Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Achter Band): Personentunnel - Schynige Platte-Bahn — Berlin, Wien, 1917

Page: 373
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Schniiermaterialien. —
flüchtige Öle halber niedriger aus als die im
offenen Tiegel ermittelten.
Im Anschluß an die Bestimmung des Flamm-
punktes kann noch die des Brennpunktes vor-
genommen werden, d.h. es wird die Temperatur-
steigerung so weit fortgesetzt, bis auf Annäherung
der Zündflamme die Oberfläche des Öls un-
unterbrochen brennt.
Diese beiden Untersuchungen, deren Er-
gebnisse als Maßstab für die Feuergefährlichkeit
der Öle angesehen werden können, lassen sich
noch durch die Ermittlung der bei mehr-
stündigem Erhitzen auf bestimmte Temperaturen
verdampfenden Ölmengen ergänzen.
Die Bestimmung der Dichte hat unterge-
ordnetere Bedeutung und dient hauptsächlich
für Vergleichsproben. Meistens gelangen dazu
Aräometer zur Benutzung, seltener wird die
Dichte im Pyknometer ermittelt.
S., deren Verwendung bei niedrigeren Tem-
peraturen in Aussicht genommen ist, müssen
auf Kältebeständigkeit geprüft werden. Entweder
ist festzustellen, bei welcher Temperatur das
Öl aus dem flüssigen in den salbenartigen
Zustand übergeht (einfaches Reagensglasver-
fahren) oder es ist die zahlenmäßige Angabe
des Fließvermögens der Öle in der Kälte zu
erproben. Letztere Untersuchung, die für Wagen-
öle bei den deutschen Bahnen eingeführt ist,
wird mit dem Apparat von Flolde (U-Rohr-
Methode) vorgenommen.
Der Säuregehalt der S. wird durch einfache
Titration der alkoholischen Auszüge der Öle
mit Normallauge ermittelt.
Mechanische Verunreinigungen werden durch
deren Unlöslichkeit in Benzol erkannt, während
harte Asphalte beim Behandeln des Öls mit
Normalbenzin als Rückstand bleiben. In beiden
Fällen können die unlöslichen Bestandteile
durch Filtration abgeschieden und zur Wägung
gebracht werden.
Zylinderöle minderer Beschaffenheit enthalten
öfters kleine Mengen verseifbarer Öle oder
Fette. Der Nachweis derselben, ebenso die
Bestimmung anderweitiger Zusätze (Graphit)
oder Verfälschungen erfordert aber ein gut
eingerichtetes chemisches Laboratorium.
Für die Wahl des S. erscheint es besonders
wertvoll, die praktische Verwendbarkeit oder
die Schmierfähigkeit mit Hilfe von Ölprobier-
maschinen festzustellen. Die zahlreichen Aus-
führungen, die davon bestehen, haben aber
den Erwartungen nicht entsprochen. Sollen ge-
eignete S. für bestimmte Verhältnisse ausgesucht
werden, so ist es nur möglich, Versuche mit
den in der Praxis üblichen Lagern unter
genauer Berücksichtigung von Druck, Ge-
schwindigkeit u. s. w. vorzunehmen und hernach

Schmiervorrichtungen.
die physikalischen und chemischen Eigenschaften
des im mechanischen Sinne am besten geeigneten
S. zu bestimmen.
Literatur: Groß mann, Die Schmiermittel.
Kreidel, Wiesbaden 1909. — Höfer, Das Erdöl
und seine Verwandten. Braitnschweig 1912. — Holde,
Die Untersuchung der Kohlenwasserstofföle und Fette
sowie der ihnen verwandten Stoffe. Springer, Berlin
1913. — Mitteilungen aus dem kgl. Materialprüfungs-
amt. — Petroleum, Zeitschrift für die gesamten
Interessen der Petroleumindustrie und des Petroleum-
handels. — Rupprecht, Die Schmiermittel. Jänecke,
Hannover 1912. Wittig.
Schmiervorrichtungen (labricators; grais-
seurs) der Eisenbahnfahrzeuge haben den
Zweck, die Schmiermaterialien (s. d.) aufzu-
nehmen und zur tunlichsten Verminderung des
Bewegungswiderstands und der Abnutzung der
Bestandteile den Gleitflächen in entsprechender
Menge zuzuführen.
Man unterscheidet zunächst S. für die sog.
kalt gehenden Teile der Fahrzeuge (Achslager,
Zapfenlager, Kreuzkopffiihrung, Steuerungs-
teile u. s. w.) und S. für die unter Dampf
gehenden Teile der Lokomotive (Kolben, Schie-
ber, Stopfbüchsen, Regulator).
Bezüglich der S. für die Achslager der
Lokomotiven, Tender und Wagen s. Art. Achs-
lager.
Die S. für die Lager der Treib- und
Kuppelzapfen bestehen im allgemeinen aus einer
mittels Deckel verschlossenen, meist mit dem Stan-
genkopf aus einem Stück hergestellten Ölkammer,
aus der das Schmiermaterial durch den Schmierkanal
den Zapfen zugeführt wird.
Die Regelung des Ölverbrauchs geschieht ent-
weder durch einen Stift, der, in den Schmierkanal
lose eingesteckt und diesen bis auf einen sehr kleinen
Querschnitt ausfüllend, bei der Kreisbewegung der
Stangen auf- und abspielt, wodurch eine Fortleitung
des Öls erzielt wird, oder mittels Dochts, der in den
mit seiner oberen Mündung bis nahe an die Decke
reichenden Schmierkanal eingeführt ist und das Öl
heberartig absaugt.
Um das Absaugen des Öls beim Stillstand der
Maschine zu unterbrechen, wird der Docht meist
so angeordnet und befestigt, daß er nur wenig über
die obere Mündung des Schmierkanals hervortritt


Abb. 226. Abb. 227.
und sich daselbst büschelartig ausbreitet; durch die
Bewegung der Stangen wird das Öl in der Kammer
gegen die Decke und gegen das Dochtbüschel ge-
schleudert, von letzterem aufgenommen und dem
Zapfen zugeführt. Vielfach wird aber der Docht
auch bis ins Öl getaucht, so daß durch die Saug-
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