Matschoss, Conrad
Geschichte der Dampfmaschine: ihre kulturelle Bedeutung, technische Entwicklung und ihre grossen Männer — Berlin, 1901

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Vorwort.

An grosse Ereignisse knüpfen sich gern Geschichtchen
Anekdoten. Die E r fi n dun gs gc s ch i ch t e der Dampfmaschine kennt eine
ganze Anzahl. Eine Weinflasche, eine Tabakspfeife, ein Flintenlauf
und vor allem ein Theekessel spielen hierbei eine grosse Dolle.
Letzterer hat sich bis auf unsere Zeit im Andenken erhalten, und
heute noch wird mancher nicht viel mehr von der Geschichte der
Dampfmaschine wissen, als dass ein Theekessel dem jungen James
Watt die Geheimnisse seiner grossen Erfindung verraten habe.
So lange diese Anekdoten uns vor Augen führen, dass auch*
das Grösste seinen bescheidenen Anfang hat und dass der sogenannte
Zufall bei unserer menschlichen Entwicklung eine grosse Rolle
spielt, ist nichts dagegen einzuwenden. Wenn aber einer solch
kleinen Theekesselgeschichtc eine Bedeutung beigelegt wird, die sie
nie haben kann, wenn sie als einzig Bemerkenswertes im Gedächtnis
zurückbleibt und sich zu einer besonderen bildlichen Darstellung
des der Anekdote zu Grunde gelegten Vorganges, womöglich mit
der Unterschrift „James Watt erfindet die Dampfmaschine“ verdichtet,
so gewinnt sie ernstere Bedeutung, denn sie zeigt alsdann, dass für
die Art technischer Arbeit vielen noch jegliches Verständnis abgeht.
Der geniale Erfinder wird zum Lotteriespieler, der gerade zu-
fällig das grosse Los zieht, herabgesetzt, und der grosse Konstrukteur,
der in ernster technisch-wissenschaftlicher Arbeit sich abmülit, dem
Erfindungsgedanken die notwendige praktische Form zu geben, gilt
höchstens als gebildeter Handwerker oder als Zeichner und wird
weit unter den Jünger der reinen Wissenschaft gestellt.
Ist dann eine grosse Erfindung der Natur abgerungen, ausge-
bildet und schliesslich eingeführt und kann gegen ihre Bedeutung
nichts mehr eingewendet werden, weil sie zu unmittelbar in die
Augen fällt, dann wird wohl aus alten Folianten klipp und klar bewiesen,
dass die Sache gar nicht so neu sei, dass schon vor vielen hundert
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