Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Achter Band): Personentunnel - Schynige Platte-Bahn — Berlin, Wien, 1917

Page: 245
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Rost. — Rottenführer.

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Die Beschickung sehr großer Rostflächen
von Lokomotiven, die in Amerika bis zu 9 m2
ausgeführt werden, stellt an einen Heizer bereits
seine physische Kraft übersteigende Anforde-
rungen. Es werden daher dort mechanische
Rostbeschickungseinrichtungen verwendet. Ein
Beispiel einer solchen, nach Bauart Barnum,
zeigt Abb. 150. Die Kohle wird am Tender
durch Brechmaschinen, die eine kleine Dampf-
maschine treibt, entsprechend zerkleinert und
durch Gurtförderer in den 4 Schnecken zu-
geführt. Die Schnecken werden durch 2 rechts
und links am Rahmen der Lokomotive ange-
brachte Dampfmaschinen, durch Vermittlung
von Kugelrädern bewegt und die Kohle durch
Abstreifbleche auf den R. gebracht.
Über R. s. ferner: Heusinger, Hb. f. spez.
E.-T. Bd. III, Leipzig 1882. - Pechar, Die
Lokomotivfeuerbüchse. Sonderabdruck aus
Glasers Ann. 1883. - Das Eisenbahn-Maschi-
nenwesen der Gegenwart. Berlin 1914.
Gölsdorf-Rihosek.
Rotgrünblindheit, die häufigste Form der
Farbenblindheit, bei der die Empfindung für
Rot und Grün fehlt (s. Farbenblindheit).
Roth er Christian v., preußischer Staats-
minister, geb. am 14.November 1778 in Ruppers-
dorf in Schlesien, gest. am 7. November 1849
auf seinem Gut Rogan bei Parchwitz in
Schlesien. R. stammte aus ganz kleinen Ver-
hältnissen, war ursprünglich Subalternbeamter
und wurde wegen einer ausgezeichneten Schrift
über die Kassen Verwaltung in den höheren
Staatsdienst übernommen, in dem er 1820 zum
Präsidenten der Staatsschuldenverwaltung und
Chef der Seehandlung aufrückte. Als Chef des
Departements für Handel, Fabrikation und Bau-
wesen (1835 — 1837) hat R. sich besondere
Verdienste um die Anlage von Kunststraßen
und später um den Bau von Eisenbahnen
in Preußen erworben. Das Zustandekommen
der Eisenbahn von A4agdeburg nach Leipzig
war zum erheblichen Teil sein Verdienst, ebenso
hat er zur Förderung der ersten Eisenbahnen
in Rheinland und Westfalen wesentlich mit-
gewirkt und dazu beigetragen, daß die leitenden
Kreise der Staatsregierung ihre Abneigung
gegenüber den Eisenbahnen aufgaben und
allmählich eine freundlichere Stellung ein-
nahmen. v. der Leyen.
Rothornbahn s. Brienz-Rothornbahn.
Rothschild, Salomon Mayer Freiherr von,
geb. 9. September 1774 zu Frankfurt a. M.,
gest. 27. Juli 1855, seit 1826 Chef des Wiener
Wechselhauses S. M. Rothschild. R. hatte den
vmn Professor Riepl (s. d.) entworfenen Plan der
Erbauung einer Eisenbahn von Wien durch
Währen nach Galizien sofort aufgegriffen und

mit seinen reichen Mitteln so weit gefördert, daß
ihm am 4. März 1836 die Privilegiumsurkunde
für die Errichtung einer Eisenbahn von Wien
nach Bochnia (Galizien) mit Seitenbahnen auf
50 Jahre verliehen wurde. Dieses erste Privile-
gium für eine österreichische Lokomotiveisen-
bahn ging am 19. Mai 1836 an eine Aktien-
gesellschaft über, die unter der Firma „a. p.
Kaiser-Ferdinands-Nordbahn « gegründet wurde.
R.s Scharfblick und Uneigennützigkeit bewährten
sich in glänzender Weise, als bald nach Gründung
der Gesellschaft Zweifel an der Ausführbarkeit
des Unternehmens um sich griffen und R. in der
Generalversammlung vom 19. Oktober 1836
sich bereit erklärte, das Privilegium der Nord-
bahn gegen Ersatz der Auslagen rückzuüber-
nehmen.
Die Stadt Wien wählte R. zum Ehrenbürger
und die Kaiser-Ferdinands-Nordbahn ehrte sein
Andenken, indem sie gelegentlich der Voll-
endung ihres neuen Bahnhofgebäudes in Wien
im Jahre 1 865 daselbst sein lebensgroßes Stand-
bild errichten ließ. Auf der Vorderseite des
Sockels steht die Inschrift: „Die Gesellschaft
der a. p. Kaiser-Ferdinands-Nordbahn ihrem
Gründer Salomon Freiherr von Rothschild“,
auf der linken Seite: „Er gründete diese Bahn,
die erste, die in Österreich mit Dampf befahren
wurde“.
Rottenführer, Vorarbeiter, Bahnrichter
(foreman of gang ; chef d’equipe ; capo squadra),
nennt man den mit der Ausführung der Bahn-
unterhaltungsarbeiten betrauten Bahnbedien-
steten. Der nächste Vorgesetzte des R. ist der
Bahnmeister. Untergebene des R. sind die
Bahnunterhaltungsarbeiter (Rottenarbeiter) und,
sofern ihm auch die Streckenbegehung über-
tragen ist, auch die Bahnwärter und Schranken-
wärter (s. d.). Dem R. obliegt nach näherer
Anweisung und zur Unterstützung des Bahn-
meisters die Erhaltung des ordnungsmäßigen
Zustandes der Bahn und der zugehörigen Neben-
anlagen, jedoch ausschließlich der Stellwerks-
anlagen und Gebäude. Insbesondere hat er
dafür zu sorgen, daß die Bahn von allen
Eahrhindernissen frei ist, ferner zu achten auf
die Brauchbarkeit der Weichen und Signalein-
richtungen und Wegeschranken, auf Brüche
und sonstige Mängel an Gleisen, ferner hat er
für die Entwässerung der Gleisbettung und
des Bahnkörpers zu sorgen und darauf zu
achten, daß die Signale deutlich erscheinen,
die Flammen brennen und daß alle Aus-
rüstungsgegenstände der Bahn, insbesondere
Schranken, Einfriedigungen, Neigungs- und
Krümmungstafeln in gutem Zustand sind.
Neben den Bahnunterhaltungsarbeiten obliegt
ihm auch die hierauf bezügliche Sicherung
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