fernrohrartig in die angrenzende feste Brücke
geschoben werden (Unterrollbrücken).
Überrol 1 brücken haben den Vorteil,daß die einge-
schobene Brücke auf feste Lager gestützt werden kann, daß
die Fahrbahn auf dem beweglichen Teil dieselbe Breite
haben kann wie auf der angrenzenden festen Brücke
bzw. auf dem Widerlager und schließlich, daß der Quer-
verband der etwa anschließenden festen Brücke nicht
gestört wird.
Ein Beispiel dieser Bauart bildet die 370 t schwere,
48'3 m lange und 6 m breite Eisenbahn- und Straßen-
rollbrücke über die Kattendyk-Sehleuse in Antwerpen
(Abb. 139), die eine lichte Durchfahrt von 27*5 nt
überspannt.
Bei geschlossener Brücke ruht jeder Hauptträger auf
3 festen Auflagern.
Im Abstand von ungefähr 18 m vom mit einem Ge-
gengewicht beschwerten hinteren Ende befindet sich
unter jedem Hauptträger ein lotrechter Wasserdruck-
zylinder, dessen Kolben eine Rolle trägt. Wird der
Kolben gehoben, so hebt sich das hintere Brückenende,
weil ein an dem leichteren Vorderende befestigter horn-
artiger Ansatz unter eine mit dem Mauerwerk des
vorderen Widerlagers verankerte Rolle greift. Wenn
nach dem Heben die R. mittels Druckwassers zurück-
geschoben wird, gleitet die geneigte Hornebene an der
Rolle hin, während das hintere Brückenende sich zurück-
ziehend auf feste Rollen auf dem Land hinabsenkt.
Unterrollbrücken haben die Fahrbahn oben und
müssen, nachdem sie eingerollt worden sind, mittels be-
sonderer Vorrichtungen gehoben werden, bis die Fahr-
bahn des beweglichen Teiles in derselben Höhe liegt
wie die Fahrbahn des festen Brückenteils. Bei der dop-
pelten R. über den Dee-Fluß bei Victoria (England)
(Abb. 140) geschieht die Hebung und Senkung zwang-
läufig.
Bei einigen Unterrollbrücken wird nicht nur der
Überbau, sondern mit diesem gleichzeitig auch der ihn
tragende Unterbau verschoben. Die Rollbahn liegt dann
auf der Sohle des zu überschreitenden Gewässers.
Vor dem Öffnen wird die Fahrbahn auf den beweg-
lichen Unterbau so weit gesenkt, daß sie unter die feste
Fahrbahn über der seitlichen Uferkammer ausgerollt
werden kann. Die Bewegung geschieht meistens mittels
durch Druckwasser oder Dampf gezogener Ketten oder
Seile.
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