Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Achter Band): Personentunnel - Schynige Platte-Bahn — Berlin, Wien, 1917

Page: 292
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Sächsische Eisenbahnen.

12. März 1909. Bestimmungen über die Sonn-
tagsruhe im Güterverkehr enthält das Ges. vom
10. September 1870 nebst Ausführungsverord-
nung. Für die Besteuerung gilt, daß die säch-
sischen Staatseisenbahnen innerhalb Sachsens
von Staatsteuern befreit sind, während die
Privatbahnen solche grundsätzlich zu entrichten
haben. Gemeindeumlagen werden vom Staats-
eisenbahnbetrieb nicht erhoben, wohl aber vom
Grundbesitz; doch sind Grundstücke, auf denen
sich Schienengleise der Eisenbahn befinden,
auch von der Grundsteuer befreit.
Verwaltungsordnung der sächsischen
Staatseisenbah n en.
Die sächsischen Staatseisenbahnen werden
unter der Oberaufsicht des Finanzministeriums
von der Generaldirektion der Staats-
eisenbahnen im Bau und Betrieb geleitet
und verwaltet. Die Generaldirektion, die ihren
Sitz in Dresden hat, ist in 4 Abteilungen
(I. Allgemeine Verwaltungsabteilung, II. Ver-
kehrsabteilung, III. Bau- und Betriebsabtei-
lung, IV. Neubauabteilung) gegliedert, in denen
die Geschäfte je von einer Anzahl Referenten
(höhere Verwaltungsbeamte oder Techniker
mit abgeschlossener Hochschulbildung) unter
Leitung eines Abteilungsvorstands bearbeitet
werden. An der Spitze der Generaldirektion
steht ein Präsident, dessen Wille für die Ent-
schließungen der Generaldirektion — unbe-
schadet der Zuständigkeit des Finanzministe-
riums — maßgebend ist. Der Generaldirek-
tion sind — jedoch im allgemeinen ohne daß
sie selbständige Entschließungsbefugnisse nach
außen hin besitzen — folgende höhere tech-
nische Bureaus und Hauptverwaltungsstellen
beigegeben:
Das Allgemeine technische Bureau (für Entwürfe
und Anschläge), das Brückenbaubureau (für Eisen-
konstruktionen, namentlich Brücken), das Elektro-
technische Bureau (für Telegraphen-, Signal- und
Sicherungs- sowie für Starkstromanlagen), das Fahr-
dienstbureau (für Fahrplan-, Fahrdienst- und Wagen-
angelegenheiten), das Hochbaubureau, das Maschinen-
betriebsbureau, das maschinentechnische Bureau (für
Fahrbetriebsmittel und maschinentechnische Anlagen),
das Oberbaubureau, das Bureau für Arbeiterver-
sicherung, das Hauptbureau (für den Kanzlei- und
Bureaudienst), die Hauptbuchhalterei, die Haupt-
kasse, das Statistische Bureau, die Verkehrskon-
trolle I (Tarife, Abfertigungsvorschriften und Ab-
rechnung im Personen- und Gepäckverkehr), die
Verkehrskontrolle II (Abrechnung im Güterverkehr),
das Verkehrsbureau (Tarife und Abfertigungsvor-
schriften sowie Beschwerden und Entschädigungs-
ansprüche im Güterverkehr), die Wirtschaftshaupt-
verwaltung (Bekleidungswesen, Wirtschaftsmaterialien
und Drucksachen), das Revisionsbureau (für die
Prüfung der Wirtschaftsführung, der Rechnungen
und der Materialbestände).

Zur Ausführung und Überwachung des
Betriebs, des Verkehrs und der Abfertigung
bestehen als Behörden erster Instanz unter
der Generaldirektion 6 Betriebsdirek-
tionen (Dresden-A., Dresden-N., Leipzig I,
Leipzig II, Chemnitz und Zwickau), denen
auch die Erledigung bestimmter allgemeiner
Verwaltungssachen (z. B. gewisser Personal-
sachen) obliegt. Außerdem bestehen, jedoch
ohne die Eigenschaft von Behörden, 28 Bau-
ämter (mit 217 Bahnmeistereien), 5 Maschi-
nenämter, 4 Werkstättenämter, 3 Elektrotech-
nische Ämter und 23 Bahnverwaltereien. Die
Bahnverwaltereien bestehen nur für Neben-
bahnen untergeordneter Bedeutung, namentlich
Schmalspurbahnen, und haben für die ihnen
unterstellten Strecken den gesamten Betriebs-,
Verkehrs-, Abfertigungs-, Bahnbewachungs-
und Bahnunterhaltungsdienst sowie die erforder-
lichen Bauten auszuführen. Für größere Neu-
bauten werden von Fall zu Fall Neubauämter
eingerichtet.
E. Statistisches.
Im Gebiet des Königreichs Sachsen waren
Ende 1913 einschließlich der im Eigentum
anderer Staaten und Privater stehenden
Strecken 3187*63 km Eisenbahnen im Be-
trieb, d. s. bei 14.993 km2 Flächenraum des
Landes 2P26 km auf je 100 km2 und bei
4,985.500 Einwohner (1. Dezember 1910)
63*94 km auf je 100.000 Einwohner1. Von
diesen 3187*63 km gehören dem sächsischen
Staat einschließlich der verpachteten Strecken
301 1 *47 km, der vom Staat betriebenen Pri-
vatbahn Mittweida - Dreiwerden - Ringethal
10*53 km, außersächsischen Verwaltungen
165*63 km. Außerhalb des Königreichs Sach-
sen besitzt der sächsische Staat 332*94 km,
während 373*86 km von der sächsischen
Staatseisenbahn außerhalb Sachsens betrieben
werden.
Die Eigentumslänge der sächsischen
Staatseisenbahnen betrug Ende 1913
3342*31 km. Da hiervon 12*92 km an die
preußisch-hessischen Staatsbahnen, die öster-
reichischen Staatsbahnen und die Buschte-
hrader Bahn verpachtet sind, während die
sächsischen Staatsbahnen anderseits 42*22 km
vom preußischen, bayerischen und österreichi-
schen Staat, von der Buschtehrader Bahn
und den Friedländer Bezirksbahnen gepachtet
haben und 0*80 km im Mitbetrieb mit den
preußisch-hessischen Staatsbahnen stehen, so
beträgt die Betriebslänge einschließlich der
1 F67 km in Sachsen liegende Strecke der Klein-
bahn Görlitz-Weißenberg (Görlitzer Kreisbahn)
blieb hierbei unberücksichtigt.
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