Matschoss, Conrad
Geschichte der Dampfmaschine: ihre kulturelle Bedeutung, technische Entwicklung und ihre grossen Männer — Berlin, 1901

Page: 44
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B. Die technische Entwicklung (1er Dampfmaschine.

Pumpe und Dampfmaschine, die in der Savery’sclien Konstruktion
noch in einem Apparat vereinigt waren, mussten getrennt werden.
Die atmosphärische Maschine, wie wir sie in der Huyghens’schen
Pulvermaschine und in der ersten Papin’schen Kolbenmaschine kennen
gelernt haben, war berufen, nach weiterer Ausbildung als erste
Wärmekraftmaschine den Anforderungen der Industrie in höherem
Masse zu genügen.
Der Grobschmied Newcomen und der Glaser Cawley in Darmouth
hatten etwa um das Jahr 1700 Gelegenheit, den mangelhaften Betrieb
einer Savery’schen Maschine aus eigner Erfahrung in ihrer Eigenschaft
als Maschinenwärter kennen zu lernen. Das erregte in ihnen den
Wunsch nach einer Verbesserung. Sie glaubten diese in einer
Trennung der Pumpe von der Kraftmaschine gefunden zu haben, und
zwar sollte letztere, mit Cylinder und Kolben ausgerüstet, durch ge-
eignete Uebertragungsmittcl ihre Kraft an die Pumpe abgeben. Im
Ungewissen über die Ausführbarkeit ihrer Idee, zu bescheiden, ihrem
eigenen Verständnis diese Beurteilung zuzutrauen, wandten sie sich
an den berühmten Gelehrten Ilooke und baten um seine Ansicht.
Ilooke machte sie auf die Papin’sche Erfindung, die sich im Prinzip
mit der ihren docke, aufmerksam, verhehlte ihnen den mangelhaften
Erfolg derselben nicht und sprach seine Meinung sogar allgemein
dahin aus, dass man auf diesem Wege überhaupt zu keiner praktisch
brauchbaren Maschine gelangen könne. Zum Glück gelang es dem Ge-
lehrten durch diese vernichtende Kritik nicht, die Erfinder von der Her-
stellung einer Versuchsmaschine abzuhalten. Der Fortschritt war unver-
kennbar. Während in der ersten atmosphärischen Kolbendampfmaschinc
Papin’scher Konstruktion (s. Fig. 0) der Dampfcylinder zugleich der
Dampferzeuger, der Kessel, gewesen, so waren nun für die beiden
Zwecke der Erzeugung und Verwendung des Dampfes auch zwei ge-
trennte Apparate, Kessel und Cylinder, vorhanden. Nur ihre räumliche
Nähe — der Dampfcylinder stand direkt über dem Kessel — deutete
gleichsam noch an, dass sie aus ein und demselben Gefäss hervor-
gegangen waren.
Der Fortschritt in der Idee war vorhanden, die Ausführung
dieser Idee war — Grobschmiedarbeit, und dieser Umstand war wenig
geeignet, der Maschine ihre Arbeit zu erleichtern.'
Jahre vergingen, ehe die atmosphärische Maschine gebrauchs-
fähig wurde. Newcomen musste erst Maschinenbauer werden, ehe es
ihm gelang, seinen Gedanken die richtige, praktische Form zu geben.
Newcomen’s Maschine benutzte als treibende Kraft nicht direkt
den Dampfdruck, sondern den äussern Luftdruck, der den Kolben in
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