Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Achter Band): Personentunnel - Schynige Platte-Bahn — Berlin, Wien, 1917

Page: 374
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Schmiervorrichtungen.

Wirkung der Wolle Öl an die zu schmierende
Stelle gelangt.
Der Deckel der Ölkammer muß verläßlich be-
festigt sein und gut schließen, damit ein Ver-
spritzen des Öls durch die Dichtfugen, selbst bei
der raschesten Bewegung der Stangen, nicht mög-
lich ist; anderseits sollen die Deckel leicht und rrTT V
schnell geöffnet und geschlossen werden können.
Diesen Anforderungen dürften die in den
Abb. 226 u. 227 dargestellten Verschlußarten am
besten entsprechen.
Der gut aufgepaßte und abgedichtete Deckel a
wird entweder durch 4 Schrauben bb (Abb. 226)
oder auch durch eine in der Mitte des Deckels
angebrachte Mutterschraube c ( Abb. 227) fest an-
gezogen. Zur Einfüllung des Öls ist eine kleine
Öffnung d von 10—15 mm Durchmesser ange-
bracht, die entweder mit Gewinde versehen und
durch einen eingeschraubten hölzernen Stöpsel
zu verschließen ist (Abb. 227) oder mit einer
dicht anliegenden und durch eine kräftige Feder
angepreßten Klappe gedeckt wird (Abb. 226).
Abb. 228 a u. b zeigen die jetzt bei den Loko-
motiven der preußisch-hessischen Staatsbahnen
und bei zahlreichen anderen deutschen Eisen-
bahnen normalisierte Bauart der S. für die Stangen-
lager an den Treib- und Kuppelstangen. Die S.
ist oben durch einen gut aufgepaßten Deckel ver-
schlossen, der in der Mitte als Sitz für ein Ventil
ausgestaltet ist, welches Ventil (2) durch eine Feder
nach oben gedrückt wird. Die Ölkammer ist dem-
nach nach außen gut verschlossen, so daß ein Ver-
schleudern des Öls während der Fahrt nicht ein-
tritt. Die Ventilspindel läuft in einer Führung
und ist an einer Stelle flachgefeilt. Durch den so
entstehenden Raum an der Spindel wird durch
das Schleudern bei der Bewegung der Stange
während der Fahrt das Öl dem Lager zugeführt.
Das Lager erhält somit bei Stillstand kein Öl wie
bei Dochtschmierung, arbeitet somit sehr wirt-
schaftlich. Abb. 229a u. b zeigt ebenfalls eine solche
S. für die Treibstange einer großen Schnellzug-
lokomotive. Bei dieser Bauart sind noch 2 einstell-
bare Hohlschrauben zur Besserung der Schmierung
beigegeben. Der Ölverbrauch kann durch Stellen der
Spitzschrauben 35 und Festklemmen mittels der
Gegenmutter 36 geregelt werden.
Gefüllt werden diese S. durch Eingießen des Öls
bei von Hand aus niedergedrückten Ventilen (2).
Die S. für Kreuzkopf bolzen (im vorderen
Kopf der Leitstange) besteht in den meisten Aus-
führungen aus einer außen am oberen Kreuzkopf-
schlitten angebrachten Ölkammer mit Saugdocht,
von der das Öl durch den Kanal k (Abb. 230) in
eine am Stangenkopf ausgebohrte flache Ölmuschel m
und von da zum Bolzen geleitet wird. Die Anbrin-
gung der Ölkammer unmittelbar am Stangenkopf
ist wegen Platzmangel und Unzugänglichkeit nicht
möglich. Da bei dem raschen Wechsel der Be-
wegungsrichtung des Kreuzkopfs, von den aus den
Zuleitungskanälen frei fallenden Öltropfen nicht alle
in die Schmiermuschel des Stangenkopfs gelangen,
sondern z. T. verschleudert werden, hat man neu-
erer Zeit versucht, die Schmierkannner am Bolzen
selbst anzubringen und den Fettstoff durch die in
den Bolzen gebohrten Kanäle kx k2 an die Gleit-
fläche zu führen. Zu diesem Zweck eignet sich am
besten die Verwendung eines Fettstoffs festerer
Beschaffenheit (Vaseline oder sog. Starrschmiere),
der nach Bauart Stauffer mittels Preßkolben
(p in Abb. 230) nach Bedarf zu den Gleitflächen
gedrängt wird.


Abb. 228a u. b.
Die oberen Lineale der Kreuzkopffüh-
rungen erhalten ähnliche S. wie die Stangenlager,
jedoch mit einfacherem Deckelverschluß, u. zw. mit
heberartig wirkendem Saugdocht, der bei längerem
Stillstand der Maschine durch den Heizer aus dem
Ölkanal gezogen wird, um die Schmierung zu unter-
brechen.
Zur Schmierung der unteren Lineale genügt ein
einfaches Schmierloch im unteren Schlitten des
Kreuzkopfs, durch das das Öl unmittelbar auf die
Gleitfläche des Lineals fließt.
Zur besseren Verteilung des Öls sowie auch
zum Abstreifen von Verunreinigungen dient ein am
Schlitten vorn und hinten angeschraubter Filz- oder
Lederstreifen.
Die S. für Exzenterringe sind in ähnlicher
Weise wie jene für die Stangenlager ausgeführt;
die Ölzuführung wird meist mittels heberartig wir-
kender Saugdochte geregelt..
Zur Aufnahme des Öls für die Bolzen-
löcher der Steuerungsbestandteile dienten
früher bloß trichterförmige Vertiefungen des Schmier-
loches, während in neuerer Zeit, besonders bei
Schnellzuglokomotiven, bei den wichtigeren Bolzen
des Steuerungsmechanismus ebenfalls kleine Öl-
kammern mit Saugdocht oder Stauffersche Vasen
für Fette festerer Beschaffenheit angebracht werden.
Von besonderer Wichtigkeit für die Instand-
haltung der Lokomotiven und die Wirtschaft-
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