Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Achter Band): Personentunnel - Schynige Platte-Bahn — Berlin, Wien, 1917

Page: 464
Citation link: 
http://tudigit.ulb.tu-darmstadt.de/show/48-A-1089-08/0481
License: Creative Commons - No rights reserved (CC0)
0.5
1 cm
facsimile
464

Schwellenstopfmaschinen. — Schynige Platte-Bahn.

Stopfwerkzeug, das durch ein Kabel mit einem auf der
Leitung reitenden Doppelstromabnehmer verbunden
ist, enthält eine Triebmaschine, die auf eine eingängige
Schraube wirkt, die bei jeder Umdrehung eine Feder
spannt und plötzlich losläßt. Diese bewegt eine auf
den in seinem unteren Ende als Platte ausgebildeten
Stopfer schlagende Hammerstange, die 500 Schläge in
der Minute ausführt. Je 2 der 8 Stopfwerkzeuge sind
mit Drehzapfen an einem kleinen Wagen befestigt.
Zur Verständigung der Baustelle mit den benachbarten
Verkehrsdienststellen dient ein an die Zugmeldeleitung
anschaltbarer Fernsprecher (vgl. auch Ztg. d. VDEV.
1908, S. 141 u. Organ 1914, S. 452).
Aus jüngster Zeit stammt die S. von Hampke
(Organ 1915, S. 389). Ein kleiner Wagen enthält
die einen Gleichstromerzeuger von 220 Volt Span-
nung antreibende Kraftmaschine für Benzol von
4 PS., einen Kühlwasser- und einen Brennstoff-
behälter. Von der Stromquelle führt ein Kabel zu
einem Verteiler, an den die einzelnen, auf einem
Schlitten außerhalb des Gleises ruhenden und durch
eine biegsame Welle mit dem Stopfwerkzeug ver-
bundenen Triebmaschinen angeschaltet sind. Das
Stopfwerkzeug besitzt eine Handhabe, an der ein
Gehäuse befestigt ist; in diesem dreht ein durch vorer-
wähnte biegsame Welle angetriebenes Kegelrad eine
mit einem Schlagzylinder gekuppelte Kurbelwelle.
In dem Zylinder gleitet ein Kolben, der erst dann
an der Rückbewegung teilnimmt, wenn die Luft im
Zylinder so weit verdünnt ist, daß eine Ansaugung
entstehen kann. Wenn die Kurbel in die Richtung
nach vorwärts übergeht, verharrt der Kolben in-
folge der Trägheit weiterhin in der angenommenen
Rückbewegung, u. zw. so lange, bis er durch die im
Zylinder entstehende Luftverdichtung voreilt, wobei
er auf den Werkzeugschaft trifft, der hierdurch
nach vorne getrieben wird. Das Stopfgeräte erzeugt
1200 Schläge in der Minute und kann wegen seines
geringen Gewichts (24 kg) vom Bedienungsmann
leicht aus dem Gleis gehoben werden. Neuerlich
erfolgt die Arbeitsübertragung nicht mehr durch die
sich drehende biegsame Stelle, sondern durch Preß-
luft. Die abwechselnd erzeugten Luftverdichtungen
und -Verdünnungen werden durch eine Rohrleitung
unmittelbar auf den Schlagkolben übertragen.
Über den wirtschaftlichen Erfolg der Ein-
führung der geschilderten oder ähnlicher S.
kann ein abschließendes Urteil noch nicht
gefällt werden. Immerhin steht fest, daß die
Arbeit mit S. rascher von statten geht als jene
von Fland aus und daß der Bettungsstoff be-
deutend mehr geschont wird, ohne daß die
Güte der Arbeit leidet. Feyl.
Schwellentränkung s.Tränkungsverfahren.
Schwerkraftbahnen s. Bremsberg u. Seil-
bahnen.
Schwieger Heinrich, Dr.-Ing. h. c., Ge-
heimer Baurat, geb. 1846, gest. 1911 in Wies-
baden. S. war ein hervorragender Verkehrs-
techniker und Fachmann im elektrischen Eisen-
bahnwesen, war nach Beendigung der Studien

im Staatsdienst bei Eisenbahnbauten in Breslau
und anderwärts sowie bei dem Bau der Ber-
liner Stadt- und Ringbahn beschäftigt, wo er
als Leiter der Konstruktionsabteilung an der
Seite Dircksens tätig war. Mit diesem ging
er 1883 nach Köln a. Rh. zu den großen Bahn-
hofsumbauten. 1885 trat S. in die Dienste von
Siemens & Halske und war bei dieser Firma
und den später gegründeten Siemens-Schuckert-
Werken Vorstand der Bahnabteilungen. Zahl-
reiche Entwürfe und Bauten elektrischer Straßen-
bahnen in Deutschland, Österreich-Ungarn und
anderen Ländern rühren von ihm her. Ein-
gehend beschäftigte sich S. mit dem Bau elek-
trischer Stadtschnellbahnen und der Einführung
des elektrischen Betriebs auf Vollbahnen. Unter
seiner Leitung entstand die Budapester Unter-
grundbahn, bei der zum ersten Male das System
der Unterpflasterbahnen zur Anwendung ge-
langte. S. war ferner beim Bau der Berliner
elektrischen Hoch- und Untergrundbahn sowie
an den Entwürfen und an der Baudurchführung
der Hamburger Hochbahn hervorragend be-
teiligt. Unter seiner Leitung wurde die Barmer
Bergbahn, die erste elektrische Zahnradbahn, er-
baut. S. war ferner an den bekannten Schnellbahn-
versuchen in der Nähe von Berlin beteiligt.
Literatur: Ztschr. d. Österr. Ing.-V. 1911, S. 651.
Scheicht.
Schwindgruben, Sickergruben, Schächte,
dienen zur Entwässerung (s. d.) von Material-
graben, Stationsplätzen, Bahnhofshochbauten
u. s. w. Das Tagwasser wird in offenen Ge-
rinnen, Kanälen oder Sickerschlitzen den S.
zugeführt und versickert in deren wasserdurch-
lässigem Untergrund. S. werden gewöhnlich
als Trockenmauerwerk ausgeführt und innen
mit grobem Schotter gefüllt.
Schynige Platte-Bahn, 1893 eröffnete,
1895 ins Eigentum der Berner Überlandbahnen
übergegangene Zahnbahn mit Dampfbetrieb
von Wilderswil-Gsteig (587 tn) auf den Berg-
gipfel Schynige Platte" (1970 tn). Betriebs-
länge 7*3 km, Spurweite 0*8 tn.
Die größte Steigung beträgt 25 %, die Durch-
schnittssteigung 19%, der kleinste Bogen-
halbmesser 60 m.
Die Baukosten belaufen sich auf 3’07 Milk Fr.,
das ursprüngliche Anlagekapital beträgt
2’98 Milk Fr. Der Verkauf an die Berner
Oberland-Bahnen erfolgte um den Betrag von
P7 Milk Fr. (s. Bergbahnen).

I






:




Druck von Christoph Reisser’s Söhne, Wien V.
loading ...

DWork by UB Heidelberg
Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt   |    Imprint   |    Datenschutzerklärung   |    OAI   |    RSS   |    Twitter   |    seo-list