Brinckmann, Justus
Kunst und Handwerk in Japan (Erster Band) — Berlin, 1889

Page: 82
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Kunst und Handwerk in Japan.



Ausführliche, mit Entwürfen und Ansichten von Gartenanlagen
ausgestattete Bücher sind der Theorie und Praxis der Gartenkunst
gewidmet. Das verbreitetste derselben ist im Jahre 1735 in 3 Bänden

unter dem Titel Tsukt'-yama-mba

tsukuri-no-den, d. h. ,,Lehr-

buch künstlicher Berg- und Garten-Anlagen“ von dem Schriftsteller
Kitamura Yenkin und dem Maler Shige-Yoshi veröffentlicht und
in unserer Zeit neu aufgelegt worden. Während die Bilder dieses
Werkes meistens umfangreiche landschaftliche Gartenanlagen von
grofsem malerischen Reiz darstellen, führt uns die im Jahre 1828 von
Akisato herausgegebene dreibändige Fortsetzung unter dem gleichen
Titel in die beschränkteren Anlagen des Haus- und Thee-Gartens.
Letzterem Werke sind die Abbildungen auf den Seiten 81 und 83 ent-
nommen. *
Selbst in den grofsen Städten, wo Grund und Boden hohen
Geldwerth haben, ist kaum ein Haus, das nicht sein wohlgepflegtes
Gärtchen hätte, an dessen kleiner Landschaft mit ihren wasserumflos-
senen Felsengruppen und den schönblühenden oder seltsamen Ge-
wächsen die Bewohner ihre Augen weiden, wenn sie ausruhen von der
Arbeit oder dem lärmenden Getreibe des Strafsenlebens.
Obst- und Gemüsegärten fehlen bei den japanischen Häusern. Der
gewöhnliche Ziergarten, Niwa, liegt stets dem Wohnzimmer gegenüber.
Er ist mehr zum Beschauen als zum Aufenthalt im Freien und zum
Spazieren bestimmt. Doch ist auch hierfür gesorgt; an Stelle der Wege
ist er häufig mit grofsen unregelmäfsigen Schrittsteinen besäet, wie wir
sie von den Uebergängen pompejanischer Strafsen kennen. Diese Steine
gestatten uns auch bei nassem Wetter, uns an den Schildkröten und
seltsam beflofsten Goldfischen zu freuen, die sich in dem kleinen Teiche
tummeln, oder an den Salamandern, welche ein bescheideneres Wässer-
chen beleben, oder trockenen Fufses zu unseren Lieblingspflanzen zu
gelangen, um ihren wunderlichen Wuchs, das seltene Farbenspiel ihrer
Blätter oder ihre prächtigen Blüthen zu bewundern. Wo die Mittel zu
Weiterem nicht reichen, begnügt man sich auch im engen Hofraum
mit einem Busche des durch seine schönen rothen Beeren auffallenden
Aß^/^-Strauches oder mit einer kleinen Fächerpalme.
Jene Schrittsteine, Shiki-dai, sind es, deren Vergleich mit den
unregelmäfsig im Weltmeer verstreuten grofsen und kleinen Inseln des
japanischen Reiches dem Lande der aufgehenden Sonne unter seinen
vielen poetischen Bezeichnungen den Namen Shiki-shima, die den
Schrittsteinen gleich verstreuten Inseln, eingetragen hat. Vor Jahr-
hunderten schon hat diese Gestalt der japanischen Inselgruppe gar einen
Gartenkünstler begeistert, sie durch künstliche Inseln und eingelegte
Felsblöcke in einem künstlichen See des herrlichen Parkes nachzubilden,
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