Röhrig, Ernst; Heusinger von Waldegg, Edmund [Editor]
Uebernahme und Lieferung von Eisen-Materialien, besonders für Eisenbahn- und Militärzwecke begründet durch die den jetzigen Erfahrungen entsprechenden Fabrikationsmethoden und eine specielle Charakteristik der Eisensorten (Roheisen, Schmiedeeisen und Stahl) — Leipzig, 1877

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I. Abtheilung.
Beschreibung der Eisensorten.

Capitel I.
Charakteristik des Eisens.

Chemisch reines Eisen lässt sich durch keinen hüttenmännischen Process
darstellen, sondern nur in kleinen Quantitäten auf chemischem Wege. Dasselbe
hat deshalb keinerlei praktischen und commerciellen Werth.
Das in der Technik eine so bedeutende Rolle spielende Eisen ist stets eine
Verbindung dieses Metalls mit mehr oder weniger Kohlenstoff, und die Grösse
des letzteren ist es hauptsächlich, welche die verschiedenen, unter dem Namen
Roheisen, Stab eisen und Stahl bekannten Eisensorten constituirt, und einer
jeden Sorte die ihr speciell eigenthümlichen physikalischen Eigenschaften verleiht.
Wir werden später darauf zurückkommen, dass auch andere Elemente auf jene
Eigenschaften des Eisens einen grösseren oder geringeren Einfluss ausüben können.

Das Stabeisen (Schmiedeeisen oder geschmeidiges Eisen ist mit sehr
geringen Mengen Kohlenstoff verbunden. Dasselbe ist verhältnissmässig weich,
geschmeidig und streckbar, schweiss- und schmiedbar, aber nur bei sein- hohen
Temperaturen (2000°) schmelzbar und nicht härtbar.
Man stellt das Stabeisen gewöhnlich aus Roheisen, selten direct aus den
Erzen dar.

Der Stahl, ein kohlenstoffreicheres Eisen, hat die gleichen Eigenschaften
des Stabeisens der Dehnbarkeit, Geschmeidigkeit und Schmiedbarkeit, einzelne
Arten desselben sind auch schweissbar; dagegen unterscheidet er sich von
Schmiedeeisen durch grosse Elasticität und namentlich durch die Eigenschaft,
bei plötzlicher Abkühlung verschiedene Härtegrade anzunehmen; auch ist Stahl
leichter schmelzbar 1850° als Schmiedeeisen.
Der Stahl wird aus Roheisen und auch aus Stabeisen dargestellt.
Das Roheisen ist die kohlenstoffreichste Verbindung, welche direct aus
den Erzen dargestellt wird. Dasselbe ist weder schmiedbar noch schweissbar,
verhältnissmässig hart und spröde, und bei 1400—1600° schmelzbar.
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