Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Achter Band): Personentunnel - Schynige Platte-Bahn — Berlin, Wien, 1917

Page: 397
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Schnee- und Lawinenschutzanlagen.

Schneezäunen und die Bepflanzung der Damm-
böschungen durch Buschwerk zur Anwendung
gekommen.
Schneezäune werden am besten in der in
Abb. 276 dargestellten Weise zur Aufstellung
gebracht. Im allgemeinen genügt für solche
Zäune eine Höhe von 1*5 — 2 m. Die Zäune


Abb. 276.
müssen jedoch vollkommen dicht und so hoch
sein, daß Hinterlagerungen in nennenswerter
Größe nicht auftreten können, der Schnee
vielmehr zur Gänze vor den Schneezäunen
zurückgehalten wird.
Besser noch ist es, die Dammböschung mit
dichtem Buschwerk zu bepflanzen. Beim Heran-
wachsen desselben ist jedoch darauf zu achten,
daß die Büsche nicht etwa, wie in Abb. 277
veranschaulicht, höher werden als die Krone


Abb. 277.
des Bahndammes, da sie diesfalls so wie durch-
lässige Hecken zu störenden Hinterlagerungen
Anlaß geben könnten. Das Buschwerk ist viel-
mehr so kurz zu halten, daß der Wind die
Dammkrone bestreichen kann.
Für die in Rede stehenden Anpflanzungen
eignen sich Eichen, Akazien, Birken, Erlen und
Ahorn mit 12 — 14jährigem Umtrieb. Solches
Buschwerk wird ziemlich dicht und bietet den
besonderen Vorteil, daß die zurückgestutzten
Pflanzen wieder ausschlagen, so daß die Damm-
böschungen nachher nicht neuerlich bepflanzt
zu werden brauchen.
Bei Verwendung von Fichten kann vollständige
Dichtheit auch bei geringerer Breite der An-
pflanzungen erzielt werden. Diesfalls empfiehlt
es sich, die Anpflanzungen in 2 Reihen anzu-
ordnen, die im Alter um die Hälfte der Um-
triebszeit differieren.
Eisenbahnlinien, die durch Schneever-
wehungen gefährdet sind, werden auch durch
sorgfältigst und vollkommen sachgemäß her-
gestellte Schneeschutzanlagen nicht in dem
Maße gesichert werden können, daß im Winter
bzw. bei eintretendem Schneetreiben für die
möglichst uneingeschränkte Aufrechterhaltung
des Bahnbetriebs nicht doch noch eine Reihe
von Vorkehrungen zu treffen wäre.

Wo der Schutz der Bahn durch bewegliche
Zäune bewirkt werden soll, erfordert schon
die rechtzeitige Aufstellung das Eingreifen
des Bahnerhaltungs- bzw. des Bahnaufsichts-
dienstes. Aber auch in Fällen, in welchen Schnee-
schutzanlagen in Form von stabilen Her-
stellungen vorhanden sind, wird ein solches
Eingreifen des Aufsichtsdienstes namentlich
dann unvermeidlich sein, wenn sich die Schutz-
anlagen als nicht ganz zureichend erweisen.
Diesfalls wird durch Aufstellung beweglicher
Zäune nachzuhelfen, allenfalls das Bahngleis
durch Schneepflugfahrten oder Handarbeit frei-
zuhalten sein.
Für alle diese Fälle muß naturgemäß recht-
zeitig Vorsorge getroffen werden und demgemäß
die Bereitstellung des erforderlichen Materials
und Inventars sowie auch der notwendigen
Arbeitskräfte zeitgemäß ins Auge gefaßt werden.
III. Schneeverschüttungen und
Anlagen zum Schutz gegen dieselben
(Lawinen sch u tzb au ten).
a) Schneeverschüttungen sind Gefahren,
die lediglich bei Bahnen auftreten, die durch
Lawinengebiete führen.
Unter Lawinen werden vornehmlich im
Flochgebirge von den steilen Hängen abstür-
zende Schnee- und Eismassen verstanden.
In der Lawinentechnik und der einschlägigen
Literatur werden im allgemeinen Staublawinen,
Grund- und Oberlawinen und Gletscherlawinen
unterschieden.
Staublawinen entstehen bei kaltem Wetter,
meist schon während des Schneefalls, wenn
pulveriger Schnee auf kahlen, steilen Berghängen
abgleitet. Sie werden weniger durch ihre Masse,
die sich im Sturz meist in eine stäubende
Schneewolke auflöst, als durch den oft orkan-
förmigen Luftstrom gefährlich, den sie vor
sich hertreiben.
Grund- und Oberlawinen sind die meist
bei Tauwetter eintretenden Abstürze kohärenter,
oft schon in Firnschnee übergegangener Schnee-
massen. Sie unterscheiden sich dadurch von-
einander, daß bei Grundlawinen die Abrut-
schung des Schnees auf dem Boden des Berg-
hanges erfolgt, während bei den Oberlawinen
jüngere Schneemassen auf darunterbefindlichen
älteren und bereits verharschten Schneelagen
zum Absetzen gelangen.
Grund- und Oberlawinen fördern den Schnee
in zusammenhängenden, im Sturz sich ver-
dichtenden Massen zu Tal und sind die Form
der Lawinen, die rücksichtlich der hier in Rede
stehenden Schneeverschüttungen in erster Linie
in Betracht kommen.
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