Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Achter Band): Personentunnel - Schynige Platte-Bahn — Berlin, Wien, 1917

Page: 327
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Schienenprüfung.

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wenige Verwaltungen nehmen auch Frostver-
suche vor. Das Ergebnis des Schlagversuches
ist sehr beeinflußt von der Art der Fundierung
des Schlagwerks. In den Bestimmungen des
VDEV. und in den Vereinbarungen der Ver-
bände für die Materialprüfungen der Technik,
die sich auf den Bau solcher Apparate be-
ziehen, ist daher auch darauf Rücksicht ge-
nommen. ln Österreich ist das nach diesen Grund-
sätzen gebaute Schlagwerk System Schmitz fast
allgemein gebräuchlich.
Zur Ermittlung der Zugfestigkeit - zu-
meist auch als Maß für die Material härte
gebraucht - wird aus der Mitte des Schienen-
kopfes ein Rundstab kalt herausgearbeitet und
auf der Zerreißmaschine geprüft. DieAbb.202
zeigt die Form und die Abmessungen des
Stabes, der vom VDEV. vorgeschrieben ist. Er
ist auf 240 mm Länge genau zylindrisch ab-

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3W

Abb. 202.
gedreht und 25 mm stark. Beim Zugversuch
werden erhoben: die Streck- und Bruchgrenze
in kgjmm2, die Dehnung und die Einschnürung
in % der ursprünglichen Länge (200 mm) bzw.
des ursprünglichen Querschnitts. Vorgeschrieben
wird zumeist nur die Zugfestigkeit, während
alle anderen Werte zu Aufklärungszwecken der
Bahnverwaltungen dienen.
Die in Österreich und Deutschland gebräuch-
lichsten Zerreißmaschinen sind: Werder, Nürnberg;
Mohr & Federhaff, Mannheim; Amsler Laffon,
Schaffhausen; Pfaff, Fernan Wien; Schiller, Donau-
werke Wien; Pohlmeyer, Zella; Deutschland, Dort-
mund ; Losenhausen, Düsseldorf; Grafenstaden.
Der Kugeldruckversuch hat die Bestim-
mung, den Zugversuch teilweise zu ersetzen.
Bei Verwendung einer Kugel von 19 mm
Durchmesser wird eine Belastung von 10.000
oder 50.000 kg vorgeschrieben, je nachdem
die Härtezahl oder die Eindrucktiefe zu er-
mitteln ist.
Vorschriften für die Übernahme der
Schienen. Die europäischen Bahnver-
waltungen machen die Übernahmeder Schienen
zumeist abhängig von der Einhaltung bestimmter
Grenzwerte für die mechanischen Eigenschaften
des Schienenstahls, stellen nur selten Forderungen
chemischer Natur, dann auch nur hinsichtlich
weniger Elemente, wie beispielsweise Mangan,
und auch nur innerhalb weiter Grenzen. Neben
mehr oder weniger strengen Schlagversuchen

wird dermalen zumeist eine untere Zug-
festigkeit von 60 — 65 kgjmm2 vorgeschrieben.
Größere Festigkeiten bis zu 80 kgfmmz werden
für Doppelkopfschienen und ausnahmsweise
auch für Breitfußschienen solcher Gleise ver-
langt, die starken Abnutzungen unterworfen
sind. Auf Belastungsversuche wird wenig Wert
gelegt, Kugeldruckversuche werden nur selten
verlangt.
Die von der Verwaltung der österreichischen
Staatsbahnen im Jahre 1914 neu aufgestellten
Lieferungsvorschriften schreiben für Schienen 0-8 bis
1*4% Mangan vor, 65 kglmm2 Mindestzugfestigkeit
und einen Schlagversuch bis zur Erreichung einer
Mindestdurchbiegung. Die Arbeitsleistung A in mkg
für den ersten Schlag wird aus der Formel A = 100 - ^
berechnet. In dieser ist J in cm4 das Trägheits-
moment bezogen auf die Schwerpunktachse, e in cm
der Abstand dieser Achse von der am meisten
beanspruchten Faser des Schienenquerschnitts. Auf
den ersten Schlag, bei Schienen von 44 kg Meter-
gewicht ist A =2930 mkg) folgen weitere Schläge
mit einer Arbeitsleistung von 0’4 X A bis zur Er-
reichung einer Durchbiegung, die, auf 1 m Sehnen-

länge gemessen, nach der Formel — in cm be-
rechnet wird und für Schienen mit 44 kg Meter-
gewicht 8-6 cm beträgt. Zu aufklärenden Zwecken
werden noch vorgeschrieben: Biegeversuche mit all-
mählich ansteigender Belastung, wobei die Streck-
grenze zu ermitteln und der Versuch erst dann ab-
zubrechen ist, wenn die Belastung die bei der
Streckgrenze erreichte um 30% überschritten hat.
Kugeldruckversuche in der schon früher angegebenen
Ausführung. Auf je 100 Stück Schienen entfällt ein
Schlagversuch, auf je 200 ein Zugversuch und auf
je 1600 ein Biege- und ein Kugeldruckversuch. Die
Schienenstücke für den Schlagversuch haben ab-
wechselnd dem Kopf- und Fußende eines Walz-
stücks zu entstammen, für alle anderen Versuche
dem Fußende. Die preußisch-hessischen Staats-
bahnen schreiben vor: 60 kgjmm2 Mindestzug-
festigkeit, eine Schlagarbeit von 1500 mkg mit
Wiederholung bis 100 mm Durchbiegung, einen
Kugeldruckversuch mit 50.000 kg Belastung, 19 mm
Kugeldurchmesser und 3'5 —5’5 mm Eindrucktiefe.
Auf je 200 Stück Schienen entfällt ein Schlagver-
such und abwechselnd ein Zug- oder Kugeldruck-
versuch. Auf die Wahl der Versuchsstücke hinsicht-
lich ihrer Lage im Walzstück wird kein Einfluß
genommen (vgl. Eis. T. d. G. 1914, Bd. V, 1. Teil).
Im Gegensatz zu den europäischen Bahn Ver-
waltungen legen die amerikanischen neben einem
Schlagversuch (3000 - 4000 w&g-) als einzige mechani-
sche Prüfung das Hauptgewicht auf chemische Vor-
schriften. Diese betreffen den Gehalt an Kohlen-
stoff, Mangan, Silizium und Phosphor, sind zumeist
eng begrenzt, schwanken mit der Querschnittsgröße
der Schienen und entsprechen der Zusammensetzung
eines harten Stahls (s. Organ 1913, S. 218).
Bei Aufstellung von Vorschriften für die
Lieferung von Schienen ist die Sicherung
eines ausreichend zähen und auch harten,

d. h. verschleißfesten Stahls anzustreben.

Beide Forderungen müssen in einem richtigen
gegenseitigen Verhältnis stehen, um bei vollster
Sicherheit des Eisenbahnbetriebs auch der Wirt-
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