Matschoss, Conrad
Geschichte der Dampfmaschine: ihre kulturelle Bedeutung, technische Entwicklung und ihre grossen Männer — Berlin, 1901

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IV

Vorwort.

Jahren einer — wenn möglich gar die alten Griechen und Körner —
davon „gesprochen“ habe. Welch ein Unterschied besteht zwischen
derartigen phantasievollen Vorahnungen und der harten Lebensarbeit
des endlich mit Erfolg gekrönten Erfinders, steht bei derartigen
Prioritätsnachforschungen, bei dieser Jagd nach dem „ersten“ Erfinder
gewöhnlich nicht vermerkt.
Aufklärend in dieser Richtung zu wirken, die Grösse der
Technik, ihre Leistungen und ihre Bedeutung für unsere gesamte
Kultur klar zu legen, ist eine der Aufgaben, die die Geschichte der
Technik zu erfüllen hat.
Noch wenig ist auf diesem Gebiete geschehen. Der rastlos
vorwärtsschreitende Entwicklungsgang der Technik hat wenig Zeit
zum Rückwärtsschauen übrig gelassen. Unsere grossen Ingenieure
haben wohl Geschichte gemacht, aber noch nicht Müsse gefunden, sie
zu schreiben.
Die neuste Zeit erst zeigt bedeutsame Anfänge zu einer Ge-
schichte der Technik. In dem Werke L. Becks haben wir eine gross
angelegte Geschichte des Eisens erhalten und in den „Beiträgen zur Ge-
schichte des Maschinenbaues“ von Th. Beck sowie in Merkels Ingenieur-
technik im Altertum ist uns eine ungeahnte Fülle der Anregung
aus der Technik längst entschwundener Zeiten zu teil geworden.
Eine grössere Anzahl geschichtlicher Betrachtungen in den tech-
nischen Zeitschriften aller Länder zeigt ebenfalls, dass man beginnt,
die Bedeutung der geschichtlichen Behandlung technischer Gebiete
zu würdigen und Zeit dafür zu finden.
Wenn es erst neben den zahlreichen Litteratur- und Kunstge-
schichten auch eine Technikgeschichte — wie ungewohnt klingt so-
gar das Wort uns noch — geben wird, dann werden auch die Ver-
fasser unserer Welt- und Kulturgeschichten an den grossen Thaten
der Ingenieure nicht mehr wie bisher stillschweigend vorbei- oder mit
einigen Zeilen darüber hinweggehen können. Ja es wird dann auch
die Zeit kommen, wo in den Museen nicht nur die Werkzeuge der
Stein- und Eisenzeit, sondern auch die geschichtlich denkwürdigen
Erzeugnisse des Maschinenzeitalters Platz finden werden.
Bescheidene Anfänge sind auch schon in dieser Richtung vor-
handen. Ich erinnere an das äusserst interessante Eisenbahn-Museum
des bayrischen Staates, das in Nürnberg, dem Ausgangspunkt des
deutschen Eisenbahnwesens, seinen richtigen Platz gefunden hat.
Freilich von der „ersten“ Lokomotive Deutschlands, dem „Adler“,
findet der Besucher Abbildungen und in neuester Zeit wohl ein
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