Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Achter Band): Personentunnel - Schynige Platte-Bahn — Berlin, Wien, 1917

Page: 387
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Schnee- und Lawinenschutzanlagen.

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auch Luftblasen einschließende, einem Eis-
konglomerat vergleichbare Masse bilden, die
als Firn bezeichnet wird.
Die vom Firn bedeckten Flächen heißen Firn-
felder. Bei geringerer Neigung der Abhänge
sammelt sich der Firn, dem Gesetz der
Schwere folgend, in den kesselförmigen An-
fängen der Täler und drängt sich langsam nach
abwärts. Je weiter der Firn nach abwärts rückt,
desto intensiver wirken die Wärmefaktoren auf
ihn ein. Unter der gleichzeitigen Wirkung des
Druckes erfolgt nun ein ununterbrochener Auf-
tauungs- und Wiedergefrierungsprozeß, der
den Firn in Firneis und allmählich in nach ab-
wärts zu immer grobkörnigeres Gletschereis
verwandelt.
Die Kappe der Erde, über der Schnee-
fälle stattfinden, reicht auf der nördlichen Erd-
hälfte vom Pol bis zum Wendekreis, d. i. also
bis zum 23. Breitegrad, auf der südlichen Halb-
kugel vom Pol bis zum 35. Breitegrad. Der
ganze Raum zwischen 22° nördlicher und
35° südlicher Breite ist demnach frei von
Schneefällen.
Die Schneetiefe, d. i. die Mächtigkeit der
Schneedecke, erreicht in den Ebenen und den
Hügelländern Mitteleuropas auch bei sehr starken
Schneefällen selten mehr als 0*5 m.
Im Gebirge sind Schneelagen von 1 — P5 m
durchschnittlicher stärke als selten zu bezeichnen.
Namentlich auf steileren Hängen finden mächti-
gere Anhäufungen wohl meist deshalb nicht
statt, weil die Massen abrutschen, bzw. vom
Wind weggeblasen werden.
Auf windgeschütztem Boden wird die Schnee-
lage zuweilen schon mächtiger und erreicht
daselbst — wie beispielsweise in Stuben am
Arlberg — oft Höhen von 3 m und noch
weit mehr.
Auch in flachen Muiden sammelt sich der
Schnee vielfach reichlicher, u. zw. zuweilen in-
folge der vor Wind und Sonnenbestrahlung
geschützteren Lage, zuweilen auch durch Wind-
anblasungen und Ansammlung der von den
Hängen abrutschenden Schneemassen.
Rücksichtlich der Dichte des Schnees gilt in
Amerika die Regel, daß jeder Fuß Schneehöhe
einer Schmelzwassermenge von einem Zoll Tiefe
entspricht. Hieraus ergibt sich für die Dichte
des Schnees ein mittlerer Wert von etwa y 12
oder 0-085.
Die Dichte des Pulverschnees wurde aber
mit 0'03, jene des Schnees aus angeblasenen
Wächten mit 0*4-OG festgestellt.
Schnee ist ein ebenso bewegliches als veränder-
lichesGebilde. Pulverförmiger Schnee wirddurch
Luftströmungen verweht, seine Ansammlungen

auf Gebirgshängen durch geringfügige Ur-
sachen zum Absturz gebracht.
Abgelagerter Schnee ändert seine Beschaffen-
heit, namentlich Aggregat und Dichte, wie bereits
bei der Bildung des Firnschnees und des
Gletschereises erwähnt, durch die Wirkung von
Druck und Wärme bzw. Frost. Diese Vorgänge
spielen bei der Lawinenbildung eine wichtige
Rolle. Namentlich gibt die Verharschung der
Oberfläche dieser Schneeablagerungen Anlaß
zum Abrutschen der bei neuerlichen Schnee-
fällen sich bildenden Schneedecke (Oberla-
winen).
Von Interesse sind ferner die sich in dem
auf steilen Lehnen angesammelten Schnee be-
merkbar machenden Bewegungen; diese be-
ginnen zunächst mit Setzungen der Schnee-
massen in sich selbst, wobei sich die Dichte
des Schnees wesentlich vergrößert. Dann
macht sich eine ge-
wisse nach abwärts
schiebendeTendenz
in der Schnee-
decke bemerkbar,
dieeinerseitszu brei-
ten Abrissen in der
Decke, anderseits zu
bemerkenswerten
S, Faltenbildungen in
^ derselben führt (s.
Abb. 247).
Hinter vertikalen Hindernissen, Schneefängen,
durch welche etwa dem Abgleiten des Schnees
vorgebeugt werden soll, treten aus den gleichen
Gründen immer Aufstauchungen der Schnee-
decke, gegebenenfalls sogar Überschiebungen
der Schneedecke über die Hindernisse ein. —
Diese Erscheinung ist für Lawinenverbauungen
insoferne von Wichtigkeit, weil hierdurch solche
Hindernisse gegen das Abgleiten von nament-
lich Oberlawinen vielfach schon dann wir-
kungslos werden, wenn die Schneedecke noch
lange nicht die Höhe der durch die Verbauung
geschaffenen Hindernisse erreicht hat.


Abb. 247.

II. Schneeverwehungen und Schnee-
schutzanlagen.
a) Schneeverwehungen entstehen durch
Ablagerungen von durch Wind bewegten
Schneemassen in windstillen Räumen. Ihre
Voraussetzung ist, daß der Wind die ent-
sprechende Stärke besitzt, um den Schnee zu
bewegen, bzw. daß der Schnee von ent-
sprechender Beweglichkeit ist, um durch den
Wind fortgetragen zu werden, und daß end-
lich Räume vorhanden sind, in denen der
Wind seine bewegende Kraft verliert und der
Schnee zur Ablagerung gelangen kann.

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