Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Achter Band): Personentunnel - Schynige Platte-Bahn — Berlin, Wien, 1917

Page: 326
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326 Schienenprüfung.

Schienenprüfung (tests for rails, railtests;
epreuves des rails). Man unterscheidet: 1. Prü-
fung neuer Schienen aus Anlaß von Über-
nahmen ; 2. Laboratoriumsversuche, die wissen-
schaftlichen Zwecken dienen, insbesondere der
Aufklärung der Ursachen von Schienenbrüchen
und starken Schienenverschleißes
1. Prüfung der Schienen bei der Über-
nahme. Diese wird fast ausnahmslos in den
Hüttenwerken durch Beamte der Bahnver-
waltungen auf Grund von vereinbarten Lie-
ferungsbedingungen vorgenommen, wobei die
erforderlichen Versuchskörper einzelnen Walz-
stücken anläßlich deren Teilung zu Schienen
oder diesen nach ihrer Fertigstellung ent-
nommen werden. Sie zerfällt in die Prüfung
der äußeren Beschaffenheit und jene der
Material güte. Erstere betrifft die Fehlerfrei-
heit der Schienen in bezug auf Risse, Lunker,
Überlappungen, Schuppen u. dgl., ferner hin-
sichtlich der richtigen Lage der Schnittflächen,
der Genauigkeit des Querschnitts, der Richtung,
Länge und Lochung sowie des Gewichts. Bei
einzelnen dieser Punkte gestehen die Eisen- j
bahnverwaltungen den Erzeugern einen ge- i
wissen Spielraum zu, z. B. in der Länge i
±2-3 mm, ferner in der Querschnittshöhe,
Kopfbreite und Stegstärke ± OG mm, in der
Fußbreite ± PO mm, im Gewicht 2% unter
und 3% über dem Normale. Das Gewicht wird
in der Regel durch Abwage von 5 % der
Schienen, aus dem daraus ermittelten Durch-
schnittbestimmt. Zur Feststellung der Material-
güte der Schienen werden die chemische Zu-
sammensetzung des Stahls, sein Gefügeaufbau
und seine mechanischen Eigenschaften ermittelt.
Die chemische Prüfung erstreckt sich auf
den Gehalt des Stahls an Gesamtkohlenstoff,
Mangan, Silizium, Phosphor und Schwefel.
Die Analysen werden in der Regel von
Chemikern des Werks vorgenommen und zur
Verfügung des Übernahmsbeamten gestellt.
Sie sind Durchschnittsanalysen, demnach un-
beeinflußt von der Entmischung (Seigerung),
die in der Gußpfanne und beim Erstarren
des Stahls in den Gußformen vor sich geht.
Die Bohrspäne werden einem kleinen Block
entnommen, der nach dem Abguß der ersten
Hälfte der Schmelzung gegossen wird. Der
Gefügeaufbau ist an den Flächen von Quer-
brüchen festzustellen und umfaßt die Fehler-
freiheit des Stahls hinsichtlich Lunker, Risse,
Überlappungen u. dgl. Weiters wird ein feines,
dichtes und gleichmäßiges Korn verlangt. Dies
ist jedoch nicht in dem Sinne aufzufassen,
daß die ganze Bruchfläche gleich großes Korn
aufweisen müsse. Eine solche Forderung wäre
schon deswegen unerfüllbar, weil die sehr ver-

schieden dimensionierten Teile des Schienen-
querschnitts das Schlußkaliber der Walzen mit
Temperaturen verlassen, die oft sehr von-
einander abweichen. Manche Eisenbahnverwal-
tungen hatten zur Erzielung weiterer Auf-
schlüsse über den Gefügeaufbau auch Ätzver-
suche vorgeschrieben, doch haben sie sich als
ungeeignet für Zwecke des Übernahmsdienstes
erwiesen.
Zur Ermittlung der mechanischen Eigen-
schaften des Schienenstahls werden Be-
lastungs-, Schlagbiege-, Zug- und Kugel-
di uckversuche, u. zw. vom Übernahms-
beamten selbst auf Versuchsmaschinen vorge-
nommen, die vom Erzeuger beigestellt werden.
Der Belastungsversuch geschieht derart,
daß man auf den Kopf eines Schienenstücks
(V3 m lang, PO m Stützenweite) eine ruhende
Einzellast wirken läßt, die in der Stützenmitte
angreift. Zumeist werden 2 Belastungsstufen vor-
geschrieben, deren Höhe vom Trägheitsmoment
des Schienenquerschnitts und von der Material-
härte abhängig ist. Dabei wird verlangt, daß das
Versuchsstück bei der unteren Belastungsstufe
— nach erfolgter Entlastung — keine bleibende
Durchbiegung zeigen, bei der oberen nicht
brechen darf. In manchen Fällen wird die
Ermittlung der Streckgrenze gefordert, was
durch wiederholtes Be- und Entlasten bei
stufenweise wachsender Belastung erfolgt, oder
durch Aufnahme eines Schaubildes. Die Ver-
suche werden auf eigens hierfür gebauten
Apparaten vorgenommen, die für Belastungen
bis zu 50 und mehr t eingerichtet sind. Manche
Zerreißmaschinen sind mit Vorrichtungen aus-
gestattet, die in einfacher Weise einen raschen
Umbau für Belastungsversuche ermöglichen.
Beim Schlagbiegeversuch wird ein Fall-
gewicht (Bär) von 500, auch lOOOAg auf
ein Schienenstück (P3 m lang, PO m Stützen-
weite) fallen gelassen. Es trifft dessen Kopf
in der Stützenmitte, wobei weder eine Ver-
letzung, noch ein Bruch eintreten soll. Die
Vorschriften sind sehr verschieden, sowohl
hinsichtlich der Zahl der Schläge, als auch
der Schlagarbeit (Fallgewicht X Hubhöhe).
Manche Eisenbahnverwaltungen begnügen sich
mit einem Schlag größerer Arbeitsleistung,
andere hingegen schreiben noch weitere Schläge
von gleicher oder geringerer Leistung vor, etwa
40% des ersten. Hierbei wird die Zahl der
Schläge begrenzt (2-3) oder die Erzielung einer
vom Schienenquerschnitt abhängigen Durch-
biegung vorgeschrieben. In Amerika wird häufig
die Erreichung einer 2-6% betragenden
Dehnung verlangt, die am Schienenfuß zu
messen ist. Die Versuche sind bei Lufttem-
peraturen von über 0° auszuführen; nur
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