Röhrig, Ernst; Heusinger von Waldegg, Edmund [Editor]
Uebernahme und Lieferung von Eisen-Materialien, besonders für Eisenbahn- und Militärzwecke begründet durch die den jetzigen Erfahrungen entsprechenden Fabrikationsmethoden und eine specielle Charakteristik der Eisensorten (Roheisen, Schmiedeeisen und Stahl) — Leipzig, 1877

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Capitel V.

Ein von Mushet aus Taranacki-Titaneisensand hergestellter

Cementstahl

enthielt

Eisen . . . 98,66
Kohlenstoff . 0,87
Titan . . . 0,32
Derselbe soll die Eigenschaft besitzen, nicht zu rosten.

Capitel V.
Physikalische Eigenschaften.
§ 1. Verhalten in höherer Temperatur.
1. Roheisen.
Durch Glühen (Adouciren, Tempern) werden graues und weisses Roheisen
weicher und mürbe. Beim wiederholten Glühen nimmt das Roheisen an Volumen
bleibend zu (etwa der Länge), und scheint der Grad dieser Ausdehnung mit dem
Gehalt an Graphit zuzunehmen, dagegen mit dem an chemisch gebundenem Kohlen-
stoff abzunehmen. Von diesem Verhalten des Gusseisens macht man Anwendung,
um Gegenstände, welche beim Guss etwas zu klein ausfielen, z. 1». Kanonenkugeln
durch wiederholtes Glühen auf das erforderliche Volumen zu bringen.
Das durch Abschrecken grauen Eisens weissgemachte Roheisen wird beim
Tempern weich und eisengrau, und gleicht dem lichten körnigen grauen Roheisen.
Die Schmelztemperatur der grauen Roheisensorten liegt gewöhnlich
zwischen 1600—1700° C. Bevor dieselbe erreicht wird, nimmt das graue Roheisen
ganz kurze Zeit einen für die Schweissbarkeit erforderlichen Zustand an, den man
zuweilen zur Ausbesserung von Fehlstellen in Gusswaaren benutzt, danach aber
wird das Eisen sofort vollkommen flüssig.
Das geschmolzene gaare Eisen ist,# je nach der mehr oder weniger hohen
Temperatur, milch- bis silberweiss und um so dickflüssiger, je gaarer und graphit-
reicher es wird.
Das halbirte Eisen zeigt im Flusse eine silberweisse Farbe und, wenn
es recht hitzig ist, auf der Oberfläche ein Farbenspiel mit mehr oder weniger deut-
lichen, oft bis zum Erstarren kommenden und verschwindenden Figuren, dann
mehr oder weniger grosse Puncte auf der Oberfläche (Probe der Former); es tliesst
sehr dünn, füllt also die Formen gut aus, giebt beim langsamen Erstarren ober-
flächlich ebene, feste, dichte Güsse bei feinkörnigem, mehr oder weniger gleich-
massigem Gefüge und bleibt auch hinreichend weich, um auf mechanischem Wege

weiter bearbeitet zu werden. Das gaare Eisen erstarrt ohne Probe

zu zeigen,

oder nur sein1 schwache Probe, bei langsamer Abkühlung; es erstarrt mit gleich-
massig ebener Oberfläche, scheidet auf derselben Gaarschaum aus. Die dick-
flüssigen, dunkel- bis schwarzgrauen Sorten erstarren meist mit parallele Runzeln
werfender Oberfläche, und die Kanten der Stücke stehen in der Regel höher, als
die Mittelfläche.
Nähert sich das halbirte Eisen dem weissen, so geht die Farbe des flüssigen
Eisens ins Röthliclie über, dasselbe wird matter und dickflüssiger, die Puncte auf der
Oberfläche werden vor dem Erstarren grösser und gehen bei dickgrellem Eisen in
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