Matschoss, Conrad
Geschichte der Dampfmaschine: ihre kulturelle Bedeutung, technische Entwicklung und ihre grossen Männer — Berlin, 1901

Page: 105
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II. Von der Watt’schen Niederdruck- bis zur Präcisionsdampfmaschiiie. 105

niemandem erspart. Die erste Dampfmaschinenfabrik blieb noch lange
allen voran, wenn sie auch nicht, wie man einst angenommen hatte,
mit ihren Einrichtungen alle Dampfmaschinen, die mit der Zeit er-
forderlich wurden, bauen konnte. Der Bedarf stieg gewaltig, und
Boultons Ansicht, dass neue Dampfmaschinenfabriken zu errichten
ebenso thöricht sei, als eine Mühle zu bauen, um einen Schelfel Korn
zu mahlen, wurde durch den wirklichen Gang der Dinge sehr schnell
als irrig erwiesen.
Neue Dampfmaschinenfabriken entstanden aller Orten. Die Er-
findungskraft zahlreicher Fachleute und Laien wandte sich den Kraft-
maschinen zu, deren kurze Entwicklung bereits so ungeheuere Er-
folge gezeitigt hatte. Einen Formenreichtum, wie er sich damals
entfaltete, hat keine andere Epoche der Entwicklung mehr aufzuweisen.
Manches erwies sich erst später bei besseren Werkzeugen und
Werkzeugmaschinen als lebensfähig und geriet zunächst in Ver-
gessenheit. Vieles war und blieb eine Kuriosität, die nur die Viel-
seitigkeit technischer Kombinationsmöglichkeiten zu zeigen geeignet
war. Nur das, was nützlich und ausführbar zu gleicher Zeit war,
kam sehr bald zu allgemeiner Anwendung.
Immer unbequemer für die vielseitige Anwendung der Dampf-
maschine wurde ihr grosser Raumbedarf und ihre Abhängigkeit
von dem Maschinengebäude empfunden. So lange die Lager der
Balancierachse noch von den Mauern des Gebäudes getragen wurden,
war die Maschine noch kein in sich geschlossenes Ganzes.
Das praktische Bedürfnis stellte die Konstrukteure vor die
Aufgabe, die Dampfmaschine so zu gestalten, dass sie ohne grosse
Schwierigkeiten auch in wesentlich kleineren und ungünstiger ge-
logenen Räumlichkeiten, als bisher für die Maschinenräume genommen
wurden, aufgestellt werden konnte. In der verschiedensten und
mannigfachsten Weise suchten die Ingenieure diese Aufgabe zu
lösen.
Eine der nächstliegendsten Lösungen fanden Fenton und Murray,
fiie Besitzer einer bedeutenden Dampfmaschinenfabrik in Leeds. Sie
lassen die Balancierachse nicht mehr von den Wänden des Maschinen-
i'aumes, sondern, wie die Fig. 32 zeigt, von einem eisernen Aförmigen
Gestell tragen, das mit dem Cylinder C und den Lagern der Schwung-
radwelle auf einer starken gusseisernen Grundplatte vereinigt ist.
Kondensator und Luftpumpe sind unter Fussbodenhöhe in einem mit
Wasser gefüllten gusseisernen Kasten untergebracht. Die Gerad-
führung der Kolbenstange erfolgt durch das Watt’sche Parallelo-
gramm. Als Dampfverteilung werden nicht Ventile, sondern der
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