Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Achter Band): Personentunnel - Schynige Platte-Bahn — Berlin, Wien, 1917

Page: 266
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Russische Eisenbahnen.

11. Moskauer Gesellschaft für Zufuhrbahnen: a) Rjäsan-Wladimir 196 Werst
b) Tula-Lichwin . . 104 »
12. Nowosybkow Zufuhrbahnen.122 „
13. I. Gesellschaft für Zufuhrbahnen: a) Pernau-Reval .... 316 »
b) Swjenzjany. 255 „
c) Jushnyje (südliche) . . 578 „
14. Petrowsko-Ssulejewsk Zufuhrbahnen.17 „
15. Petersburg-Ssestrorjezker „ 41 „
16. Starodub „.32 „

Es sind also 45 Jahre ins Land gegangen,
um diese geringe Anzahl Werst zu erbauen.
Ein deutlicher Beweis, daß die Mittel zur
Förderung des Baues der Bahnen nicht richtig
gewählt worden sind. Es kommt hinzu, daß
am 20. April 1874 das Ministerium der Verkehrs-
anstalten den Plan für ein ganzes Netz solcher
Bahnen ausgearbeitet und vorgelegt hatte, daß
ferner wiederholt Erleichterungen für den Bau
und Betrieb bewilligt worden sind, so daß die
Schärfen des grundlegenden Allerhöchsten
Ukases vom 1. April 1870 zum größten Teil
beseitigt worden waren. Gleichwohl gelang es
nicht, Nennenswertes zu erreichen.
Inzwischen war das Ges. vom 14. April 1887
über die Zufuhrbahnen, denen man in Rußland
den bezeichnenden Namen Nährbahnen beilegte,
ergangen. Stellte dieses sich schon auf einen
wesentlich andern Standpunkt, indem nament-
lich auf eine möglichst freie Anpassung an die
tatsächlichen Verhältnisse Wert gelegt wurde,
so umgab es die Unternehmungen immer
noch mit einengenden Bestimmungen, die ab-
schreckendwirkten und ein schnelles Anwachsen
der Zufuhrbahnen behinderten. Es folgte zu
diesem Gesetz ein Anhang vom 8. Juni 1892:
Regeln über den Bau und Betrieb von Klein-
bahnen mit Dampfbetrieb, die zu den Eisen-
bahnen führen und zur allgemeinen Be-
nutzung bestimmt sind. Dieser Anhang unter-
scheidet 3 Gruppen von normalspurigen Klein-
bahnen.
I. Gruppe: Bahnen, die mit Lokomotiven und
Wagen der Hauptbahnen befahren werden
können;
II. Gruppe: Bahnen, die mit Wagen, aber
nicht mit Lokomotiven der Hauptbahnen be-
fahren werden können;
III. Gruppe: Bahnen mit nur eigenen Be-
triebsmitteln.
Hierzu sind auch leichtere Bestimmungen
für die Betriebsführung erlassen. 1895 ent-
schließt sich die Staatsregierung dazu, den Bau
solcher Bahnen auch durch Geldzuschuß zu
fördern, alte brauchbare Schienen und Schienen-
befestigungsgegenstände kostenlos zur Verfü-
gung zu stellen, den Bau und Betrieb für

Rechnung der Privatunternehmer zu führen,
wobei die Kapitalauslagen der Unternehmer
durch tarifmäßig festgesetzte Abzüge von den
beförderten Gütermengen allmählich zu decken
sind. Auch ist diesen Bahnen ein eigener Tarif
zugestanden worden, der höhere Sätze enthält,
die auch je nach den Verhältnissen der ein-
zelnen Bahnen verschieden sein können. Trotz
aller dieser Anstrengungen ist es bisher nicht
geglückt, einen irgendwie nennenswerten Er-
folg mit dem Ausbau von Zufuhrbahnen zu
erreichen. Über die hierher gehörigen Bahnen
liegen amtliche Mitteilungen nur für die Jahre

1895— 1902 vor, wonach
vom Staat gebaut wurden. 896 Werst
von Gesellschaften oder Privatper-
sonen . 3411 „

zusammen . . . 4397 Werst
von denen jedoch 2183 Werst auf Bahnen von
örtlicher Bedeutung, der Rest von 2214 Werst
(— 2362 km) auf Zufuhrbahnen entfallen, auf
diese kommt es aber hauptsächlich an. In den
12 folgenden Jahren 1902— 1913 sind nur
657 Werst (=701 km) erbaut, so daß an-
scheinend das Gesetz vom 10. Juni 1905, be-
treffend die Förderung des Baues von Zufuhr-
bahnen, das weitgehende Vereinfachungen ge-
währleistet, bisher auch keine Änderung herbei-
zuführen vermocht hat.
Im Verordnungsweg sind am 2. Februar 1913
die wichtigsten Grundsätze für die Abfassung
von Verträgen über den Bau und Betrieb von
Zufuhrbahnen, die ausschließlich der privaten
Benutzung Vorbehalten sind, veröffentlicht
worden. Diese Grundsätze sind aber rein for-
meller Art ohne sachliche Bedeutung.
Erst in den allerletzten Jahren läßt sich er-
kennen, daß die aufgeklärte Auffassung des
Grafen Witte über den Wert der Zufuhrbahnen
immer mehr Boden gewinnt, denn die Anzahl
der Konzessionsgesuche für Stich-, Zufuhr-oder
Nährbahnen ist tatsächlich sehr groß. Es kann
wohl erwartet werden, daß Rußland auf diesem
Weg bis Wiederkehr friedlicher Verhältnisse
verhältnismäßig schnell dazu kommen werde,
das Zufuhrgebiet der Hauptbahnen ganz er-
heblich zu erweitern.^
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