Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Achter Band): Personentunnel - Schynige Platte-Bahn — Berlin, Wien, 1917

Page: 290
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Sächsische Eisenbahnen.

Staat gekauft. Am 1. Juli 1906 wurde die schmal-
spurige Nebenbahn Zittau-Oybin mit der Zweig-
strecke Bertsdorf-Jonsdorf(14*41 km) verstaatlicht.
Sie war von der Zittau-Oybin-Jonsdorfer Eisenbahn-
gesellschaft gebaut worden; den Betrieb führte seit
der Eröffnung am 25. November 1890 der Staat.
Im Jahre 1915 befindet sich — abgesehen von
Straßenbahnen (innerstädtischen Straßenbahnen
und Überlandbahnen) — im Königreich Sachsen
nur noch eine einzige dem öffentlichen Verkehr
dienende Privatbahn. Es ist dies die vollspurige,
nur für den Güterverkehr bestimmte Bahn
Mittweida Bahnhof-Dreiwerden mit der
Zweigstrecke Mittweida Ladestelle-Ringethal
(zusammen 10 53km)] die Bahn gehört einer
Aktiengesellschaft und wird von der Staatseisen-
bahnverwaltung auf deren Rechnung betrieben.
Seit dem Jahre 1877 sind auch eine Reihe
von Eisenbahnstrecken, die anderen Staaten
gehörten, auf den sächsischen Staat übergegangen.
So erhielt Sachsen auf Grund des Staatsvertrags
vom 24. Januar 1887 vom 1. April 1888 ab
die Teilstrecke Dresden - El sterwerda
(54*45 km) der am 17. Juni 1875 eröffneten
Berlin-Dresdener Eisenbahn (s. d. Bd. II,
S. 212).
Schönberg-Schleiz, \S'\1 km, davon 8-97 km
in Neuß j. L., war zur Verbindung des reußischen
Oberlandes mit dem sächsischen Netz von Sachsen
hergestellt und am 20. Juni 1886 eröffnet worden.
Das Eigentum stand jedem Staat in s inem Gebiet
zu, der Betrieb der Gesamtstrecke war Sachsen über-
lassen. Durch Staatsvertrag vom 26. Juli 1890 trat
Neuß sein Eigentum an Sachsen ab.
Meusel witz-Ronn eburg, 25*41 km, von Sachsen
erbaut, ganz in Sachsen-Altenburg gelegen, eröffnet
am 17. Oktober 1887, gehörte nach dem Staatsvertrag
vom 19. Dezember 1884 dem altenburgischen Staat
und war an Sachsen verpachtet. Am 1. Januar 1895
ging die Bahn an Sachsen über.
Zittau-Nikrisch, 23*14 km, davon 21*68 km in
Sachsen und 1*11 km in Preußen, war von der Berlin-
Görlitzer Eisenbahngesellschaft erbaut und von dieser
an Preußen zu Eigentum überlassen worden. Als
eine Gegenleistung für den Verzicht Sachsens auf
den Erwerb der ausschließlich im preußischen Eisen-
bahngebiet gelegenen Linie Weimar-Gera überließ
Preußen am 1. April 1896 die Bahn an Sachsen.
Die Bahnen, die seit 1877 vom sächsischen
Staat neugebaut worden sind, sind aus-
schließlich Nebenbahnen. Ein namhafter Teil
ist als Schmalspurbahnen mit 0*75 tn Spur-
weite ausgeführt worden. Auf diese Weise hat
das Königreich Sachsen ein sehr ausgedehntes
Netz von Schmalspurbahnen erhalten (Anfang
1915: 511*16 km).
In den letzten Jahrzehnten sind in Dresden,
Leipzig und Chemnitz unter Aufwendung hoher
Kosten große, allen Anforderungen der Neuzeit
entsprechende Bahnhofsanlagen geschaffen
worden und im Zusammenhang damit ist auf
einer Anzahl Vorortstrecken der 4gleisige Betrieb
eingeführt, ferner sind in Dresden und in Riesa

für den Elbeumschlagsverkehr bedeutende Hafen-
und Uferanlagen errichtet worden.
B. Gestaltung des Eisenbahnnetzes.
Der Charakter des Landes, das im Süden von
nicht unbedeutenden, allmählich nach Norden
abfallenden Gebirgen begrenzt und zum fünften
Teil aus Tiefebene, im übrigen aber aus Gebirgs-
und Hügelland besteht und das außer dem
Elbestrom mit seinem lebhaften Schiffsverkehr
von zahlreichen, auf dem südlichen Gebirgs-
kamm entspringenden größeren und kleineren
Gewässern durchzogen wird, ist von wesent-
lichem, wenn schon nicht allenthalben Aus-
schlag gebendem Einfluß auf die Gestaltung
des sächsischen Eisenbahnnetzes gewesen. Die
erste Eisenbahn von Leipzig nach Dresden
läuft an der Nordgrenze des Hügellandes ent-
lang, bis sie sich, dem Lauf des Elbestroms
folgend, nach Süden wendet. Ihre Fortsetzung
nach Böhmen (über Bodenbach-Tetschen), zu-
gleich die zweckmäßigste Verbindung zwischen
diesem Land und Norddeutschland, bleibt durch-
aus im Elbtal, während schon die östliche
Fortsetzung über Dresden hinaus nach Schlesien
wegen der Lage der zu berührenden größeren
Städte (Bautzen, Löbau, Görlitz) die Durch-
schneidung der nördlichen Ausläufer des Ge-
birges nicht zu vermeiden vermochte. Die
übrigen Hauptlinien konnten, wenn sie ihren
vornehmlichsten Zweck — Vermittlung des
Durchgangsverkehrs — erfüllen wollten, der
Bodenbeschaffenheit noch weniger Rechnung
tragen, so die Linie Leipzig-Hof (nebst Ab-
zweigung nach Plauen-Eger), die zur Ver-
bindung von Berlin und Leipzig mit dem Süden
die westliche Fortsetzung des Erzgebirgskamms
überschreitet, desgleichen die Linie Riesa-Chem-
nitz, die unter Überwindung vielfacher Boden-
schwierigkeiten den Hauptort des sächsischen
Maschinengewerbes mit Norddeutschland und
zugleich mit dem wichtigen, neben Dresden
immer mehr an Bedeutung gewinnenden Elbe-
umschlagsplatz Riesa verbindet, und endlich
die vielfache Wasserscheiden überschreitende
Linie Dresden-Chemnitz-Zwickau- (Werdau-)
Reichenbach, die den Verkehr zwischen Dresden
und Bayern und dabei gleichzeitig den zwischen
Dresden und Chemnitz mit dem Zwickauer
Kohlenbecken vermittelt.
Die später entstandenen, vorwiegend ört-
lichen Zwecken dienenden Bahnen schmiegen
sich weit mehr als die vorgedachten der Boden-
gestalt an und folgen größtenteils den Fluß-
tälern, in denen sich eine äußerst lebhafte In-
dustrie entwickelt hat. In der südwestlichen
Hälfte, in der die Grenzgebirge höher und
die Wasserkräfte ausgiebiger sind, ist das säch-
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