Matschoss, Conrad
Geschichte der Dampfmaschine: ihre kulturelle Bedeutung, technische Entwicklung und ihre grossen Männer — Berlin, 1901

Page: 43
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I. Die Dampfmaschine im 18. Jahrhundert.

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Maschine abhängig war, auf die Ventile wirken, ja man konstruierte
einen „Pyroregulateur“, der die wechselnden Temperaturen im
Druckkessel zur Bewegung der Steuerung ausnutzen sollte. Eine
kupferne Röhre wurde so angebracht, dass abwechselnd Dampf und
kaltes Wasser auf sie wirkte. Die hierdurch erreichte wechselnde
Längenänderung der Röhre, die also abhängig war von dem Wechsel
des Dampfes und kalten Wassers im Druckkessel, wurde mit Hebeln
auf die Steuerung übertragen. So sinnreich auch diese Steuerung
ausgedacht war, in der praktischen Ausführung bewährte sie sich
nicht, da sie zu empiindlich war und auch zu langsam funktionierte.
Fassen wir kurz die Hauptergebnisse dieser ersten Entwicklungs-
periode zusammen, so sehen wir, dass Papin als erster 1G90 den
Dampf in einem mit Kolben versehenen Cylinder benutzte, um ein
Vacuum zu erzeugen und dadurch den äusseren Luftdruck als be-
wegende Kraft in Thätigkeit treten zu lassen. Diese erste Kolben-
dampfmaschine ist um so bedeutungsvoller, als an sie, wie wir sehen
werden, die spätere Entwicklung unmittelbar anknüpft. Praktische
Schwierigkeiten der Herstellung verhinderten zunächst den Erfolg
dieser Papin’schen Konstruktion.
Neben dieser atmosphärischen Maschine, in der der Dampf nur
eine mittelbare Rolle spielt, wird der Dampfdruck unmittelbar aus-
genutzt in der Papin’schen und Savery’sclien Dampfpumpe (s. Fig. 7
und Fig. 8). Bei beiden drückt der Dampf das Wasser so hoch,
als seiner Spannung entspricht, während aber Papin seiner Maschine
das Wasser bis zum Druckbehälter zuführt, lässt Savery es durch den
äusseren Luftdruck unter Benutzung der Kondensation des Dampfes
in den Druckbehälter drücken. In Papin’s Konstruktion, Fig. 7,
sehen wir eine Hochdruckdampfmaschine mit Auspuff des Dampfes,
in der Savery’s gleichfalls eine Hochdruckdampfmaschine, aber mit
Kondensation des Dampfes.

KAPITEL 2.
Entwicklung und Verbreitung der atmosphärischen Maschine
in England.
Die Savery’sclie Maschine hatte ihr Versprechen, „ein Freund
des Bergmanns“ zu sein, nicht erfüllt. Ihre Leistungsfähigkeit war
zu gering, ihr Brennstoffverbrauch zu ungeheuer, als dass sie zu
Wasserhaltungszwecken der Bergwerke verwendbar gewesen wäre.
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