Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Achter Band): Personentunnel - Schynige Platte-Bahn — Berlin, Wien, 1917

Page: 407
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Schnee- und Lawinenschutzanlagen. - Schneepflüge.

Lehnentunnelierungen oft billiger zu stehen
kommen und hätten überdies noch den Vorteil,
daß die Sicherheit, die sie bieten, eine weitaus
größere ist.
Mit Ausnahme der massiven Galerien er-
fordern alle zum Schutz von Eisenbahnlinien
im lawinengefährlichen Gebiet auszuführenden
Anlagen, wenn deren Wirksamkeit nicht bald
in Frage gestellt werden soll, einen ziemlich
umfangreichen Erhaltungs- und Aufsichtsdienst.
Vor allem sind die aus Holz hergestellten
Schutzbauten einer sehr rasch vor sich gehenden
Verrottung ausgesetzt und haben vielfach auch
unter der Wirkung des Steinschlags stark zu
leiden. Sie erfordern also beständige Erhaltungs-
und Erneuerungsarbeiten. Auch muß zu ihrem
Schutz der Steinschlagverbauung der Lehnen-
abräumung besonderes Augenmerk zugewendet
werden.
In besonders schneereichen Wintern versagen
häufig die Schneefänge und Leitwerke und
müssen aus diesem Anlaß zum Schutz der Bahn
oft besondere Vorkehrungen getroffen werden.
Auf der Arlbergbahn wird diesfalls vielfach
durch Herstellung hoher Mauern aus Schnee
nachgeholfen. Diese Mauern aus Schnee werden
auf die Trockenmauern aufgestellt, u. zw. in
Stärken bis zu 4 m und allmählich bis zu Höhen
von 8 — 10 //z und darüber weiter gebaut. Auch
Leitwerke werden oft im Bedarfsfall auf diese
Weise gebildet.
Im allgemeinen wird es bei Eisenbahnen,
die durch Lawinengebiete führen, unerläßlich
sein, für die Durchführung der vorerwähnten
Erhaltungsarbeiten und der aus besonderen
Anlässen etwa notwendigen Vorkehrungen einen
besonderen Dienstzweig zu schaffen, dessen
Tätigkeit sich aber nicht so, wie bei durch
Schneeverwehungen bedrohten Bahnen, ledig-
lich auf die Wintermonate zu beschränken hätte,
sondern auch in der übrigen Zeit des Jahres
dringend notwendig ist.
Für die diesem Lehnendienst obliegenden
Arbeiten wird naturgemäß das bodenständige
Personal die größte Befähigung und das weitest-
gehende Verständnis besitzen und wird es Sache
der Dienstorganisation sein, tunlichst solches
Personal für diesen Dienst heranzuziehen und
nach Möglichkeit auch jeden Wechsel hintan-
zuhalten, weil nur auf diese Weise der Bahn
jene gewaltigen Vorteile gesichert werden können,
die mit den bei Ausübung dieses oft sehr
schwierigen Lehnendienstes gewonnenen Er-
fahrungen verbunden sind.
Literatur: Vinzenz Pollack, Über Erfahrungen
im Lawinenverbau in Österreich. - E. Schubert,
Schutz der Eisenbahnen gegen Schneeverwehungen
und Lawinen. A. Bierbaumer.

Schneepflüge (snow-ploughs, charrues ä
neige), bauliche oder mechanische Einrich-
tungen zur Säuberung der Eisenbahn von
dem auf ihr lagernden Schnee. Die Benutzung
der S. ist überall da angezeigt, wo bauliche
Anlagen, die das Heranwehen des Schnees und
dessen Ablagerung auf der Bahn verhindern,
überhaupt nicht oder nicht in ausreichender
Weise vorhanden sind, oder wenn die Bahn
durch den ruhig fallenden Schnee so hoch
überschüttet wird, daß der Betrieb nicht mehr
ordnungsmäßig aufrecht erhalten werden kann.
Während noch auf der Versammlung der Tech-
niker des VDEV. in Dresden im Jahre 1865 die
Vertreter der norddeutschen Eisenbahnen sich be-
züglich der S. mehr ablehnend verhielten, da
sie diesen keinen besonderen Wert und Nutzen
beilegten, und nur die Eisenbahnverwaltungen,
deren Linien mehr die schneereicheren Mittel-
und Hochgebirge durchzogen, insbesondere die
österreichischen und ungarischen Bahnen,
diese Hilfsmittel regelmäßig und mit Erfolg an-
wendeten, so hat sich doch nach größeren Schnee-
fällen und den dadurch hervorgerufenen bedeu-
tenden Stockungen auch bei den norddeutschen
Eisenbahnverwaltungen die Ansicht Bahn gebrochen,
daß der S. unter Umständen auch für ihre Bahn-
strecken empfehlenswert ist und mit diesem nicht
nur bei Gleisverwehungen, sondern auch bei ruhigem
Schneefall, sobald der Schnee eine größere Höhe
erreicht, der Betrieb besser und billiger aufrecht
erhalten werden kann, als bei dem Verfahren durch
Ausschaufeln mit der Hand. Hierzu traten die aus
anderen Ländern, vor allem Norwegen und Nord-
amerika, berichteten Erfolge über die dort mit eigen-
artigen Pflügen erzielten günstigen Ergebnisse, die
vielfach aufmunternd wirkten und eine ganze Anzahl
neuer S. entstehen ließen.
Die S. lassen sich wie folgt einteilen:
1. Schlepppflüge auf Rädern.
2. S., die vorn an den Lokomotiven fest
angebracht sind.
3. S. auf besonderen Wagen, u. zw.
a) Pflüge mit Keilwirkung;
b) Dampfschneeschaufeln, Kreiselpflüge.
1.Schlepppflüge auf Rädern. Der hierher
gehörige, vom Ingenieur Marin erbaute, „Schnee-
räumer für Bahnzwecke" benannte Pflug soll
weniger den durch Schneetreiben und außer-
gewöhnliche Schneefälle niedergegangenen
Schnee, als jene Mengen beseitigen, die nach
dem Befahren der Strecke mit größeren Pflügen
noch auf oder neben den Gleisen liegen
bleiben.
Dieser Schneeräumer ist so eingerichtet, daß
man mit ihm nicht nur das Gleis selbst,
sondern nach Bedarf auch die Bahnkrone in
der vollen Breite von 5'50 m vom Schnee
säubern, dabei jedoch allen zu nahe liegenden
Gegenständen ausweichen, nötigenfalls auch
nur innerhalb der Umgrenzungslinie des
lichten Raumes arbeiten kann. Wie nach der
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