Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Achter Band): Personentunnel - Schynige Platte-Bahn — Berlin, Wien, 1917

Page: 349
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Schleppbahn. —
nung an diese Betriebsweise die Privatan-
schlußgleise (s. d.) oder die Industriegleise als
Schleppgleise oder Schleppbahnen (s.
Anschlußgleise) und dementsprechend einen
auf diesen Gleisen verkehrenden Zug als
Schleppzug.
Auch über das Gebiet dieser Staaten hinaus
findet die Benennung der auf Anschlußgleisen
verkehrenden oder zum Heranschaffen von
Massengütern nach Sammelbahnhöfen die-
nenden Züge als Schleppzüge Anwendung.
Breusing.
Schlingern der Lokomotiven s. Störende
Lokomotivbewegungen.
Schlußbremse (end brake; frein de queue;
freno di coda). Um bei Zugfahrten auf an-
steigenden Bahnstrecken eine rückläufige Be-
wegung von Wagen, die sich etwa vom Zug
loslösen sollten (s. Zugtrennung), mit Sicher-
heit zu verhindern, ist es erforderlich, daß
der letzte Wagen des Zuges — der Schluß-
wagen (s. d.) — überall da mit einer bedienten
Bremse — der Schlußbremse — ausgerüstet
ist, wo mit einer solchen Gefahr in Rücksicht
auf die Steigungsverhältnisse der Bahnstrecke
gerechnet werden muß. Die hierfür auf den
deutschen Bahnen maßgebenden Grundsätze
sind im § 161 der TV. zusammengestellt und
im Artikel Bremsbrutto, Abschnitt „Ver-
teilung der Bremsen« wiedergegeben. Auch für
Lokalbahnen sind solche Grundsätze in den
Grz. aufgestellt, die im § 98 (3) vorschreiben, daß
eine S. geführt werden soll, wenn das Gefälle
der Bahn von 1:100 sich auf eine Länge von
500 m oder mehr erstreckt. Die hiernach für
die Führung einer S. in Frage kommenden
Bahnstrecken werden auf Grund der Bestim-
mungen im § 55 (10) der BO., die in-
haltlich mit § 161 der TV. übereinstimmen,
den Beamten des Fahrdienstes im Dienstfahr-
plan durch eine sägeförmige Linie in der
Spalte über die Bremsangaben (s. Fahrplan)
oder durch örtliche Dienstvorschriften (Anhang
zum Fahrplanbuch) bekanntgegeben. Da die
Mitführung einer S. die Beaufsichtigung des
Zuges und der Strecke erleichtert, so wird
die S. auch auf Strecken, wo sie nicht von
Aufsichts wegen vorgeschrieben ist, vielfach ge-
führt. Im Gebiet der preußischen Staats-
bahnen ist angeordnet, daß über die bezeich-
neten Vorschriften hinaus eine S. zu führen
ist, wenn hierdurch die Zugbildung nicht er-
schwert, die Zugstärke nicht vermehrt und
Verspätungen nicht hervorgerufen werden.
Dagegen ist es anderseits zur Erleichterung
der Zugbildung gestattet, von der Einstellung
einer S. abzusehen bei einem im Gefälle

Schlußbremse.
fahrenden, nicht der Personenbeförderung die-
nenden Zuge von höchstens 3 Wagen. Bei
Verwendung von Schiebelokomotiven (s. d.) gilt
die mit dem Zuge gekuppelte Schiebeloko-
motive als S. Hat die Strecke keine stärkere Stei-
gung als 1 : 100, so darf bei Zügen auf Haupt-
bahnen mit nicht mehr als 60 km Geschwin-
digkeit und auf Nebenbahnen mit nicht mehr
als 40 km Geschwindigkeit ein nicht zur
Personenbeförderung benutzter Wagen jeder
Art ohne Bremse hinter die S. eingestellt
werden. Nach § 55 (10) der BO. gilt diese Vor-
schrift allgemein für Güterzüge und auf Neben-
bahnen für Züge mit nicht mehr als 40 km/Std.,
denen stets noch ein leerer, beschädigter, aber
lauffähiger Wagen angehängt werden darf,
wenn dieser inmitten des Zuges nicht ein-
gestellt werden kann (FV. § 88).
Da die Bedienung der S. sowie die Beob-
achtung der Bahnstrecke und des fahrenden
Zuges von der S. aus besondere Aufmerk-
samkeit erfordert, so wird hierfür ein be-
sonders erfahrener und zuverlässiger Mann
aus dem Zugbegleitpersonal (s. d.) ausgewählt.
Die deutschen FV. enthalten für den Schluß-
schaffner und die österreichischen Verkehrs-
vorschriften für den Schlußkondukteur ein-
gehende Verhaltungsmaßregeln für den Dienst
während der Fahrt, während des Aufenthalts
auf den Stationen und während des außer-
fahrpianmäßigen Haltens auf der freien Strecke
(s. Zugdeckung).
In Österreich ist nach Art. 48 der Ver-
kehrsvorschriften vorgeschrieben, daß der letzte
Wagen eines jeden Zuges mit einer Hand-
bremse versehen und mit einem Zugbegleiter
besetzt sein muß. Dieser Wagen muß die
nötigen Vorrichtungen zum Anbringen der
vorgeschriebenen Signalmittel tragen — Signal-
wagen — und soll, wenn irgend tunlich, mit
der Bremsplattform oder der Bremshütte nach
hinten gekehrt sein. Nur ausnahmsweise ist
die Beförderung eines Wagens ohne Bremse
hinter dem Signalwagen gestattet. Auf den
Lokalbahnen können bei Steigungen bis
1:100 stets 4 Wagen, sonst 2 Wagen ohne
Bremse am Schluß des Zuges laufen.
In der Schweiz muß auf Steigungen von
12-20 °/oo einer der 3 letzten Wagen und auf
größeren Steigungen der letzte Wagen im Zug
mit einer bedienten Bremse versehen sein. Ist
auf Steigungen von \2-20%o einer der 3
letzten Wagen ein besetzter Personenwagen,
so muß dieser eine besetzte Bremse haben
oder es muß ihm ein Wagen mit bedienter
Bremse nachfolgen.
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