Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Achter Band): Personentunnel - Schynige Platte-Bahn — Berlin, Wien, 1917

Page: 352
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Schmalspurbahnen.

sitzen Japan, Sumatra und Java schmalspurige
Eisenbahnnetze. In Afrika hatte Algerien schon
1903 über 1100 km schmalspurige Bahnen
neben 1900 km vollspuriger Bahnen. Hier wur-
den alle neueren Bahnen, so die Beirabahn,
die Kongobahn, die Bahnen von Tanga nach
Muhasa, von Swakopmund nach Windhoek, von
Dar es Salam nach Morogoro und die Togo-
eisenbahn, mit schmaler Spur hergestellt. In
Australien waren die Voll- und Breitspur
lange alleinherrschend; später ging man aber
doch, durch die großen Geländeschwierigkeiten
bedrängt, zur Schmalspur über, die in Queens-
land, Westaustralien, Tasmanien und Neusee-
land, z. T. auch in Südaustralien vorwiegt.

Übersicht der Länge der S. in außereuropäi-
schen Staaten.

Land
Länge
km
Zu Ende
des
Jahres
Eisenbahnen deutscher Schutz-
gebiete .
3.642
1910
Formosa.
286
1914
Chan-Si-Eisenbahn in China .
243
1909
Algerien und Tunis.
2.460
1910
Südafrikanische Union ....
11.700

Ägypten.
1.248
1912
Kolumbien.
1.061
1914
Französische Kolonien ....
4.503
1910
Britisch-Ostindien.
25.459
1911
Australien, außer Viktoria und
Neusüdwales.
16.839
1911
Chile .
2.404
1911
Brasilien.
19.000
1911
Asiatische Türkei.
1.925
1913

2. Verschiedenheiten der Spur. Von
der Freiheit, die bei der Wahl der Spur be-
steht, sobald nur einmal die Vollspur außer
Betracht bleibt, ist bisher ausgedehnter Gebrauch
gemacht worden. Die Spur der S. schwankt
von 0-50 m an bis dicht an die Grenze der
Vollspur. In dem Maße, als sich die Wahl der
Spur über den Einfluß des Zufalls und rein
persönlicher Anschauungen erhob und tech-
nisch-wirtschaftliche Erwägungen sowie Erfah-
rungen maßgebend wurden, reifte auch die
Erkenntnis, daß Unterschiede von einigen Zen-
timetern in der Spur belanglos erscheinen und
mit wenigen Spurmaßen das Auslangen zu
finden ist. In diesem Sinne sind jetzt 1 m,
075 m und 0‘60 m die gebräuchlichsten Spur-
weiten.
Die Spur von 1 m (Meterspur) hat in Belgien,
Frankreich (Kolonien), Griechenland, Preußen, in der
Schweiz und Ungarn Anwendung gefunden. Die
Usambara- und Ugandabahn, die ostafrikanischen
Bahnen sowie Bahnen in Ostindien und Südamerika,
namentlich Brasilien haben gleichfalls die Meterspur.
Der Meterspur nahe verwandt sind die sog. Kapspur,
d. i. die Spurweite 1 067 m (= 372' englisch), die in
den Niederlanden, in Norwegen, Japan, Java, Amerika,

Afrika und Australien zur Ausführung kommt, und
die Spurweite 0*95 m, mit der in Italien viele Bahnen
gebaut wurden. In den Vereinigten Staaten finden
sich hauptsächlich die Spurweiten 1 *068 /zz und 0 915 m.
Die Spur von E05 rn hat die Hedschasbahn.
Die Spur von 0’75 m (75 c//z-Spur) findet sich in
Sachsen, wo sie als amtliches Spurmaß aufgestellt
ist, in Preußen, Württemberg. In Österreich ist
nur die Spur von 076 cm gestattet, seitdem die bos-
nischen Bahnen mit diesem Spurmaß erbaut worden
sind. Serbien hat auch diese Spur gewählt; sie findet
sich in Ungarn, Norwegen, Ägypten, bei der Kongo-
bahn, in Mexiko u. s. w. Ähnliche Spuren sind
0*80 m (in der Schweiz viel angewendet), 0725 m
(Saarbrückener S.), 0785 m (Bröhltalbahn).
Mit der Spur von 0-60 m (Decauvillespur) wurden
früher nur Feld-, Wald- und Arbeitsbahnen erbaut.
Decauville zeigte auf der Weltausstellung in Paris
(1889) die Verwendbarkeit dieser Spur für Kleinbahnen
mit Lokomotivbetrieb und Personenverkehr. Seit
dieser Zeit gewinnt sie an Verbreitung auch in Deutsch-
land, namentlich in Preußen (Landkreisbahnen in
Bromberg, Znin u. s. w.). Mit dieser Spur sind u. a.
die Bahnen in Deutsch-Südwestafrika (s. d.), die Dar-
jeelingbahn (Himalayabahn, s. d.) und Bahnen in
Australien erbaut.
Bahnen mit kleineren Spuren als 0-60 m kommen
— außer bei Arbeitsbahnen — nur selten vor. Vgl.
über Spurweite der S.: Robert Sieger, Wegbahn und
Spur, Wien 1916.
Die Anwendung einer einheitlichen Schmalspur
innerhalb zusammengehöriger größerer Gebiete
— wie dies z. B. in Sachsen und Österreich der
Fall ist — bietet die Vorteile einfacher, weil ein-
heitlicher Bauweise der Fahrbetriebsmittel und
der gegenseitigen Aushilfe mit solchen auf den
verschiedenen Bahnen, ist also namentlich vom
militärischen Standpunkt aus empfehlenswert;
anderseits wird hierdurch die volle Ausnutzung
der wirtschaftlichen Eigenart der Schmalspur,
die das innigste Anschmiegen an das Gelände
und an die bestehenden Verkehrsbedürfnisse er-
möglichen soll, beschränkt. Für kleine Gebiete,
in denen die technischen und wirtschaftlichen
Verhältnisse weniger verschieden sind (z. B.
Königreich Sachsen, Belgien), kann gegen ein
Standmaß der Schmalspur kaum ein Bedenken
obwalten. Welche Spur gewählt werden soll,
hängt wohl von örtlichen Umständen ab und
kann nur fallweise entschieden werden. Zumeist
treten die Meterspur und die 75 r//z-Spur in
Wettbewerb.
3. Linienführung der S.
a) Krümmungshalbmesser. Nach den
theoretischen Untersuchungen Boedeckers QDie
Wirkungen zwischen Rad und Schiene", Han-
nover 1887) bleibt der Krümmungswider-
stand unverändert, wenn in gleichem Verhältnis
mit der Spurweite auch der Radstand, der Rad-
durchmesser, der Spielraum im Gleis und der
Krümmungshalbmesser des Gleises abnehmen.
Wenn nun auch der Raddurchmesser mit der
Verminderung der Spurweite nicht gleichmäßig
verkleinert wird, so kann doch im HinMick
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