Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Achter Band): Personentunnel - Schynige Platte-Bahn — Berlin, Wien, 1917

Page: 304
Citation link: 
http://tudigit.ulb.tu-darmstadt.de/show/48-A-1089-08/0317
License: Creative Commons - No rights reserved (CC0)
0.5
1 cm
facsimile
304 Sandverwehungen.
hinweg. In dieser Weise läßt man einzelne
Dünen stückweise nach Bedarf vom Wind
selbst auflösen, zerstören und über die Bahn
hinwegführen. Diese Ausführung, in genügend
weitem Umfang und mit Umsicht durchgeführt,
gewährt volle Sicherheit gegen Betriebsstö-
rungen und ist durchaus wirtschaftlich; zur
Abdeckung werden Jutematten verwendet.
Baltzer.
Sandweiche s. Sandgleis.
Sanitätszüge, Lazarettzüge, Spitalzüge (sani-
tary trains; trains sanitaires), der Massenbeför-
derung von Verwundeten (Kranken) auf Eisen-
bahnen dienende, vornehmlich für den Kriegsfall
bestimmte Züge.
I. Allgemeines.
S. können aus Fahrzeugen bestehen, die
ausschließlich für diesen Zweck gebaut sind,
oder aus solchen, die auch anderen Beför-
derungszwecken dienen und bei deren Bauart
auf die zweckmäßige Benutzbarmachung für
Verwundetentransporte entsprechend Rücksicht
genommen ist; endlich kann im Notfall der
Verwundetentransport auch in Wagen statt-
finden, bei deren Bauart auf diesen besonderen
Verwendungszweck gar keine Rücksicht ge-
nommen ist.
Wenn auch bei Spezialzügen den Anforde-
rungen des Verwundetentransports am besten
entsprochen werden kann, so würde doch die
Herstellung und Bereithaltung solcher Züge in
der für die Kriege der Gegenwart erforderlichen
Anzahl, abgesehen von anderen Schwierigkeiten
(z. B. die der Unterbringung), so übergroße
Kosten verursachen, daß die allgemeine Ein-
führung derartiger Züge nicht in Betracht ge-
zogen werden kann.
Dagegen gewinnt die Vorsorge für die Ver-
wendung zum Verwundetentransport beim Bau
gewöhnlicher Personen-und Güterwagen immer
größere Ausdehnung und hat man in Anbetracht
der Wichtigkeit dieser Frage es für nötig er-
achtet, staatliche Vorschriften zu dem Zweck
zu erlassen, um die Einrichtung einer genügen-
den Anzahl von Wagen für den Verwundeten-
transport sicherzustellen.
Für das Deutsche Reich ist die Zusam-
menstellung und Einrichtung der Züge zur
Beförderung von im Feld Verwundeten durch
die Kriegssanitätsordnung festgestellt.
In Österreich-Ungarn sind die Bestim-
mungen für das Normale der Eisenbahnsanitäts-
züge in der Vorschrift für S. des k. u. k. Heeres
gegeben.
Ähnliche Vorschriften sind auch in Frank-
reich, Italien und Rußland in Kraft.

- Sanitätszüge.
Die Erfahrungen des 1914 ausgebrochenen
Weltkrieges, wo so bedeutende Heeresmassen
in Verwendung getreten und an den Sanitäts-
dienst so gewaltige Aufgaben gestellt worden
sind, haben vielfache Neuerungen hinsichtlich
der Organisation sowie in der Einrichtung und
Ausrüstung der S. geschaffen.
II. Bedingungen für S.
Ihr Zweck ist nicht nur der der Aufnahme
der Verwundeten und Zuführung an die
Bestimmungsstation, sie haben vielmehr während
des Transports die Aufgabe eines Lazaretts zu
erfüllen.
Die wichtigsten Bedingungen sind:
1. Die entsprechende Unterbringung in eigens
hierfür ausgestatteten Wagen;
2. Verpflegung und Behandlung der Ver-
wundeten.
Der zuerst angeführte Punkt wird erreicht
durch Einstellen der Lagerstätten (Gestelle mit
aufgelegten Tragbahren), Waschtische, Klapp-
sesseln u. s. w. und anderen zur Krankenpflege
notwendigen Gerätschaften. Ferner muß für die
Heizung, Lüftung und Beleuchtung der Wagen
vorgesorgt sowie ein Abort und Leibstuhl
vorhanden sein.
In baulicher Hinsicht müssen die Wagen
Tragfedern genügender Weichheit (bei Güter-
wagen werden die Tragfedern umgelagert),
Stirnwände mit Türen, Plattformen mit abnehm-
barem Geländer und Übergangsbrücken be-
sitzen. Für S. kommen außer den Kranken-
wagen mit einem Belagraum von 8—10 Kranken
noch Ärzte-, Küchen-, Magazins-, Vorrats- und
Speisewagen in Betracht.
In vielen Fällen, insbesondere bei Neufor-
mationen, wird jedem Zug ein Operationswagen
mit einem Abteil für Verbandzeug u. s. w. bei-
gegeben.
Die Zusammensetzung und Rangierung der
S. ist ganz verschieden; ein S. besteht gewöhnlich
aus 25 — 40 Wagen. Für Ärzte-, Personal- und
Speisewagen eignen sich am besten Durchgangs-
wagen, für Kranken-, Küchen-, Magazinswagen
gedeckte Güterwagen mit größerem Fassungs-
raum.
III. Anordnung einzelner S.
Nach der deutschen Kriegssanitätsordnung
sind 3 Arten von S. für die Verwundeten
vorgesehen, u. zw.:
A. Für liegende Verwundete die Lazarett-
und Hilfslazarettzüge;
B. für Leichtkranke die Krankenzüge, in
denen die Kranken sitzend befördert werden.
Die ersteren sind geschlossene Formationen,
deren gesamte Einrichtung schon im Frieden
loading ...

DWork by UB Heidelberg
Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt   |    Imprint   |    Datenschutzerklärung   |    OAI   |    RSS   |    Twitter   |    seo-list