Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Achter Band): Personentunnel - Schynige Platte-Bahn — Berlin, Wien, 1917

Page: 367
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Schmieden. - Schmiermaterialien.

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In der Regel ist unter diesen Gesenken auch
eine Abschneide- oder Abscheervorrichtung für
kurze Gegenstände vorhanden.
Schmied pressen wurden zuerst von Has-
well in Wien gebaut und haben den Zweck,
große Schmiedstücke von zusammengesetzter
Form, wie Kurbeln, Kreuzköpfe, Dampfkolben,
Achsbüchsen, Lokomotiv- und Tenderradsterne
u. s. w. mit einem einzigen kräftigen Druck als
fertig geschmiedetes Stück herstellen zu können.
Die Schmiedpressen werden für einen Arbeits-
druck von 75.000 — 2,000.000 kg ausgeführt.
Die von Haswell gebaute Presse besteht aus 2
in derselben Achse lotrecht übereinander liegenden
hydraulischen Zylindern, wovon der untere der eigent-
liche Preßzylinder und der obere der Hebe- oder
Differentialzylinder zum Heben des Preßkolbens nach
erfolgtem Niedergang ist. Diese Zylinder sind in
ein Querstück eingesetzt, das durch 4 starke schmied-
eiserne Säulen mit einem entsprechenden, auf einem
Fundament ruhenden Unterteil verbunden ist.
Letzteres bildet den Amboß oder den Gesenk-
unterteil, während der Preßkolben den Hammer oder
den Gesenkoberteil darstellt. Die Kolben der beiden
Zylinder sind miteinander gekuppelt und arbeiten
daher zusammen.
Das erforderliche Druckwasser wird mittels einer
in der Nähe der Presse befindlichen liegenden
Dampfmaschine beschafft, die 2 zu beiden Seiten
des Dampfzylinders in der Verlängerung der Kolben-
stange symmetrisch angeordnete Pumpen treibt.
Das Ein- und Auslaßventil steht mit je einem kleinen
Dampfzylinder in Verbindung, welch letztere ver-
mittels Muschelschiebern von Hand gesteuert werden
und so den Maschinisten in die Lage versetzen, die
Wirkung der Presse vollkommen in der Gewalt zu
haben, so daß je nachdem das Ein- und Auslaßventil
geöffnet oder geschlossen wird, der Arbeitsdruck von
Null bis zum größten Effekt gesteigert werden kann.
Bei der Schmiedpresse ist es möglich, auf das
stärkste Schmiedstück den größten Druck aus-
zuüben, während beim Dampfhammer die Wir-
kung des Hammerbären wegen des verringerten
Hubs bei starken Schmiedstücken verringert
wird.
Die Anzahl der Hube hängt lediglich von der
Geschwindigkeit ab, mit der die Ventile gesteuert
werden.
Um die infolge der großen hin- und her-
gehenden Massen des Dampfkolbens beim Hub-
wechsel, besonders bei rascher Preßarbeit sehr
bedeutend werdenden Stöße zu vermeiden, hat
Kaselowky in Berlin anstatt der Dampfpumpe
unter Beibehaltung der Ventilsteuerung einen
Akkumulator angewendet, der jedoch nicht
durch Gewichte, sondern durch Dampf belastet
wird.
Eine andere Bauart sind die Dampfschmied-
pressen mit Wasserdruck-Übersetzung der Kal-
ker Werkzeugmaschinenfabrik bei Cöln
a. Rh., die im wesentlichen aus dem sog.
Dampftreibapparat und der eigentlichen Presse
bestehen.

Ersterer setzt sich zusammen aus dem auf kräf-
tigen Fundamentrahmen befestigten lotrechten An-
triebdampfzylinder und einem darüber mittels 4
geschmiedeter Zuganker, 4 gußeiserner Säulen und
Platte befestigten kleinen hydraulischen Zylinder aus
geschmiedetem Stahl, dessen Kolben die Kolben-
stange des darunter befindlichen Dampfzylinders ist.
Die Steuerung erfolgt mittels eines eigenen ent-
lasteten Kolbenschiebers. Nach geschehener Pressung
findet der Rückgang des großen Dampfkolbens selbst-
tätig durch dessen Eigengewicht statt.
Die Presse selbst besteht aus einem kräftigen
Oberteil, der den großen hydraulischen Zylinder aus
Stahlguß trägt, und aus einem Unterteil aus Guß-
eisen. Oberteil und Unterteil sind durch 4 stählerne
Säulen miteinander verbunden. An der Unterseite des
Preßkolbens ist ein an diesen Säulen sicher gleiten-
des Führungsstück zur Aufnahme der Flammerbahn
oder der Gesenkteile angebracht.
Wenn der Dampf in den großen Dampfzylinder
unter dem Kolben eintritt, so bewegt sich dieser auf-
wärts und die Kolbenstange verdrängt das Wasser aus
dem oberen kleinen hydraulischen Zylinder des Treib-
apparats und drückt es in den großen hydraulischen
Zylinder der Presse, wodurch dessen Kolben auf das-
Führungsstück drückt und so die Pressung vollzieht.
Zum Heben des Preßkolbens samt der Preßtraverse
dienen ein oder mehrere kleine, über dem Preßzylinder
befindliche, einfach wirkende Dampfzylinder, deren
Kolbenstangen mit der Traverse verbunden sind.
Diese können je nach Bedarf von der Zentralsteuerung
aus gesteuert werden. Durch Umschaltung der Steue-
rung der Hebezylinder kann man in beliebiger Höhe
mit kurzen Auf- und Abbewegungen arbeiten.
Diese Schmiedpressen haben den großen
Dampfhämmern gegenüber noch den besonderen
Vorteil, daß sie ganz geräuschlos und stoßfrei
arbeiten und nur geringe Fundamentkosten er-
fordern.
Schmiermaterialien, Schmiermittel
(greases, unguents [smears]; enauits, graisses,
oings; materiale d’untara), haben den Zweck, die
unmittelbare Berührung aneinander gleitender
Maschinenteile zu verhindern und den Reibungs-
widerstand auf ein Mindestmaß herabzudrücken.
Der angestrebte Zweck wird möglichst voll-
kommen erreicht, wenn die S. sowohl in physi-
kalischer als auch in chemischer Hinsicht be-
stimmten Anforderungen, die durch die je-
weilige besondere Verwendung bedingt sind,
entsprechen.
Ein gutes S. muß die Eigenschaft haben,
an den zu schmierenden Körpern zu haften
und in ihre Poren einzudringen. Die Adhäsion
des S. an den Körperflächen muß größer
sein als die eigene Kohäsion. Der Flüssigkeits-
zustand (Viskosität) des S. soll derart sein,
daß der eigene Reibungswiderstand möglichst
gering wird, eine gleichförmige Verteilung des
S. in dünnen Schichten erfolgt, jedoch ein
Verdrängen und Ausquetschen durch den
vorhandenen Druck und unter dem Einfluß
der durch die Reibung entstehenden Wärme
nicht stattfindet. Das S. darf bei fortgesetztem
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