Brinckmann, Justus
Kunst und Handwerk in Japan (Erster Band) — Berlin, 1889

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Vorwort

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liehen und technischen Schilderungen hinausgegriffen werden. Das
japanische Kunstgewerbe mufste in seinem Zusammenhang mit der
Landschaft, mit der Pflanzen- und Thierwelt, mit der Religion und
Geschichte, mit den Sitten und dem täglichen Leben der Japaner,
mit der Baukunst und Malerei des japanischen Volkes geschildert,
der überaus reiche Schatz der Motive der japanischen Zierkunst
mufste auf seinen poetischen und historischen Inhalt geprüft und
klargelegt, der weitreichende Einflufs der chinesischen Kunst, der
geringfügige des Abendlandes mufste nachgewiesen werden. Nur in
diesem Zusammenhang konnte das japanische Kunsthandwerk in seiner
ganzen Tiefe und ursprünglichen Schönheit zum Verständnifs gebracht
werden.
Indem der Verfasser dieses Ziel verfolgte, durfte er hoffen, dafs
seine Arbeit auch neben den in den letzten Jahren erschienenen Werken
über Japan selbstständigen Werth erlangen werde. J. J. Rein hat in
seinem trefflichen Buche ,,Japan“ unsere geographischen, naturgeschicht-
lichen und technischen Kenntnisse von Japan auf Grund seiner im
Lande selbst gesammelten Erfahrungen gründlich verarbeitet. Louis
Gonse hat in dem Werke ,,1’Art japonais“ die Kunst und das Kunstge-
werbe Japans geist- und begeisterungsvoll gewürdigt. William Anderson
hat in seinem grofsen Werke „The pictorial arts of Japan“ die Ge-
schichte der japanischen Malerei von ihrer technischen und historischen
Seite auf gelehrte und vorurtheilsfreie Weise erörtert. Zahlreiche Einzel-
forschungen Anderer haben unser Wissen nach den mannichfachsten
Richtungen hin vertieft und bereichert, und gleichzeitig1 mit dem Er-
scheinen dieses Buches bietet Bing in Paris der gesammten Welt
durch seinen auch in deutscher Ausgabe erscheinenden „Japanischen
Formenschatz“ einen äufserst reichen Anschauungsstoff, welcher Allen,
denen die Anschauung der Urbilder abgeht, die vielseitigste Erkennt-
nis japanischer Formen und Farben zu vermitteln geeignet ist.
Hat Rein, soweit das Kunsthandwerk in den Rahmen seines
Buches fiel, dasselbe vorwiegend hinsichtlich der heute geübten Tech-
niken behandelt, hat Gonse das Kunsthandwerk Japans vorzugsweise
unter ästhetischen Gesichtspunkten betrachtet, und hat Anderson die
Malerkunst, welche im Mittelpunkt des japanischen Kunstlebens steht,
besonders in ihrer historischen Entwickelung dargestellt, so versucht
das vorliegende Buch, neben der technischen, ästhetischen und histo-
rischen Würdigung des japanischen Kunsthandwerks auch den intimen
Zusammenhang der Erzeugnisse und Motive desselben mit der Natur
des japanischen Landes und mit der japanischen Volksseele in einge-
henderer Weise klarzulegen, als dieses bisher von anderer Seite ge-
schehen ist.
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