Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Achter Band): Personentunnel - Schynige Platte-Bahn — Berlin, Wien, 1917

Page: 421
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Schüttwagen. -
Schüttwagen s. Getreidebeförderung und
Güterwagen.
Schuppen, Gebäude in meist einfacher
Bauart und in der Regel eingeschossig, zur
Unterbringung von Fahrzeugen, Geräten,
Gütern, Materialien u. s. w., werden im Eisen-
bahnwesen zu zahlreichen Zwecken ange-
wendet.
Insbesondere kommen in Frage a) Güterschuppen
(s. d.) mit ihren Abarten Eilgutschuppen, Feuerzeug-
schuppen, Umladeschuppen (s. bes. Art.), Zollschuppen
(s. bes. Art.) und Kaischuppen (s. Hafenbahnhöfe),
die, in der Regel eingeschossig im Gegensatz zu
den mehrgeschossigen Lagerhäusern (s. d.) oder
Speichern, ebenso wie die Güterschuppen nur zur
vorübergehenden Unterbringung von Gütern dienen;
b) Lokomotivschuppen (s. d.) nebst Zubehör an
Schuppen für Preßkohlen, Anheizmaterial u. s. w.;
c) Wagenschuppen (s. d.), entweder nur zur Unter-
bringung oder auch zur Instandsetzung (Reinigung)
der Wagen oder ganzer Züge, auch als Bestand-
teile von kleineren Werkstätten (s. d.) zur Wagen-
ausbesserung; d) Materialschuppen (s. Materialma-
gazine). Caaer.
Schuppengleis nennt man ein Eisenbahn-
gleis, das als Ladegleis an oder in einen Güter-
schuppen oder Umladeschuppen geführt ist.
Schutzblockstrecke, eine Blockstrecke, an
deren Ende und Anfang das Blocksignal
in der Haltlage gesperrt ist, wenn sich in der
vorliegenden Strecke ein Zug befindet oder
wenn sich einem in ihr liegenden Gefahrpunkt
auf einem andern Gleis ein Zug nähert.
Solche S. sind vielfach üblich bei der selbst-
tätigen Streckenblockung (s. Blockeinrichtungen,
Bd. II, S. 387). Auch bei Abzweigungen auf
freier Strecke und bei besonders gefährdeten
Einmündungen in Bahnhöfe sind solche S. zum
Schutz der Züge gegen Flankenfahrten beim
Überfahren eines Haltsignals mehrfach ver-
wendet worden. Hoogen.
Schutzgleis s. Schutzweiche.
Schutzgraben s. Sicherheitsstreifen.
Schutzschienen s. Zwangschienen.
Schutzstreifen s. Sicherheitsstreifen.
Schutzwagen, Sicherheitswagen (baffer \
car or wagon; wagon [de] securiie, wagon
tarnpon; vagone di sicarezza), Eisenbahnwagen,
die bei Personenzügen zwischen Lokomotive
und die zur Personenbeförderung bestimmten
Wagen oder zwischen letztere und Güterwagen
mit Ladung besonderer Art (Explosivstoffe,
Langholz u. s. w.) aus Sicherheitsrücksichten
eingeschaltet werden.
Die Einstellung von S. beruht in den meisten
Ländern auf behördlichen Vorschriften.
Für die deutschen Eisenbahnen ist im
§ 57 der BO. vorgeschrieben, daß bei jedem zur
Beförderung von Personen bestimmten Zug,
dessen Fahrgeschwindigkeit 50 kmjStd. über-
steigt, der erste Wagen als S. zu dienen hat

Schutzwagen. ^1
und als solcher nicht mit Reisenden besetzt
werden darf. Ausnahmen sind zugelassen für
dienstliche Sonderzüge, ferner für Züge mit höch-
stens 60 km Geschwindigkeit mit durchgehender
Bremse auf 2gleisigen Bahnen, auf denen alle
Züge mit derselben Geschwindigkeit einander
folgen, und für alle Züge und Strecken bei
Zügen unter 50 km Geschwindigkeit. In diesen
Fällen genügt die Freihaltung der vordersten Ab-
teilung des ersten Wagens von Reisenden. Auf
den deutschen Nebenbahnen wird auch dies
nur bei Zügen mit mehr als 40 km Geschwin-
digkeit verlangt. Ein S. ist hier überhaupt
nicht vorgeschrieben.
Nach Art. 47 (2) der österreichischen
Vorschriften für den Verkehrsdienst muß bei
Zügen, die zur Beförderung von Reisenden
bestimmt sind und mit einer Höchstgeschwin-
digkeit von mehr als 50 kmj Std. verkehren,
zwischen der Lokomotive und dem ersten Per-
sonenwagen wenigstens ein Wagen ohne Rei-
sende sich befinden.
In der Schweiz müssen nach Art. 19 des
Fahrdienstreglements vom 1. November 1895 die
Personenwagen wenigstens durch einen Wagen
ohne Reisende von der Lokomotive getrennt
sein.
Beachtenswert sind die für Dänemark
geltenden Vorschriften. Dort hat § 32 des
Bahnpolizeireglements am 23. Juli 1909 fol-
gende Fassung erhalten: In jedem zur Per-
sonenbeförderung bestimmten Zug mit einer
Geschwindigkeit von mehr als 70 km ist der
vorderste Wagen, sofern er ein 2achsiger
ist, von Reisenden freizuhalten. Ist der
Wagen ein Drehgestellwagen, so sind nur
die beiden vordersten Abteile unbesetzt zu
halten. Die Plattform ist hierbei als Abteil
anzusehen. Bei allen Zügen von mehr als
45 km und weniger als 70 km Geschwindig-
keit ist nur das erste Abteil von Reisenden
freizuhalten.
In Frankreich war im Art. 20 der Ordon-
nance vom 15. November 1846 vorgeschrieben,
daß zwischen dem Tender und dem ersten
Personenwagen so viel von Reisenden unbesetzte
Wagen sich befinden sollten, als Lokomotiven
dem Zug beigegeben sind. Die neueren Vor-
schriften verlangen die Führung eines S. hinter
der Lokomotive. Ein zweiter S. läuft am
Schluß der Personenzüge, um Schutz gegen
das Auffahren eines nachfolgenden Zuges zu
gewähren.
In Rußland ist durch § 82 g der Vor-
schriften für den technischen Betrieb der dem
öffentlichen Verkehr dienenden Eisenbahnen
vom 15. Mai 1898 bestimmt, daß in Zü<ien,
die Personen befördern, wenn die Geschwin-
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