Brinckmann, Justus
Kunst und Handwerk in Japan (Erster Band) — Berlin, 1889

Page: 294
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Kunst und Handwerk in Japan.




„Durch den Flügelwind
Gefangener Nachtigall
Nimmer fallen ab
Mumebaum’s Blüthen, gemalt
Auf ihres Käfiges Lack.”
Ein anderer Neujahrs-Grufs in einer der Uta Form ähnlichen,
aber in der Wahl der Wörter weniger gebundenen, Kioka genannten
Versform richtet sich folgendermafsen an den schönen Fuji-Berg:
„Du schweigender Berg,
Dem der Rede Gunst versagt,
Lächelst erheitert
Heute am Neujahrsmorgen
Bei der Kinder Frühlingsspiel.“
Dazu hat ein ungenannter Surimono-Künstler einen mit bunten
Mustern übersponnenen Ball und einen grofsen Kinderdrachen gezeichnet.
Ein bei Hofempfängen zum Ceremonienkleid getragenes Inro
ist dargestellt neben einem poetischen Grufs, welcher in den Worten:
v
„Frühlingshauch entströmt
Deines Aermels Faltenwurf,
Regst Du leis den Arm;
Mahnst mich wie Mume-Baum’s Duft
An Tokiyo’s Blüthenpracht!“
die Erinnerung an den glänzenden, farbenreichen Neujahrsempfang
bei Hofe mit dem frühzeitigen Blühen der Mume-Bäume verschmilzt.
Gakutei hat einem reizenden Blatte, auf welchem sich schnee-
weifse Mumeblüthen mit goldenen Staubfäden von der silbernen Mond-
scheibe abheben, die anmuthigen Verse beigefügt:
„Seh’ den Mume-Zweig
Ich vor des Mondes Spiegel,
Erscheint im Traum mir,
Blüthen-umduftet, Mädchen,
Dein Bild auf des Spiegels Rund!“
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