Röhrig, Ernst; Heusinger von Waldegg, Edmund [Editor]
Uebernahme und Lieferung von Eisen-Materialien, besonders für Eisenbahn- und Militärzwecke begründet durch die den jetzigen Erfahrungen entsprechenden Fabrikationsmethoden und eine specielle Charakteristik der Eisensorten (Roheisen, Schmiedeeisen und Stahl) — Leipzig, 1877

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Capitel VII.

ihrem specifisehen Gewichte, und man kann das Eisen hier längere Zeit im
flüssigen Zustand erhalten. da es in einem überhitzten Zustande in den Herd
gelangt.

Capitel VII.
Darstellung des Schmiedeeisens.
Im Eingänge dieser Abhandlung ist schon erwähnt, dass die Erzeugung
des Stabeisens aus Roheisen geschieht, mit Ausnahme weniger vereinzelter Fälle,
in denen das Schmiedeeisen direct aus den Eisenerzen dargestellt wird.
Die letztere Darstellungsweise wird, in etwas ausgedehnterer AVeise, nur
noch in einigen Pyrenäenländern angewandt, und eignet sich deshalb eine nähere
Beschreibung derselben nicht für den Umfang und den Zweck der vorliegen-
den Schrift.
Die Erzeugung aus Roheisen nun geschieht vorzugsweise in Puddelöfen,
ausserdem, in beschränkter Ausdehnung und nach sehr verschiedenen Methoden,
in Frischfeuern.
Der Frischfeuerbetrieb ist gegenwärtig noch in Schweden in etwas ausge-
dehnterer Anwendung, und hier zu erwähnen, wegen der bekannten vorzüglich
guten Qualität des schwedischen Stabeisens, dagegen ist dieser Betrieb durch den
zeitgemässeren Puddelprocess in allen anderen Ländern jetzt schon fast gänzlich
verdrängt und wird voraussichtlich in wenigen Jahren ganz beseitigt sein.
Endlich gehören hierher die kohlenstoffarmen Sorten des Bessemermetalls
und auch des Martinmetalls, deren Darstellungsweise bei der Erzeugung von Stahl
näher besprochen werden wird.
Schniiedeeisen-Erzengung mit Hülfe von Puddel- und Ncliweissöfen.
Der Puddelprocess gehört noch immer zu den bedeutendsten Manipulations-
zweigen der Eisenfabrikation, wenngleich er zu einem der grössten Verbrauchs-
artikel — Eisenbahnschienen — nur noch ausnahmsweise das Material liefert,
und auch ausserdem die Anwendung des Stahls den Gebrauch von Schmiedeeisen
in vielen Zweigen der Industrie und zu mannigfachen Gegenständen verdrängt hat
und voraussichtlich in noch ausgedehnterer AVeise verdrängen wird.
Einen Ersatz für jene Verluste wird die Schmiedeeisen-Erzeugung voraus-
sichtlich durch eine vermehrte und wünschenswerthe Einführung des eisernen
Eisenbahnoberbaues erhalten.
Der Puddelprocess bezweckt die Umwandlung des Roheisens in Schmiede-
eisen durch die Oxydation des grössten Theils seines Kohlenstoffes neben gleichzeitiger
möglichst vollständiger Abscheidung der fremden Beimengungen (Schwefel, Phos-
phor, Silicium etc.) ebenfalls durch Oxydation. Letztere bilden dann theils flüch-
tige, theils versehlackbare Producte.

§

Rolieiseiisorten.

Von wesentlichstem Einfluss auf den Puddelprocess sind die dafür verwand-
ten Roheisensorten, und je nachdem dieselben ihren Kohlenstoff mehr oder weni-
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