Brinckmann, Justus
Kunst und Handwerk in Japan (Erster Band) — Berlin, 1889

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VIII

Vorwort.

Dichtung und Wissenschaft innigere Beziehungen des Menschen zur
Natur sich gestaltet hatten, und die kunstgewerbliche Production sich
diesen Einflüssen nur deswegen entzogen hatte, weil sie bei der
üblichen Modewirthschaft rascher ihre Rechnung fand, wenngleich auf
Kosten ihres Kapitals.
Der erfrischende und heilsame Einflufs, welchen die Kunst
Japans auf die technischen und decorativen Künste des Abendlandes
zu üben berufen erscheint, würde aber ausbleiben, wenn wir den kunst-
gewerblichen Raubbau auch auf die japanischen Vorbilder ausdehnten
und Japanisches nur ebenso nachahmten, wie wir uns selber nach-
zuahmen uns gewöhnt haben. Bei Vorwürfen und Formen, welche
einer uns völlig fremden Cultur entsprungen sind, würde deren Ab-
nutzung und Verknöcherung nur um so rascher eintreten und es
schliefslich nur eine abgelegte Mode mehr geben.
Mufs vor der einfältigen Nachahmung hier wie überall eindring-
lich gewarnt werden, so wird andererseits das wahre Verständnifs der
geist- und poesievollen Kundgebungen des japanischen Schönheitssinnes
und Naturgefühles in ihrem tiefinnerlichen Zusammenhang mit der ge-
schichtlichen Entwickelung und dem gesammten geistigen Leben dieses
merkwürdigen Volkes zeigen, dafs eine Nachahmung so fest im natio-
nalen Boden wurzelnder Gebilde auch im besten Falle nur eine rein
äufserliche bleiben müfste, weil an diese Gebilde Vorstellungen sich
knüpfen, die unserem Volke fremd sind. Je mehr jedoch diese Ein-
sicht sich klären wird, desto sicherer wird sie uns des Weiteren einen
neuen Weg eröffnen zu neuem Studium und Erfassen der Natur, zu
neuer Verarbeitung neu gefundener Natur-Motive, zur Wiedereinkehr
in unsere eigenen volksthümlichen und poetischen Ueberlieferungen.
Nicht in exotische Fernen wird das Studium Japans unsere Schritte
lenken, sondern zu einem frischen und fröhlichen Erfassen eigenen Be-
sitzes, den wir nur verkannt und verzettelt hatten, zu einem Wieder-
einpflanzen des kränkelnden Stammes unseres Kunsthandwerks in den
gesunden Nährboden unserer heimischen Natur und Volkessitte.
In dieser Ueberzeugung und in dieser Absicht ist das Buch ge-
schrieben worden, welches hiermit der Oeffentlichkeit übergeben wird.
Entsprungen ist dasselbe aus den Bemühungen des Verfassers,
den Anschauungsstoff der seiner Leitung unterstellten öffentlichen
Sammlungen nach jeder Richtung hin nutzbar zu machen, den in der
japanischen Kunst sprudelnden Quell des Lichtes so allseitig zu er-
schliefsen, wie es bei unserer noch sehr jungen Bekanntschaft mit
japanischen Dingen erreichbar war.
Um jener Absicht und diesem Zwecke zu genügen, mufste nach
manchen Richtungen hin über den engeren Kreis der kunstgewerb-
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