Brinckmann, Justus
Kunst und Handwerk in Japan (Erster Band) — Berlin, 1889

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Kunst und Handwerk in Japan.

zwischen Yezo und Kamschatka und die entlegenen Bonin-Inseln im
Stillen Ocean sind als neuere Erwerbungen bisher ohne Einflufs auf
die Cultur des Stammlandes geblieben.
Die Küstenentwicklung der japanischen Inseln ist im Verhältnifs
zu ihrer Gröfse eine sehr ausgedehnte. Namentlich die dem Ocean
zugewendete Küste des südlichen Hondo und die westliche Küste von
Kiushiu sind buchtenreich und nicht minder die Ufer des zwischen
diesen Inseln und Shikoku belegenen, seichten, aber an der Ebbe
und Fluth des Oceans theilnehmenden Mittelmeeres, dessen zahllose,
zum Theil mit Kiefern bewachsene Eilande an die landschaftlichen
Bilder norwegischer Skären erinnern. Steilküsten sind im Allgemeinen
häufiger als flache sandige Gestade.
Weniger gegliedert und auf weite
Strecken flach ist die vom japanischen
Meer bespülte ausgebauchte Westküste von
Hondo. Dies und die lange Herrschaft nörd-
licher rauher Winde im Winter erschweren
in jener Richtung die Verbindung mit dem
Festlande. Da auch das Meer zwischen
Kiushiu und der chinesischen Küste oft
von gefährlichen Stürmen erregt wird, ge-
winnt die vom Festlande sich nach Süden,
der nördlichen Küste Kiushius entgegen-
streckende Halbinsel Korea grofse Bedeu-
tung für die Beziehungen der Japaner zu den
älteren Culturvölkern des Festlandes.
Der reichen Küstengliederung entspricht auch ein reicher plasti-
scher Aufbau der japanischen Inseln. Nur im Unterlauf der wenigen
grofsen Flüsse breiten sich bedeutendere Ebenen aus, und ein fast be-
ständiger Wechsel von Berg und Thal beschränkt den ebenen culti-
virten Boden einschliefslich der bebauten Terrassen auf kaum ein
Achtel der ganzen Bodenfläche, ein Verhältnifs, dessen Bedeutung
klar wird, wenn man ihm gegenüber hält, dafs das Acker-, Garten-
und Weinland Deutschlands einen vierfach gröfseren Bruchtheil der ge-
sammten Bodenfläche einnimmt.
Im Allgemeinen folgen die Züge der japanischen Gebirge der
Längenausdehnung der Inseln. Trotz ansehnlicher Gipfelhöhen wirken
sie jedoch nicht völkerscheidend, denn der Verkehr wird durch ver-
hältnifsmäfsig niedrige Pässe vermittelt. Die höchsten Erhebungen
sind vulkanischen Ursprungs und bilden nur selten lange und hohe
Kämme, während die von den vulkanischen Bildungen durchbrochenen
und überlagerten Urgesteins - Massive meist nicht hoch ansteigen.


Kiefern-bewachsener Fels in stilisirten
Wellen. Muster eines Frauenkleides.
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