Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Achter Band): Personentunnel - Schynige Platte-Bahn — Berlin, Wien, 1917

Page: 252
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Rumänische Eisenbahnen.

nach 30 Jahren von ihrer Betriebseröffnung an 20%
des Betrags, der vom Reingewinn übrig bleibt,
nachdem zur Verteilung an die Aktionäre 5% und
zur Tilgung des Aktienkapitals höchstens 2% ver-
wendet worden sind.
Nach Ablauf von 00 Jahren gehen die Bahnen
ohne Entschädigung in den Besitz des Staates über;
das rollende Material ist nach besonderer Schätzung
zu bezahlen.
Dieses Gesetz hatte ungeachtet der Gewährung
staatlicher Beihilfen keinen nennenswerten Er-
folg und schließlich war der Staat genötigt,
die Fertigstellung der begonnenen Einien zu
übernehmen, wofür diese in den Besitz des
Staats, dem auch die Betriebsüberschüsse zu-
fallen, übergehen sollten.
Die 116*3 km lange, im November 1914
eröffnete Bahnlinie, die von MirceaVoda an der
Bahn Cernavoda-Constantza auf die neue bul-
garische Grenze in der Dobrudscha zuführt,
endet dort in Bazargic. Der Anschluß an das
bulgarische Netz erfolgte im April 1915 bei
der Station Oborischte, 5 km östlich derselben.
Wichtig war die Fertigstellung und Eröffnung
des 3300 m langen Tunnels von Beresti am
20. Mai 1912, wodurch die direkte Schienen-
verbindung zwischen Galatz-Berlad hergestellt
wurde.
Im Januar 1914 wurde der Bau des 5912 m
langen Isvortunnels — ein Teil der Strecke
Moreni-Sinaia — einer deutschen Gesellschaft
übertragen. Gleichzeitig wurde der Vertrag
zwischen Rumänien und Serbien, betreffend
den Bau einer Eisenbahnbrücke über die Donau
oberhalb Brza Palanka, abgeschlossen.
Aus den Mitteln eines im Jahre 1914 be-
willigten Eisenbahnanleihens von 405 Mill. Lei
sollte das Eisenbahnnetz R. innerhalb 7 Jahren
auf 5600 km gebracht werden. Doch konnte
der Plan infolge Kriegsausbruches nicht durch-
geführt werden.
Das Eisenbahnnetz Rumäniens hatte im Mai
1913 eine Länge von 3549 km, u. zw. fast
ausschließlich Staatsbahnen. An Privatbahnen
bestehen nur die Lokalbahn Mara$e$ti-Panciu
(26 km), Ploe^ti-Valeni (33 km) und Buzeu-
Nehoiasi (74 km).
II. Geographische Gliederung.
Das rumänische Eisenbahnnetz besteht aus
2 Hauptlinien.
Die erste, Verciorova-Craiova-Pitesti-Ploesti-
Buzeu - Focsani - Marasesti - Roman - Päscani-
Vere^ti-Burdujeni, von 818 km, durchzieht,
im äußersten Südwesten Rumäniens beginnend,
einen Ausläufer der Karpathen bei der Station
Palota übersetzend, die walachische Tiefebene
in östlicher Richtung bis Bukarest und von
hier in nordöstlicher Richtung, um bei Marasesti
in das Tal des Sereth zu gelangen. Durch das

Flügelland der Moldau verfolgt die Hauptlinie,
unausgesetzt im Serethtal verbleibend, eine nörd-
liche Richtung bis zur Grenzstation Burdujeni.
Die zweite Hauptlinie (408 km), führt, die
Moldau von Nord nach Süd durchschneidend,
größtenteils parallel mit der ersten, von Dorohoi
über Jassy-Berlad-Tecuciu nach Galatz.
Von der ersten Hauptlinie abzweigende An-
schlußlinien an ausländische Bahnen:

1. Piatra Olt-Caineni (Roter
Turm-Paß) (140 km)
2. Ploe^ti -Predeal-(Tömöspaß-)
Kronstadt (84 km)
3. Adjud-Palanka (Gyimespaß)
(103 km)
4. Päscani-Jassy-Ungheni-Anschluß an die
russischen Südwestbahnen.

Anschluß
an die
ungarischen
Staatsbahnen

Zweiglinien nach der Donau:
1. Craiova-Calafat (107 km)
2. Piatra Olt-Corabia (75 km)
3. Coste$ti - Turnu Magurele bzw. Zimnica
(117 km)
4. Bukarest-Giurgevo (74 km)
5. Buzeu-Braila-Galatz (132 km)
6. Berlad-Galatz (111 km)
7. Slobozia-Calarasi (44 km).
Bukarest - Fetesti - Constantza (230 km)
Faurei-Fetesti-Constantza (170 km) die
Zweiglinien nach den Petroleum- und Salz-
distrikten der Karpathen und die
Verbindungslinie Marase^ti-Tecuciu (19 km).

III. Verwaltung.
Gleichzeitig mit der äußeren Ausgestaltung
des rumänischen Eisenbahnwesens wurden auch
in der Verwaltung zweckmäßige Änderungen
vorgenommen. Mit 1. Januar 1900 trat ein
neues Eisenbahnbetriebsgesetz in Kraft, wodurch
das aus dem Jahre 1883 teilweise abgeändert
wurde. Seine hauptsächlichsten Bestimmungen
sind: die Verwaltung und der Betrieb unter-
stehen dem Minister der öffentlichen Arbeiten,
einem 5gliedrigen Verwaltungsrat und der
Generaldirektion (Art. 1 u. 2). Sämtliche bei
der Eisenbahnverwaltung beschäftigte Beamte
sind Staatsbeamte (Art. 3). Die Organisation
der Verwaltung kann von der Generaldirektion
mit Genehmigung des Ministers abgeändert
werden (Art. 8). Die Generaldirektion vollzieht
die Beschlüsse des Verwaltungsrats und ver-
mittelt dessen Verkehr mit dem Ministerium und
sonstigen Behörden (Art. 16 u. 17).
Der Beschlußfassung des Verwaltungsrats sind
hauptsächlich Vorbehalten: die Feststellung des Ein-
nahmen- und Ausgabenbudgets; die Eröffnung von
Sonderkrediten; die Tarif- und Fahrplanänderungen;
die Einführung von Reglements und sonstigen allge-
meinen Verwaltungsvorschriften; die Verträge für
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